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Eins vor, zwei zurück. Der Stadtrat von Bamberg macht die Bahn für langwierige Verzögerungen beim ICE-Ausbau verantwortlich. Das kann man auch anders sehen.

Einig im großen Katzenjammer

Es ist erst gut zwei Monate her, dass der Bamberger Stadtrat einstimmig beschlossen hat, ein „neutrales Gutachten“ zu allen noch im Rennen befindlichen Bahntrassen-Varianten erstellen zu lassen. Ausdrücklich wurde festgehalten, dass auch „eine Kombination der Varianten möglich sein kann“.
Nur wenige Wochen später preschte die CSU-Fraktion vor und sprach sich für die Variante „viergleisige oberirische Stadtdurchfahrung auf der Bestandstrasse“ aus. Vier Wochen später folgte die SPD-Fraktion mit einer eigenen Forderung und positioniert sich entgegengesetzt zur CSU. „Wir warten auf die Gutachten, die uns verlässliche Zahlen zur Häufigkeit des Güterverkehr bringen“, betont SPD-Stadtrat Heinz Kuntke (> FT v. 28.3.17). Die SPD liebäugelt immer noch mit einer „0-Lösung“, was heißt: entweder eine zweigleisige Durchfahrt wie bisher oder maximal drei Gleise. Die Antwort der Bahn darauf war bisher eindeutig: Der viergleisige Ausbau sei nach der betriebswirtschaftlichen Untersuchung »zwingend erforderlich«, so der Bahnrepräsentant Mike Flügel zuletzt auch in der öffentlichen Info-Veranstaltung am 17.2.17.
Die beiden großen GroKo-Parteien haben jetzt entgegengesetzte Positionen bezogen.
Einig sind sie nur offensichtlich nur im großen Katzenjammer über die Folgen einer unvermeidlichen Mammutbaustelle quer durch Bamberg. Verlässt sie deshalb jetzt der Mut?

Wo gehobelt wird, da fallen Späne!

Das Verhalten der beiden Koalitionsparteien könnte jetzt die immer noch lebenden Alternativvarianten befeuern. Die Bamberger Allianz macht sich nach wie vor für eine Tunnellösung (lang oder kurz) stark. Ähnlich der Bürgerblock. Die GAL-Fraktion sieht in der Variante „eingehauste Güterzug-Ostumfahrung“ die beste Lösung. Allerdings lehnten SPD und CSU es ab, auch diese Variante durch einen unabhängigen Gutachter prüfen zu lassen.
Hört man Volkes Stimme und nimmt selbst die Meinungen von Stadtratsmitgliedern hinter „vorgehaltener Hand“ dazu, dann scheint nach wie vor eine Tunnellösung an erster Stelle, die eingehauste Güterzug-Ostumfahrung (> Bild r.) an zweiter Stelle und die oberirdische Stadtdurchfahrung an dritter Stelle zu stehen. An die 0-Lösung will kaum jemand so recht glauben.
Kein Wunder, dass man sich aufgrund der verfahrenen Lage nicht auf eine gemeinsame Trassenführung einigen kann. Aber selbst die Ergebnisse eines unabhängigen Gutachters will man nicht abwarten – oder: traut man sich nicht abzuwarten. Tatsächlich wird man sich irgendwann bekennen müssen – und wohl dann erkennen, dass eben nicht alle Interessenträger zufrieden gestellt werden können. Wo gehobelt wird, da fallen Späne!
31.3.17 Bilder: DB AG Hannes Frank; WeBZet. Hinweis: Die WeBZet ist unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! erreichbar. Zu dem Artikel äußern können Sie sich anhand der Kommentarfunktion unten. Die Kommentare werden direkt freigeschaltet. Bitte beachten Sie die „Richtlinien für Kommentare“.

Kommentare   

+8 #5 merci 2017-04-03 10:38
@ #4 ich stimme Ihrer Meinung voll zu. Ein Tunnel bedeutet zwar aktuellen Mehraufwand, aber langfristig gesehen ist es die beste Lösung. Absoluter Schallschutz im Bereich des Tunnels und die Möglichkeit zur Nutzung der oberirdisch frei werdenden Flächen sind unschlagbare Vorteile.

Meiner Meinung nach ist die Ostumfahrung für Güterzüge die schlechteste Lösung. Neben den vielen Argumenten, welche die Stadt Bamberg bereits gegen die Ostumfahrung angeführt hat und welche mehr oder weniger schlüssig sind, gibt es noch einen weiteren Aspekt zu beachten. Die Befürworter der Ostumfahrung wollen ja hauptsächlich den Zuglärm aus der Stadt wegbringen. Aber dies wird bei einer Güterzugostumfahrung nicht geschehen, da der Personenzugverkehr weiterhin in der Stadt bleibt und dann bei Nutzung im Bestand auch keine Verbesserung des Lärmschutzes erfolgt. Statt also den Lärm wie bei einer Tunnellösung zu beseitigen, würde nur eine zweite Lärmquelle am Stadtrand geschaffen. Dies bedeutet eine zusätzliche Belastung für die Stadt und natürlich auch für die Anwohner der neuen Trasse. Wer glaubt denn schon daran, dass die Bahn außerhalb der Stadt eine Tunnellösung oder einen guten Lärmschutz umsetzt, wenn sie sich schon innerhalb der Stadt so ziert. Eine Ostumfahrung macht also rein objektiv alles schlimmer und fast nichts besser.

Zudem finde ich (subjektiv), dass sich die Anwohner in der Nähe der Bahnlinie, die zum großen Teil im Bewußstsein der Gleise, dorthin gezogen sind und sich dort eingekauft haben (die Bahnlinie gibt es ja schon ein paar Jahrzehnte und ist nicht neu), nun versuchen, insoweit sie für eine Ostumfahrung plädieren, sich einen schlanken Fuß auf Kosten anderer zu machen. Die Anderen sollen jetzt zusätzlich mit Bahnlärm belastet werden und einen Wertverfall ihres Eigentums hinnehmen, um eine kleine Verbesserung für die jetzigen Anwohner der Bahnlinie zu erreichen. Diese Vorgehensweise find ich nicht gerecht.
Auch wenn die Initative Bahnsinn Bamberg oder einzelne Leserbriefschreiber an den FT gerne so tun, als würden sie für alle Einwohner Bambergs sprechen, wenn sie ihre Ostumfahrungslösung anpreisen, tun sie dies nicht. Eine große Einwohnergruppe ist anderer Meinung. Zumindest im Bamberger Osten.
+15 #4 Bernhard 2017-04-03 01:24
Die Frage ist letztlich nur die, ob man eine schnellere Lösung die langfristig schlechter ist (Oberirdisch mit Mauern) will, oder eine langwierigere Lösung die langfristig besser ist (Tunnel). Ich bin nach wie vor für zweiteres.

Als Stadtverwaltung muss man langfristig das beste für die Stadt wollen. Und mit Tunnel hätte die Stadt immense Entwicklungschancen.
+2 #3 Bürger dieser Stadt 2017-04-01 13:14
Katzengejammer wegen angeblicher Mammutbaustellen? Nicht nachvollziehbar. Dann würden manche Menschen vielleicht mal lernen, ihren Arsch hochzukriegen oder, wenn sie zu faul dafür sind, die Innenstadt zu meiden. Lieferverkehr und ÖPNV würde sich anders behelfen müßen und können. Selbst wenn die angeblichen Horrorszenarien eintreten würden, würde ich das gelassen sehen.
+7 #2 ThoMü 2017-04-01 12:12
zu # 1 Nicht vergessen, daß die Bahn das letzte Wort hat. Die wird Bamberg nie und nimmer zu einem Nadelöhr auf ihrer Schnellstrecke machen. Am besten wäre die Ostumfahrung für Güterzüge.
+2 #1 Bamberger-Reiter 2017-04-01 11:43
0-Lösung ist doch garnicht so unwahrscheinlich, weil die Fronten sind verhärtet. Zwischen den Leute im Bamberger Osten und einige Landkreisbewohner aus Gemeinde Memmelsdorf. Und den Leute an den Bahngleisen, jeder von denen wird jedes Planverfahren der Bahn gerichtlich stoppen.

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