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Ein Vortrag des Stadtheimatpflegers machte deutlich, dass es gute Gründe gibt, die umstrittenen Bayerlein-Bilder aus dem Sitzungssaal im Rathaus zu entfernen.

Wollte bis zu seinem Tod nichts von Demokratie wissen

»Wenn wir diesen Vortrag schon vor 20 Jahren gehört hätten, hätte sich die Diskussion wohl anders entwickelt«, meinte Stadtrat Dieter Weinsheimer. Er bezog sich damit auf den Vortrag des Bamberger Stadtheimatpflegers Prof. Andreas Dornheim über die jüngsten wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Thema „Der Maler Fritz Bayerlein“ (1872-1955)“. Dornheim legte dar, dass im Jahr 1937 zwei Gemälde des Malers Bayerlein im Sitzungssaal des Rathauses angebracht worden waren. Sie waren vom NSDAP-Kreisleiter und Oberbürgermeister Lorenz Zahneisen in Auftrag gegeben worden. Wesentlich ging es aber nicht um die ästhetische Qualität der Bilder, sondern um den Maler selbst. In der NS-Zeit habe Bayerlein viele Aufträge erhalten und sei ein wohlhabender Mann geworden. Er galt als „Kämpfer der Bewegung“, der er „seit den ersten Tagen angehört“ hatte, zitierte Prof. Dornheim aus der NS-Zeitung „Völkischer Beobachter“ v.18.3.1934. Bayerlein-Bilder hingen u.a. im Dienstgebäude von Heinrich Himmlers SS. Eine Tatsache, die er nach dem Krieg in seinen Lebenserinnerungen verschwieg. Dornheim hob hervor, dass sich der Maler anders als Millionen Deutsche verhalten habe. Bayerlein sei kein Mitläufer gewesen, sondern ein nationalsozialistischer Unterstützer der ersten Stunde. Er war ein überzeugter Antisemit, der mit dem Stereotyp vom „schmierigen Ostjuden“ operierte. Von der NSDAP wurde Bayerlein 1938 als „durchaus einwandfrei und politisch zuverlässig“ beurteilt. Noch 1955 – in seinem Todesjahr - distanzierte sich Bayerlein von der Demokratie.“

Im „Raum der Demokratie“ haben diese Bilder nichts verloren

Die Debatte zum letzten Tagesordnungspunkt einer vierstündigen Sitzung des städt. Kultursenats am 23.3.17 erschöpfte sich nicht im bloßen Durchwinken: denn eigentlich hatte der Vortrag des Heimatpflegers nur „zur Kenntnis gedient“. Die Darlegungen wurden von allen Fraktionen gewürdigt. In den Wortbeiträgen gab es zwar durchaus noch die bisher bekannten Unterschiede, aber es zeigte sich nach einer bereits Jahrzehnte andauernden Debatte eine neue Ernsthaftigkeit. Die Beiträge von Dr. Gerhard Seitz (CSU) und Klaus Stieringer (SPD) „hakten“ wesentlich die Frage ab, inwiefern die beiden Rathaus-Bilder „Nazi-Ideologie“ wiederspiegelten. »Nicht diese Bilder« betonte Seitz und Stieringer meinte die Bilder »hängen zu lassen und zu mahnen«. Andreas Reuss (GAL) fand es aus politischen und künstlerischen Gründen »unsäglich, dass diese Bilder hier hängen, weil sie einem ungeistigen Hintergrund entspringen«. »Mir haben die Bilder immer gefallen«, bekannte Dieter Weinsheimer in seinem Beitrag. Ihm ginge es deshalb auch nur um die Person des Malers Bayerlein. Dieser sei bekennender Nazi gewesen, habe Vorteile daraus bezogen – und nach dem Krieg sich kein bisschen geläutert gezeigt. »In unserem „Raum der Demokratie“ haben diese Bilder deshalb nichts verloren«, konstatierte Weinsheimer. An einem anderen Ort hätte er keine Probleme damit.
Der Senat zeigte sich schließlich daran interessiert, die wissenschaftliche Forschung zunächst weiter voranzutreiben. Das Thema dürfte jedenfalls nicht beendet sein.
29.1.17 Bilder: WeBZet. Hinweis: Die WeBZet ist unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! erreichbar. Zu dem Artikel äußern können Sie sich anhand der Kommentarfunktion unten. Die Kommentare werden direkt freigeschaltet. Bitte beachten Sie die „Richtlinien für Kommentare“.

Kommentare   

+14 #15 Hape Bender 2017-04-02 08:46
1. Es geht doch hier nur um die Bilder im Sitzungssaal im Rathaus. Da sollte man doch andere Objekte außen vor lassen, sonst wird es immer kompliezierter.
2. Hier steht zwar nichts davon, daß man evtl. 250.000 € weiteren Kosten für wissenschaftliche Untersuchungen ausgeben müßte (war aber im FT zu lesen). Das wäre Schwachsinn pur.
3. Die Bilder sollten endlich abgehängt werden. Meinetwegen kann man sie in einem Museum wieder ausstellen.
+6 #14 Heiner 2017-04-01 04:54
Die Bilder müssen weg und der Obersalzberg bleibt, komisch. Naja mit dem Berg verdient man auch genug. Um vorzubeugen, ich hab mit den RECHTEN gar nix am Hut. Meinetwegen hängt die Bilder ab. Jede Diskussion darüber kosten nur unnötig Geld welches ja von den Bürgern kommt.
+10 #13 Clavius1970 2017-03-31 13:59
Woos is do los, wos wädd do gsbilld,
im gonsä Haus ka Hiddlerbild,
abber dös is dooch ned wohr,
im Stoddrod henga noch a bor.

Gedicht der Nachkriegsgeneration zur Aufarbeitung der Nazi-Vergangenheit. Letzte Zeile ist an die jeweilige Gegebenheit anpassbar.

Und jetzt macht dieser Farce ein Ende und hängt die Dinger endlich ab. Bamberg hat andere Sorgen.

Oder sind da noch ein paar Ewigsehnsüchtige unter den Stadträten?
0 #12 Bergradfahrer 2017-03-31 09:49
@#7
Bitte nicht das Werk Wagners, ungeachtet dessen Person, mit den Machwerken dieses Provinzklecksers in einem Atemzug nennen.
+12 #11 freggerla 2017-03-30 21:18
Und nicht vergessen, brose und die gleichlautenden Straßen auch umzubenennen.
+20 #10 M.Bieber 2017-03-30 20:11
Die Diskussion ist nicht neu, schon vor 20 Jahren gab es im Stadtrat eine Diskussion, und die breite Mehrheit war der Ansicht, die Bilder hängen zu lassen, allen voran die CSU-
Stadträte, aber auch die Mehrheit der SPD. Vielleicht schaffen sie es ja diesmal, diese Bilder, die nicht nur ein
Nazi gemalt hat, sondern die auch ganz offensichtlich Tendenz-"Kunst" sind, zu entfernen.
+7 #9 Clavius1970 2017-03-30 18:24
Ich habs! Versteigert die Bilder doch für einen guten Zweck. Zum Beispiel für neue Straßenschilder an Bayerleinswiese und -weg, die konsequenterweise auch umbenannt werden müssten. Die Bieter sollten anonym bleiben dürfen, nicht dass sie dann die Nazikeule trifft. Wenn ich mir die Gesinnung mancher Mitbürger so anschaue, dürfte ein hübsches Sümmchen zusammenkommen.
+4 #8 goblmoo 2017-03-30 18:00
Die Spezialdemokraten wieder - sie wollen ein bisschen mahnen. Vielleicht an einem neuen Bamberger Spezialmahntag, an dem mal wieder ans Nichtstun gedacht wird - und an dem ein SPDler eine Mahnrede halten darf. Das wäre toll, das würde uns sehr beruhigen.
+5 #7 gablmann 2017-03-30 15:02
...und bitte die Festspiele von Richard Wagner, dem alten Nazi-Künstler aus Bayreuth, nicht mehr mit Millionen bezuschussen.

Die Autobahn München-Berlin verlegen.
Das Finanzministerium umnutzen (Prestigebau des nationalsozialistischen Regimes in Berlin. Hier residierte bis Kriegsende das Reichsluftfahrtministerium; hier war das Machtzentrum Hermann Görings)
usw...
+14 #6 Berggebietler 2017-03-30 09:20
Wenn man schon einem antisemitischen Altnazi die Ehre entziehen will, dann sollte man konsequenterweise auch gleich den Fritz-Bayerlein-Weg umbenennen. Zeit wird's!

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