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Die Stadt greift zu. Mit einer Kapitaleinlage und einem großzügigen Betriebskostenzuschuss in Höhe von 125.000 € will die Stadt Bamberg bei der Sandkerwa einsteigen.

Ein versierter Profi für das Eventgeschäft

Zwar sind noch keine endgültigen Beschlüsse gefasst, aber die außerordentliche Mitgliederversammlung des veranstaltenden Bürgervereins Sand hat sich am 29.11.17 „für eine mögliche Zusammenarbeit mit der Stadt Bamberg“ ausgesprochen. Der Finanzsenat des Stadtrats hat im Zuge seiner Haushaltsberatungen am gestrigen Mittwoch bereits 225.000 € locker gemacht. 100.000 € Kapitaleinlage für eine neue Kerwa-Veranstaltungs-Gesellschaft und 125.000 € jährlichen Betriebskostenzuschuss.
Als möglicher Geschäftsführer der paritätisch besetzten Gesellschaft soll Horst Feulner die Stadt vertreten. Der Chef der Bamberg Congress und Event GmbH gilt als versierter Profi für das Eventgeschäft.
OB Andreas Starke warb vor der Abstimmung für das Konzept. Er sprach von einem »Rettungsschirm« für das Volksfest, damit dieses auch in Zukunft stattfinden könne. In der Debatte gab es zwar auch fünf Gegenstimmen, die das jetzt große Engagement der Stadt infrage stellten, doch vornehmlich CSU und SPD verhalf dem Beschlussantrag der Stadtverwaltung zu einer Mehrheit. Heinz Kuntke (SPD) und Stefan Hipelius (CSU) meinten, dass die Sandkerwa schon mittelfristig ihre Kosten einspielen werde.

Auch die anderen Kirchweihen sollen entlastet werden

Während die Kapitaleinlage für die neue Gesellschaft breite Zustimmung fand, wurde der Einsatz öffentlicher Gelder für die Betriebskosten kontrovers diskutiert. Die GAL sprach sich nachdrücklich dafür aus, die 125.000 € komplett einzusparen. Man sei nicht gegen die Sandkerwa, argumentierte GAL-Sprecherin Christiane Laaser, aber ein solches Fest sollte eigentlich Geld einspielen und nicht mit öffentlichen Mitteln finanziert werden.
Für eine »maßvolle Erhöhung – es gehe doch um öffentliche Gelder« der bisherigen Förderung plädierte Dieter Weinsheimer von der Bamberger Allianz. Bereits 75.000 € wären eine deutliche Erhöhung gegenüber dem bisherigen Zuschuss, sagte Weinsheimer. Zudem wolle man ja bei den Betriebskosten alle anderen Traditions-Kirchweihen auch entlasten.
7.12.17 Bilder: WeBZet. Hinweis: Die WeBZet ist unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! erreichbar. Zu dem Artikel äußern können Sie sich anhand der Kommentarfunktion unten. Die Kommentare werden direkt freigeschaltet. Bitte beachten Sie die Richtlinien für Kommentare > linke Spalte unter „Nachträgliche Kommentare“.

Kommentare   

+10 #11 Frau Holle 2017-12-09 08:18
Die Lobby ist nicht so groß, wie es den Anschein haben könnte. Das ist ein interessanter Cocktail.

Das geht los mit ein paar Kaspern auf sozialen Medien (eigentlich nur Facebook), die ihre Basketball- und Eventaffinität (gehört beides zusammen) herausposaunen. Das geht weider mit einem lokalen Käseblatt, der zu den gegebenen Zeitpunkten auffällig zahlreiche Werbeartikel absetzt. Das geht nochmal weiter mit einem lokalen Radiosender, der sich an Teenies und an Publikum mit überschaubarem Bildungsgrad richtet und, diesem Niveau entsprechend, seinen politischen Schwerpunkt ebenfalls auf die Event- und Basketballbefürwortung legt. So mancher Sendervertreter lässt daran kaum Zweifel aufkommen. Darüber hinaus gibt es noch ein paar Hänschen, die als "Vertreter" des Einzelhandels fungieren. Schließlich gibt es noch Stadträte ink. OB, die nicht in der Lage sind, ihre persönlichen Interessen vom Gemeinwesen fernzuhalten, das sie vertreten sollen. Befangenheit nennt man das. Auch gibt es Stadträte, die sich nicht trauen, ernsthaft etwas gegen den Spitzenbasketball und gegen manche Events zu sagen. Das ist schließlich heilig.

Das ist Lobbypolitik, ja. Aber bei weitem keine Politik für die Mehrheit. Das wäre es übrigens auch dann nicht, wenn es sich um eine Fußballmannschaft handeln würde, die Champions-League-Favorit wäre. Selbst dann würde sich die Mehrheit dafür nicht interessieren, geschweige denn wollen, dass Steuergelder für solche Belanglosigkeiten freigegeben werden. Das sind Dinge, bei denen die Gelder von woanders kommen müssen. Sind diese nicht da, muss eben verzichtet werden. Punkt.
+9 #10 Wolfgang M K. 2017-12-09 05:47
Zu Nr. 9
Da hat er wohl recht der supi! Aber das neue starke Bamberg arbeitet halt so. Wetten, das die Sandkerwa jetzt ein Allerweltsevent wird. Die Ureinwohner können dann verschwinden.
-5 #9 supi 2017-12-08 18:51
nun ich sage es mal völlig wertneutral so, die entwicklung und die entscheidungen gefallen mir nicht, ich hätte mir von meiner stad, meiner stadtverwaltung etwas anderes gewünscht, aber das leben ist halt leider kein wunschkonzert oder anders gesagt die lobby der anderen ist halt effektiver
+18 #8 Eismann 2017-12-08 13:31
Eigentlich bin ich gerne auf die Sandkerwa gegangen.

Wenn ich die Berichterstattung und nicht nur diese hier so lese und für mich interpretiere, schlußfolgere ich, daß der BV eigentlich die Sandkerwa verschachert hat. Jeder hätte dagegen stimmen können.

Und die Stadt? Armselig, einfach armselig. Hier wird Geld mal eben so locker gemacht, vom unsäglichen Basketball ganz zu schweigen (sollen die Zahlen, die es wollen, aber nicht mit meinem Steueranteil). Kein Wort davon, daß die Stadt in der Vergangenheit die freiwilligen Zuzahlungen für Kindergrippenplätze und Kindergartenplätze einfach mir nichts dir nicht gestrichen hat und 2018 ganz ausläuft.

Das soll sozial sein - beide Parteien der Bamberger GroKo tragen dieses in ihren Parteiprogrammen - sozial. Das ich nicht lache, Geschäftleshuber sinds, nix anderes.
+8 #7 Bergradfahrer 2017-12-08 08:44
Panem et circenses, und das Party-Volk jubelt.
Konsequenterweise wird in die Arena-Studie auch noch investiert.
Flashmob mit Teer, Federn und Eisenbahnschiene bei nächster Stadtratssitzung?
+21 #6 hollermöffel 2017-12-07 22:06
Jahrzehntelang hieß es die Sandkerwa ist eine Riesengefahr, Brandlast, Fluchtwege etc, für die wunderschöne Altstadt.. aber wenn der Bürgerverein unbedingt Traditionen erfüllen will, dann darf er... und muss alle Konsequenzen tragen.
Bis Frühjahr 2017 war mit 51 T städt. Zuschuss der BV im Oberfrankenvergleich "Bestleister" gewesen. zB Sambafest Coburg über 100 000 jährlich Zuschuss. Antwort damals OB war: vollständige Transparenz herstellen... siehe webzet Artikel. Die Ehrenamtlichen wollten finanzielle und haftungsrechtliche Absicherung.... sonst wäre es ja nicht zur Absage gekommen.
Das sich die Sandkerwa nicht allein über die, weniger werdenden, Standbetreiber und den Festabzeichen-verkauf finanzieren kann, davor wurde seit Jahrzehnten gewarnt..
Das eigentliche Ziel der Sandkerwa ist ja auch erreicht, siehe Chroniken. Es sind genügend Besucher in der Innenstadt.... Die Bewohner brauchen auch Raum... die Lebens-Wohnqualität muss vorrangig sein, sonst entsteht eine Touristenkulisse...
+20 #5 DerBamberger 2017-12-07 21:56
die Kerwa ist doch eh nur noch ein Spektakel für Auswärtige. Kerwa? Wo denn? An der Elisabethenkirche ein bisschen. Das geht auch ohne Touristenströme und Massen aus dem Umland.
-5 #4 babsi 2017-12-07 18:16
nix mid sanierden schulen. des inderessierd mich und mei brekariadsklike ned. klausimausis iwents kerwa und baskädbal sin einfach geiler. des is lebendseligsir für mich und mei brekariadsklike und wenns des ned mehr gibd is des bambächs undergang weil bauern nix mehr geboden wird und die dann tsornig werden. und der bürcher sol gefäligsd sei kole rüberwachsen lasen für mei harz4 und für klausimausis geile iwents. des is wenigsdens brimidiv genug. sei niwo kann er zuhause lasen des gehd mir echd auf die nerfen.
+21 #3 Bürger dieser Stadt 2017-12-07 10:41
Bei mir macht sich eine gewiße Resignation breit. Ich reiße mir seit vielen Jahren den Arsch auf, latente Burnout-Gefahr inbegriffen, und drücke den Spitzensteuersatz ab, noch und nöcher. Wofür mache ich eigentlich diesen Unsinn?

Anscheinend, um den Baksetball über ein Zuschußmodell mitzufinanzieren. Um geschmacklich zu hinterfragende Stadtmarketing-Festchen mit ebenfalls zu hinterfragendem Sinn mitzufinanzieren. Und jetzt auch noch um eine K E R W A (das muß man sich mal auf der Zunge zergehen laßen!) in verstärkter Form mitzufinanzieren. Alles Dinge, dir mir am Arsch vorbeigehen. In dieser Stadt wird offenbar größter Wert darauf gelegt, eine Kultur des Brotes und der Spiele zu zelebrieren. Genau das ist es: Panem et circenses. Null Substanz, null Nutzen für die Allgemeinheit. Einfach nur noch Kopfschütteln.

Die Weihe der Kirche wird doch gefeiert, wo ist das Problem? Ist die Dekoration respektive die Fresserei und Sauferei (ja, nur darum geht es, wenn auch in unterschiedlichen Ausprägungen) denn so unglaublich wichtig? Sind ein paar Handvoll Facebook-Krakeler aus der mentalen Unterschicht denn so wahnsinnig furchteinflößend, sobald sie anfangen lautstark zu jammern, sobald irgendein Event überhaupt zur Diskussion steht?

Ich glaube nicht, daß die Kerwa ihre Kosten mittelfristig vollständig wieder einspielt. Ich halte es maximal für realistisch, dass es irgendwann ungefähr auf 0 hinausläuft. Bei optimistischer Prognose.

Events, Bespaßung und nochmal Events. Willkommen in Bamberg.

Von den ca. 200k könnte man z.B. die ein oder andere sanitäre Anlage in der ein oder anderen Schule sanieren. Mein Gott...
+15 #2 Ein Bamberger 2017-12-07 10:27
Warum?
Die Stadt finanziert wieder und an manch anderer Stelle fehlt Geld.

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