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    BESONDERES PROJEKT

Wird das Atrium zum ewigen Schandfleck?

Seit Sommer 2021 klafft die Wunde im Stadtbild Bambergs. Immer wieder erschallen Jubel-Meldungen, um dann wieder im Missklang zu verstummen. Kommt das jetzt wieder so?

Neue Eigentümergesellschaft fühlt sich ausgebremst

Anfang Juni d.J. wurde bekannt: neuer Eigentümer des Bamberger Atriums ist eine Unternehmerfamilie aus dem schwäbischen Rain am Lech. Diese firmiert unter dem Kürzel SWT und ist als Unternehmensgruppe Eigentümerin vieler Fachmarktzentren. Nach eigenem Verständnis definiert sich die Gruppe so, dass sie “auf einen umfassenden Ressourcenpool mit Know-How sowie Do-How zurückgreifen kann”.
An der Bauruine am Bahnhof sollte sich vieles ändern - voraussichtlich auch der Name. SWT steigt in ein Großvorhaben ein, für das bereits eine Baugenehmigung und ein städtebaulicher Vertrag mit der Stadt Bamberg vorliegt, hieß es damals. Das Grundkonzept des Atrium mit Hotel, Läden, Gastro und Büroflächen sollte bis auf kleine Änderungen übernommen werden. Die Bauruine soll für einen hohen zweistelligen Millionenbetrag gekauft worden sein. Das Gesamtvorhaben soll bis zur Fertigstellung mindestens 60 bis 70 Mio € kosten.
Doch die Pläne für das DNA - Das Neue Atrium - bergen offenbar doch mehr Zündstoff als anfänglich gedacht. Laut Meldung des Bamberger FT (25.11.22) soll sich die neue Eigentümergesellschaft ausgebremst fühlen.

Stadt verlangt mehr Beweglichkeit von den Verhandlungspartnern

Und jetzt? Wieder die alte Tristesse, nachdem am Atrium vergangenes Jahr die halbgaren Abrissarbeiten eingestellt worden waren. Glaubt man den Recherchen des FT, so wird vom Generalplaner der SWT die Verwaltung der Stadt Bamberg für die schleppende Entwicklung verantwortlich gemacht. Die komme mit “ständig neuen Forderungen um die Ecke, ein Trauerspiel.” Die Nerven liegen blank bei den Planern, heißt es. Angeblich sollen längst fertige Pläne vorliegen. »Wir wollen keine Investorenplanung abnicken«, wird OB Andreas Starke im FT zitiert. Man verlange mehr Beweglichkeit von den Verhandlungspartnern.

Es geht um Hunderte verlangter Fahrradstellplätze und eine üppige Fassadenbegrünung, die vorrangig von den Grünen im Stadtrat erzwungen wurden. Größere Probleme macht der geplante regionale Omnibusbahnhof (ROB) möglichst nah am Stadtbahnhof. Die Stadt Bamberg will den Busbahnhof an der Ludwigstraße direkt vor dem DNA errichten. Damit soll SWT nicht einverstanden sein, weil sonst der Haupteingang zu seinem Luxus-Hotel verstellt werde. Man sei bisher davon ausgegangen, dass der ROB vor dem Bahnhof entstehen soll, und in der Ludwigstraße nur eine geringe Zahl an Fernbussen hält. Zitat: „Ein ROB mit seiner hohen Frequenz vor einem 4,5 Sterne-Hotel plus – das geht einfach nicht.“
Das geplante Hotel sorgt für weiteren Ärger. Die Stadt fordert, dass die Firsthöhe des Bahnhofs nicht überschritten werden darf. Aus Sicht der Investoren sei dann das geplante Luxushotel mit Schwimmbad und großzügigen Wellnessflächen in luftiger Höhe nicht darstellbar.
Noch ist offen, wer sich letztlich durchsetzt.
Vielleicht haben sich aber schon viele Bamberger an den Ruinenbau gewöhnt.

Geschrieben: mdwvBilder v. webzet (Titelbild ist Symbolfoto); 

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Bamberger
„Ein ROB mit seiner hohen Frequenz vor einem 4,5 Sterne-Hotel plus – das geht einfach nicht.“

Logo. Der Bahnhof links daneben ist kein Problem. Der ROB dann aber schon. Ich denke mal 1-2 Jahre die Füße still halten, dann wird es das Atrium wieder zu einem Schnäppchenpreis auf dem Markt geben.

SWT wird nicht die Gesellschaft sein, die das Projekt fertigstellt, meine Prognose. Man hat zum Höhepunkt des Marktes bei absoluten Billigzinsen gekauft. Jetzt sind nicht nur die Zinsen rapide gestiegen, sondern auch der Markt am kippen. Klar, dass man jetzt politischen Druck aufbauen will um die Kosten zu senken. Aber das Spiel würde ich nicht mitspielen.
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Bewertungsbilanz 30.11.22: +13/0-

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Bergradfahrer
"[...]Ressourcenpool mit Know-How sowie Do-How [...]" fehlt nur noch das Do-Now. Ich how mich weg! ;-)
Klaro, wenn ich Geld für ein teures Hotelzimmer ausgebe, dann unbedingt in Bahnhofslage an einer Hauptverkehrsstraße. Das mag für New York, Paris, London gelten, aber für Bamberg gilt das nicht.
Ich glaube das Hauptproblem des Atriums ist, dass es am Bahnhof in Bamberg liegt und nicht in einer Metropole. Dieser Umstand ist bei aller Kompromissbereitscha ft nicht zu ändern, außer die Eigentümer demontieren es und bauen es andernorts wieder auf. Beirut, Aleppo, Falludscha, dort fällt die Ruine grad nedd so auf. Eine Idee, die mir ganz gut gefällt. Dann wäre Platz für neuen lokalen und regionalen Busbahnhof. Das wird niemals ein Premiumviertel!
Was wird aber passieren? Der Investor zieht unter dem einen oder anderen Vorwand den Schwanz ein, vertickt den Bunker mitsamt Geröllhaufen mit Verlust, schreibt sie Verluste zu Lasten des Steuerzahlers ab, der Kreislauf beginnt von Neuem.
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