Etliche Zuhörer verfolgten eine Stadtratsdebatte über eine geplante Groß-Wohnanlage in der Wunderburg. Eine Bürgerversammlung hatte die Begrenzung der Stockwerke-Anzahl verlangt.

Für das das Bauvorhaben an sich sprachen sich alle Fraktionen aus

Vor knapp einem halben Jahr verlangte die Mehrheit in einer Bürgerversammlung in der Wunderburg die Höhe neuer Gebäude im Viertel zu begrenzen – gemeint war insbesondere ein geplanten Wohngebäude, das auf dem bisherigen Betriebsgelände der Autohändlers Sperber entstehen soll. Wie die WeBZet bereits gestern in einem Vorbericht dargestellt hat, plädierte das städt. Baureferat dafür, das Vorhaben so wie geplant auf den Weg zu bringen. Das hätte bedeutet, dass der Bebauungsplan mit acht Geschossen ins Verfahren gebracht worden wäre.
Das stieß gestern in der Sitzung des Bausenats nicht bei allen Fraktionen auf Zustimmung.
Dabei ging es nicht um das Bauvorhaben mit rd. 117 Wohnungen an sich – dafür sprachen sich alle Fraktionen aus. Es ging einzig um die Anzahl der Stockwerke – und um die Berücksichtigung des Votums einer Bürgerversammlung nach § 10 der Bayerischen Gemeindeordnung.
Im Zuge der Vorträge der diversen Projektvertreter gewannen auch die Ergebnisse einer Beschattungsstudie an Bedeutung. Demnach würde das neue Hochhaus ab ca. 16 Uhr eine „völlige Verschattung“ der hinter ihm stehenden Häuser bewirken.

Der Oberbürgermeister formuliert einen Kompromiss

In der lebhaften Debatte sprach sich der Vertreter der CSU, Dr. Franz-Wilhelm Heller, für das Vorhaben so wie geplant aus. Er nannte als Vorteil, dass der Baukörper nahe an die Straße (Kunigundendamm) herangerückt und so die Verschattung im akzeptablen Maß verringert wird.
Auch Heinz Kuntke (SPD) erkannte das Bauvorhaben grundsätzlich an, wollte aber das Votum der Bürgerversammlung nicht unberücksichtigt lassen. Er stellte den Antrag, dass bereits die Einleitung des Bebauungsplanverfahrens unter der Maßgabe stehe, dass nicht mehr als sechs Vollgeschosse entstehen dürften. Ähnlich wie Kuntke argumentierte BA-Stadtrat Herbert Lauer. Er verwies darauf, dass das geplante Objekt eine GfZ (= Geschoßflächenzahl, sie bezeichnet die Angabe zur baulichen Ausnutzung eines Grundstückes) von 2,4 aufweise. Das sei doppelt so viel wie bei den anderen Gebäuden in der Umgebung. Bei einer geringeren GfZ bzw. Stockwerkreduzierung gehe es um eine Minderung von 8 bis 16 Wohnungen.
Für die Planung sprachen sich hingegen Ursula Sowa (GAL), Norbert Tscherner (BBB) und Daniela Reinfelder (BuB) aus.
Aufgrund der unsicheren Erwartung des Ergebnisses bei einer Kampfabstimmung suchte Oberbürgermeister Andreas Starke nach einer Kompromissformel. Er schlug vor, den umstrittenen Passus des Beschlussvorschlages so zu ändern. Einstimmig wurde dann folgende Formulierung beschlossen: „Der Bausenat billigt grundsätzlich das Bebauungsplan-Konzept (…) und stellt zugleich dar, dass er sich nicht auf die Zahl der Vollgeschosse festlegt.“
Es bleibt also jetzt dem weiteren Verfahren vorbehalten, wieviel Stockwerke als sinnvoll und vertretbar betrachtet werden können – und auch mehrheitsfähig sind.
18.1.18 Bilder: Stadtplanungsamt; WeBZet. Hinweis: Die WeBZet ist unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! erreichbar. Zu dem Artikel äußern können Sie sich anhand der Kommentarfunktion unten. Die Kommentare werden direkt freigeschaltet. Bitte beachten Sie die Richtlinien für Kommentare > linke Spalte unter „Nachträgliche Kommentare“.