Hat die Stadt vorteilhaft gehandelt? Und wenn, für wen? Tatsächlich bestand akuter Handlungsbedarf, um das Anwesen Sandstraße 20 zu retten. Die Preisgestaltung gibt Anlass sich zu wundern.

Super-Kaufpreis von 550.000 €

Anfang des Jahres 2019 lag der Stadt Bamberg ein schriftliches Angebot zum Erwerb des Gebäudekomplexes „Obere Sandstraße 20“ zum Kaufpreis von 1,32 Mio. € vor, eine Preisvorstellung, die von der Stadt abgelehnt wurde. Im Zuge der Erstellung eines Verkehrswertgutachtens wurde von der Eigentümerin Dolphin Capital (German Property Group) schließlich ein Kaufpreis von 550.000 € akzeptiert. Der Stadtrat stimmte in seiner Sitzung am 11.12.19 dem Abschluss des Kaufvertrages zu. Heute (16.12.) wird das Rechtsgeschäft notariell besiegelt. Die mit der Eigentümerin vereinbarte Option zum Ankauf bis zum 31. Mai 2020 wird damit umgehend gezogen. Damit ist endlich der Weg frei, um das einsturzgefährdete Denkmal zu retten.
Nun geht es darum, möglichst bald eine neue Nutzung für das Anwesen an der stark frequentierten Sandstraße zu finden. OB Andreas Starke nannte als Möglichkeit, an die Weltkulturerbestiftung weiter zu verkaufen. Aber auch eine Veräußerung an private Dritte wäre ein Weg - für Gastronomie oder den Neubau von Wohnungen.

Gibt es „gute Gründe“ für den Verkäufer?

Das Handeln und der Kauf der Immobile durch die Stadt hat allerdings auch eine politische Dimension. Auf der einen Seite steht das Signal an Investoren: "Die Stadt lässt es nicht zu, dass in Bamberg Denkmäler weiter verfallen." So wird das Handeln von den Mitgliedern der Rathaus-GroKo interpretiert. Auf der anderen Seite argumentiert der grüne Stadtrat Ralf Dischinger, der Kauf mit öffentlichem Geld sei nicht das richtige Signal an mögliche Investoren. Dadurch könnten sich diese ermutigt fühlen, Spekulationsobjekte verfallen zu lassen, weil am Ende doch die Stadt einspringt. Dischinger: »Wir hätten es lieber gesehen, wenn das Instrumentarium des Baugesetzbuchs genutzt wird - vom Sanierungsgebot bis zur Enteignung.«
In der Stadtratsdebatte wunderte sich Michael Bosch (Bamberger Allianz) über einen aus seiner Sicht »merkwürdigen Umstand«: Der Verkaufspreis, auf den sich Stadt und Verkäufer geeinigt haben, liegt mit 550 000 € nicht nur weit unter dem ursprünglichen Verkaufspreis in Höhe von 1,3 Mio €, sondern auch 40 000 € unter dem von einem unabhängigen Sachverständigen erstellten Verkehrswert-Gutachten für das Anwesen.
Zudem gibt es das Gerücht, die Eigentümergesellschaft habe das Haus in der Sandstraße vom Vorbesitzer für 850 000 € erworben.
Laut der Recherchen des FT (Bericht v. 13.12.19) lässt die Differenz zwischen den Summen nicht nur Nachbarn, sondern auch Immobilienexperten mit langjährigen Bamberg-Erfahrungen aufhorchen: "Es hat mir die Beine weggehauen, als ich den Preis hörte", wird beispielsweise Horst-Peter Müller zitiert. "Kein Unternehmen würde bei einem solchen Verlustgeschäft mitmachen, wenn es keine guten Gründe dafür hat", spekuliert Müller über mögliche "Zugeständnisse".
Naturgemäß erhielt BA-Stadtrat Bosch auf seine Feststellung keine adäquate Antwort. Es bleibt wahrscheinlich bei Spekulationen, wie sie der Unternehmer Müller im FT angedeutet hat.
14.12.19 Bilder: WeBZet. Hinweis: Die WeBZet ist unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! erreichbar. Zu dem Artikel äußern können Sie sich anhand der Kommentarfunktion unten. Die Kommentare werden wegen Missbrauchs zurzeit nicht direkt freigeschaltet. Bitte beachten Sie die Richtlinien für Kommentare > linke Spalte unter „Nachträgliche Kommentare“. Impressum und EU-Datenschutzgrundverordnung r. Spalte ganz unten.