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     ALTES RATHAUS

Dürfen Denkmale “wie geleckt” aussehen?

Ein Streit flammt neu auf. Im Juni 22 hat eine Stadtratsmehrheit drei Sanierungsvorhaben beschlossen, die viel Geld kosten. Die Grünen kritisieren die Sanierung des Alten Rathauses.

Wann soll ein Denkmal saniert werden?

Es geht um drei historische Gebäude in der Stadt, die Teil der Geschichte Bambergs sind. Das Alte Brücken-Rathaus, die Kirche St. Getreu und die Freianlagen der Musikschule an der St. Getreu-Straße sollen im Laufe der nächsten Jahre saniert werden. Die Kritik richtet sich dabei auch auf das Jahre dauernde Sanierung des Michaelsbergs, die sonders viel Geld verschlingt - von 80 Mio € Gesamtkosten ist hier die Rede. Freilich erhält die Stadt Bamberg für diese besonderen Projekte geradezu astronomische Unterstützung durch verschiedene Förderer, insbesondere Bundesmittel, um im Laufe mehrerer Jahre die teils sehr gefährdeten Bauten wieder herzurichten. Die Kosten werden von den Fachleuten mit rd. 17.550.000 € angegeben. Für die Stadt Bamberg werden vorauss. Kosten von rd. 2,3 Mio € anfallen, was einem Eigenanteil von unter 13 Prozent entspricht.

Doch besonders die Absicht, das Alte Rathaus mit der Oberen Brücke einer Generalsanierung zu unterziehen, stößt insbesondere bei der Grünen Stadtratsfraktion und ihnen nahestehenden Vereinen und Einzelpersonen auf massive Kritik.
Wesentliche Schwerpunkte für die Sanierung des Bamberger Wahrzeichens wird die Fassade sein - unter anderem die Fenster unter energetischen Gesichtspunkten. Innerhalb des Gebäudes werden bspw. ein modernes Heizsystem und insgesamt moderne Technik für Beleuchtung, Überwachung etc. eingebaut. Bereits ehe das Rathausgebäude in Angriff genommen wird, soll die Obere Brücke erneuert werden.

Chance ergreifen

Bereits in der Stadtratssitzung vom Juni wurde von der grünen Fraktion das Paket der beabsichtigten Maßnahmen kritisiert. Es sollte besser »gestaffelt« und nicht »so geballt« in Angriff genommen werden, sagte Sprecherin Vera Mamerow. Sie stellte die Dringlichkeit beim Alten Rathaus in Frage. Zudem sprach sie sich für eine begleitende Arbeitsgruppe um die neue Museumschefin Dr. Kristin Knebel aus. Mittlerweile wird die Kritik von der Schutzgemeinschaft Alt Bamberg verstärkt, die eine “fatale Neigung” erkennen will, dass gerade bei altersgebeugten Immobilien „auf prächtig gemacht wird“, um wegen der gestiegenen Immobilienwerte auch „wirtschaftlich alles herauszuholen“. (FT-Bericht v. 29.12.22) Von “Neubau-Barock” ist zu hören. Gebäude, die nach einer Generalsanierung “ohne Patina wie geleckt“ dastünden.
Die Befürworter der Maßnahmen halten dagegen: Finanzreferent Bertram Felix betont, dass sich die Stadt anerkanntermaßen um einen nachhaltigen Denkmalschutz bemühe, bei dem nur das erneuert werde, was nach Expertenmeinung nicht zu halten sei. Man stehe in engem Austausch mit dem Landesamt für Denkmalschutz und habe bislang auch überregional viel Lob erfahren. Projekte wie die Sanierung des Michaelsbergs könnten nach Jahrzehnte langem Sanierungsstau nicht mit normalen Instandhaltungen verglichen werden. „Wenn ein Gebäude einen neuen Anstrich erhält, dann sieht es nun mal anders aus als vorher“, wird Felix zitiert.
In der Stadtratssitzung vom Juni 22 plädieren die befürwortenden Senatsmitglieder, dass die Erfahrung zeige, dass man diese Chance ergreifen müsse, weil bei »einer Aufdröselung der Maßnahmen auch der einmalige Förderverbund in Gefahr gerate. Zudem sei die Umsetzung über einen längeren Zeitraum geplant, was die im Verhältnis geringen Aufwendungen der Stadt leistbar mache.

Geschrieben: -mdwvBilder v. webzet (Titelbild ist Symbolfoto); 

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Beobachter
Da auch Denkmalbauten irgendwann mal saniert oder auch modernisiert werden müssen, ist es eine günstige Gelegenheit, das dann zu machen wenn dicke Fördergelder dafür zu haben sind. Wer weiß, ob in wenigen Jahren diese Gelder noch fliessen, dann müsste die Stadt alles selber bezahlen. Was Bamberg sicher nicht kann.
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Bewertungsbilanz 09.01.23: +10/ 0-

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Bergradfahrer
Wohlgemerkt als "Konsument" und nicht als Experte für Denkmalpflege gesprochen: Es sollte halt noch authentisch wirken, ohne marode oder schäbig zu sein. Eine gewisse Patina und Unvollkommenheit erscheint mir da wichtig.
Ich erinnere mich daran, wie ich nach einigen Jahren zum ersten Mal den neu restaurierten Tempel in Deir el-Bahari (Hatschepsut-Tempel) wiedergesehen habe. Klar, das Bauwerk wirkt von der Architektur wie Bauhaus, was es auch so spannend macht, aber der teilweise nagelneue, geleckte Look war ein Schock. Da hatten die seinerzeit polnischen Restauratoren ganze Arbeit geleistet.
Es ist die Frage, ob Bamberg authentisch bleiben will oder sich Richtung Disneyland entwickeln will für geschichts- und kulturferne Touristen und Immobilieninvestoren .
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Bewertungsbilanz 09.01.23: +13 / 2-

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goblmoo
Auch alte Gebäude waren einmal neu. Deshalb ist es durchaus sinnvoll die Gebäude "wie neu" zu renovieren. Wenn Sie unbedingt eine Patina sehen wollen, dann müssen Sie halt etwas warten.
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Bewertungsbilanz 13.01.23: +2 / 3-

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Bergradfahrer
Das ist ja eben die Kunst an der denkmalgerechten Restaurierung. Ansonsten könnte man ja jeden durchreisenden Anstreicher Gips und Alpina-Weiß drüber klatschen lassen oder abreißen und "identisch" nachbauen.
Reinigen ja, nach zeitgenössischem Farbmuster ggf. neu streichen, ja. Ausbessern sämtlicher Gebrauchs- und Alterungsspuren, nein. Eher Kontrolle der Alterung, weil sonst die Eigenschaft alt ja weg ist. Das hat dann so viel Authentizität wie der Neumarkt in Dresden mit den vor Beton gesetzten Pseudo-Barockfassaden und der nagelneuen Frauenkirche. Da war halt keine Substanz mehr da. Aber es ist halt Disney-Deutschland.
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Bewertungsbilanz 14.01.23: +8 / 1-

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der wechselbalg
nun wer probleme mit seiner kulturellen identität hat, dem ist natürlich der zustand seiner baudenkmäler egal
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Bewertungsbilanz 09.01.23: +9/ 4-

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