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Pflegenotstand! Ein brennendes Thema. Die Stadtverwaltung äußerte sich zu Maßnahmen gegen den drohenden Notstand bei Pflegeplätzen in Bamberg. Keine guten Prognosen.

Verbesserungsvorschriften können einen Bettenschwund bewirken

Die Arbeitsgemeinschaft der älteren Bürger Bambergs (A.R.G.E.) stellte einen Antrag auf Sachstandbericht im Familiensenat zum Thema "Fehlende Pflegebetten in Bamberg". In einem nahezu gleichlautenden Antrag nahm die GAL-Stadtratsfraktion Bezug auf dieses Schreiben und schloss sich dem Antrag der A.R.G.E. an. In der Sitzung des Familien- und Integrationssenat am 22.2.18 nahm die Stadtverwaltung Stellung.
In der schriftlichen Stellungnahme heißt es: „Mit Inkrafttreten der besonderen Vorschriften für stationäre Einrichtungen im Gesetz zur Regelung der Pflege-, Betreuungs- und Wohnqualität im Alter und bei Behinderung (PfleWoqG) müssen alle stationären Einrichtungen bauliche Mindestanforderungen erreichen. Beispielsweise müssen Wohnplätze und ihre Sanitärräume (...) uneingeschränkt mit dem Rollstuhl nutzbar sein. (…) Gemeinschafts- und Therapieräume müssen vorhanden sein und von allen Bewohnerinnen und Bewohnern erreicht werden können u.v.m.
Diese Anforderungen würden n den Einrichtungen sukzessive umgesetzt, was teilweise auf Kosten des Bettenangebots geht. Es sei deshalb damit zu rechnen, dass in der Zeit zwischen den Jahren 2021 – 2026 viele stationäre Pflegeplätze verloren gehen werden.

Hauptproblem ist der eklatante Fachkräftemangel

Andererseits wird in den kommenden Jahren die Zahl der Pflegebedürftigen steigen. Voraussichtlich ergibt sich ein Anstieg von etwa 30%. „Wenn man den aktuellen Stand an 959 Plätzen in stationären Einrichtungen als Mindestbedarf zugrunde legt, wären im Jahr 2030 1246 Plätze bereitzuhalten. Die wegfallenden Plätze einberechnet, besteht somit maximal Bedarf an 633 Plätzen“, heißt es in der Stellungnahme der Verwaltung.
Wie sich der Fachkräftemangel auf die Situation und den bestehenden Bedarf an Pflegeplätzen auswirkt, könne noch nicht abgeschätzt werden.
Das Mindest-Ziel muss es sein, die aktuell vorhandenen Pflegeplätze in der stationären Pflege zu erhalten und um etwa 300 Pflegeplätze zu erweitern bzw. neue alternative Wohnformen und/oder Versorgungsideen zu entwickeln.“
Die Forderung, „die Stadtverwaltung unterstützt die Träger bei der Suche nach Grundstücken, berücksichtigt den Pflegeplatz-Bedarf bei Verkauf und Ausschreibung von städtischen Grundstücken und hält dafür Raum im Rahmen der Bauleitplanung vor“, wurde vom Stadtplanungsamt und vom städt. Immobilienmanagement beantwortet. Sehr allgemein: „Bei der Suche nach Grundstücken wird grundsätzlich insbesondere das Immobilienmanagement Träger unterstützen können, bei der Ermittlung und Berücksichtigung von Pflegeplatz-Bedarfen bei Verkauf und Ausschreibung städtischer Grundstücke erscheint eine enge Abstimmung mit dem Sozialreferat hilfreich.“
Die Diskussion im Senat wurde ausführlich und streckenweise sehr emotional geführt. Dabei wurden die Ausführungen der Verwaltung generell akzeptiert. Einig war man sich auch, dass das Hauptproblem bei der Aufgabenbewältigung der mittlerweile eklatante Fachkräftemangel sei. Stadträtin Dr. Ursula Redler (BA) regte an, Alternativen der Pflege zu überprüfen. Dazu könnten generationsübergreifende Wohnformen oder die Stärkung der ambulanten Pflege gehören. Auf Antrag von Wolfgang Grader (GAL) wird geprüft, ob ein Workshop zur Problemlösung eingerichtet werden soll.
26.2.18 Bilder: WeBZet. Hinweis: Die WeBZet ist unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! erreichbar. Zu dem Artikel äußern können Sie sich anhand der Kommentarfunktion unten. Die Kommentare werden direkt freigeschaltet. Bitte beachten Sie die Richtlinien für Kommentare > linke Spalte unter „Nachträgliche Kommentare“.

Kommentare   

+5 #4 schaumermal 2018-02-27 09:19
das problem liegt auch darin, dass alle träger nur am profit interessiert sind. klar kann niemand vom draufzahlen leben.
aber es darf einfach nicht sein, dass systemrelevante gesundheitsvorsorge zu einer profitmaschine verkommt. in den heimen wird getrickst und gelogen, dass sich die balken biegen!
klar - der mdk kommt ja nur angemeldet und ist selbst unterbesetzt.

das macht es den profiteuren aus achso "guten" sozialträgern, stadt, kreis und kirchen extrem leicht, ihr ausbeutungssystem durchzuziehen.

solange allgemeine gesundheitseinrichtungen oder krankenhäuser viel gewinn machen müssen, stirbt jegliche menschlichkeit. in der nächsten generation werden dann roboter eingesetzt um die erträge zu steigern.
0 #3 supi 2018-02-26 18:12
#2
na ja da muss man nun mal die kirche schon im dörfchen lassen, die vorgenannten beträge sind bruttobeträge, da bleibt nach abzug aller abgaben net viel über, schon gar net bei ledigen oder gar geschiedenen. es wäre vlt hilfreich, wenn die dienste nicht ausgelagert würden zu irgendwelchen beschäftigungs-gmbhs und wenn zum anderen der tariflohn gezahlt werden würde, was genau mit besagter auslagerung ja schliesslich vermieden werden soll, da wäre schon viel geholfen, aber das ist ja genau nicht beabsichtigt, die devise lautet billlig oder auf gut deutsch, ausnehmen auf allen seiten
+7 #2 Frank Reich 2018-02-26 12:24
Habe hier ein "Faktenblatt Vergütung" des Deutschen Caritasverbandes e.V. (Stand 01/2017) vor mir liegen (auch im Internet abrufbar !)
Demnach liegt der Jahresverdienst einer Examinierten Fachkraft in Stufe P7 im ersten Berufsjahr bei 35.544,80 € was umgerechnet einem Monatsgehalt in Höhe von fast 3.000 € entspricht. Ab dem 16. Berufsjahr sind es 44.166,69 € , bzw. 3.681 /Monat. Wie Diakonie , Arbeiterwohlfahrt und staatl. Einrichtungen zahlen, weiß ich nicht. Private Pflegeheime zahlen meist erheblich schlechter. Sorry, aber selbst bei 5.000 € könnte ich diesen Beruf nicht ausüben.
+16 #1 Ein Bamberger 2018-02-26 09:24
"Hauptproblem ist der eklatante Fachkräftemangel"

Dann bezahlt die Pflegekräfte einfach besser. Für das was die Mitarbeiter leisten sollte die Entlohnung auch dementsprechend sein.

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