Kampf gegen vier Räder? Taxifahrer durften bisher gehbehinderte Fahrgäste zum Arzt in die Fußgängerzone fahren. Das ist jetzt nur noch zeitlich begrenzt erlaubt.

Beschweren sich immer mehr Bürger/innen über die Taxis?

Generell ist es Taxifahrern nicht erlaubt, in die Fußgängerzone zu fahren. Eine unbürokratische Sondergenehmigung hat es aber bisher möglich gemacht, im Zeitraum zwischen 10.30 Uhr und 18 Uhr gehbehinderte Patienten zum Arzt in der Fußgängerzone bringen. Seit kurzem dürfen Taxis das ab 10.30 Uhr nicht mehr. Glaubt man den Darlegungen der Stadt, dann haben sich immer mehr Bürger/innen über Taxis in dem verkehrsberuhigten Bereich in Bambergs Innenstadt beschwert. Insbesondere, weil einige Taxifahrer nicht angemessen gefahren seien. Die Stadt verweist aber auf die Möglichkeit, dass Patienten, die vor 10.30 Uhr einen Termin beim Arzt haben, weiterhin gefahren werden könnten. Doch das scheint den realen Situationen nur bedingt gerecht zu werden.
Die Aufregung bei betroffenen Patienten und Taxifahrern ist deshalb groß. Schließlich müssten Gehbehinderte und Rollstuhlfahrer nun einen längeren Weg ohne Auto in Kauf nehmen, um in die Arztpraxen zu kommen. Aber, ist es Menschen im Rollstuhl zumutbar, zum Beispiel auch bei Regenwetter einen längeren Weg zurückzulegen?

Die Zahl der Arztpraxen in der Fußgängerzone ist überschaubar

In den Arztpraxen und bei Taxifahrern soll Unverständnis und Zorn groß sein. Denn angeblich dürfen Brautpaare zum Beispiel zur Trauung vor die Kirche St. Martin fahren bzw. gefahren werden. Von der Stadt wird eine praktikable Lösung verlangt.
So hat der Sprecher der “Arbeitsgemeinschaft der älteren Bürger Bambergs“, Wolfgang Budde, einen Brief an Oberbürgermeister und Stadtratsfraktionen geschrieben. Er bittet prüfen zu lassen, ob zur Lösung des Problems eine Änderung der Satzung für die Fußgängerzone möglich ist.
Budde schreibt: »Zum Einen kann ich mir kaum vorstellen, dass bei den überschaubaren Arztpraxen in der Fußgängerzone der beklagte Taxi-Verkehr nennenswert ist (vielleicht wäre ja erstmal eine Zählung angesagt). Zum Anderen kann eine starke Geh-Einschränkung insbesondere für ältere und deshalb oft nicht so kräftige Menschen auch ein „mittelmäßig langer“ Weg eine echte Hürde darstellen.« Der Seniorenvertreter schreibt weiter, dass »eventuell darüber nachgedacht werden könnte, Taxifahrten nur dann zu erlauben, wenn die Bürgerinnen und Bürger den Taxifahrerinnen oder –fahrern entweder einen Behindertenausweis oder aber ein ärztliches Attest vorlegen.«
Eigentlich müsste sich bei einem solchen Problem eine Lösung finden lassen, die allen Seiten gerecht wird. Eine Satzung darf nicht von vorne herein Menschen ausschließen, die auf Hilfe angewiesen sind. Die Fahrt eines Patienten zum Arzt sollte freilich die einzige Ausnahme bleiben. Im Rathaus sollte man deshalb die Satzung für die Fußgängerzone überprüfen und ändern! Was allerdings voraussetzt, dass nicht der pauschal kritische Blick auf die motorisierten vier Räder der eigentliche Grund für die Beschwerden ist.
12.9.19 Bilder: WeBZet. Hinweis: Die WeBZet ist unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! erreichbar. Zu dem Artikel äußern können Sie sich anhand der Kommentarfunktion unten. Die Kommentare werden wegen Missbrauchs zurzeit nicht direkt freigeschaltet. Bitte beachten Sie die Richtlinien für Kommentare > linke Spalte unter „Nachträgliche Kommentare“. Impressum und EU-Datenschutzgrundverordnung r. Spalte ganz unten.