BAHNAUSBAU - ICE-TRASSE

“Zuckerl” wird bitter

In den allermeisten Punkten war man sich einig. Einstimmig verlangt der Stadtrat von der Bahn rd. 21 wesentliche Planänderungen. Kontrovers diskutiert wurde über eine Verlagerung des S-Bahn-Halts Süd.

Eigentlich unter der Untergrenze der Wirtschaftlichkeit

»Heute geht es um die Forderungen und Positionen der Stadt Bamberg im Zuge der 3. Planänderung für den Bahnumbau Bamberg«, sagte Oberbürgermeister Andreas Starke eingangs zur Sondersitzung des Stadtrates zum Thema. »Es geht um die Belange im Rahmen der kommunalen Selbstverwaltung.« Ob die und in welchem Umfang die Forderungen der Stadt letztlich von der Deutschen Bahn berücksichtigt werden, bleibt allerdings noch dahingestellt. Der große Konflikt in der Sondersitzung am 10.3.21 drehte sich um eine “Sonderzusage”, die von Bahn und Freistaat gewährt wurden, obgleich sie unter der Untergrenze der Wirtschaftlichkeit liege. In der Grundsatzentscheidung (zur ICE-Trassenführung) über eine Tunnellösung, Ostumfahrung oder ebenerdige Stadtdurchfahrung wurde der Stadt der sog. S-Bahnhalt Bamberg-Süd zugesagt.

Die Befürworter der unterlegenen Lösungen sagten damals, es sei ein “Zuckerl” gewesen, damit die Stadtdurchfahrung leichter eine Mehrheit habe erhalten können. Noch im Zuge des Stadtratswahlkampfes wurde darum gerungen, ob der S-Bahn-Halt-Süd in der Gereuth oder südlich von der Brose-Basketball-Halle errichtet werden soll. Die Befürworter des Halts inmitten der Gereuth setzten sich durch. Die Diskussion flammte vor wenigen Wochen wieder auf, als die Fraktionen Grünes Bamberg und SPD den überraschenden Antrag stellten, jetzt doch den S-Bahn-Halt südlich der Forchheimer Straße zu platzieren. Die SPD hatte die Fronten gewechselt. Dem Verlangen schlossen sich die Fraktion Volt/ÖDP und BM sowie der Bamberger Bürgerblock an.

Stadtverwaltung wird wegen S-Bahn-Halt Süd nochmals verhandeln

In der Debatte gab der Sprecher von Grünes Bamberg, Christian Hader, zunächst seiner Überzeugung Ausdruck, »dass der Nutzen des Bahnausbaus größer als der Schaden sein wird«. Auch für eine mögliche Verlegung des S-Bahn-Halts nach Süden »liegen die Vorteile auf der Hand«. Kritik äußerte Hader zur Entwicklung der Lärmschutzwände: Diese wüchsen »um einen halben zum nächsten halben Meter, und das addiert sich bedenklich«. Klaus Stieringer (SPD) musste begründen, warum seine Fraktion jetzt einer Verlagerung des S-Bahn-Halts zustimmt, obwohl sie noch im Wahlkampf 20 für den ursprünglichen Standort war. Seine Fraktion sehe die Vorteile bei beiden Standorten gleichermaßen, meinte Stieringer. Den Nutzen des Bahnausbaus sehe er insgesamt zurückhaltend.

Anders der Vorsitzende der CSU-BA-Fraktion Peter Neller. Aus seiner Sicht habe der Bahnausbau große Bedeutung für den Wirtschaftsstandort Bamberg. Die Stadt müsse an erster Stelle die Festschreibung des ICE-Halts verlangen. Eine Verlagerung des S-Bahn-Halts wies Neller zurück. Der Stadtrat habe sich nach mehreren Debatten in den Jahren 2017 bis 2019 auf den Standort in der Gereuth festgelegt. Entsprechende Vereinbarungen seien mit der Staatsregierung getroffen worden und die Stadtverwaltung habe die notwendigen Schritte vorgenommen. Wenn die Stadt diese Vereinbarung selbst in Frage stelle, müsse sich die Staatsregierung nicht daran halten. Neller betonte: »Wir wollen keine Gefährdung des S-Bahn-Halts!«
Die Brisanz um den S-Bahn-Halt-Süd veranlasste den Sitzungsleiter OB Starke zu einem Kompromissvorschlag: Die Verwaltung sehe sich mandatiert, nochmals mit der Staatsregierung über den Standort zu verhandeln. Dieser Auftrag »bedeutet nicht die Aufgabe des bisherigen Standorts«.

Im Laufe der Debatte wurden noch einige andere Punkte angesprochen. So sollen nach den vorliegenden Plänen mehr als 500 Bäume im Stadtgebiet fallen, im Bamberger Stadtwald sollen durch die neuen Gleise 5,2 Hektar Fläche Wald fallen. Positiv wurden vermerkt, dass auf Höhe der Gundelsheimer künftig eine Brücke für Radfahrer die Bahnlinie überspannen oder ein neuer bahnparalleler Radweg zwischen Nürnberger Straße und Bahnhof entstehen könnte.
Die Bürger/innen haben noch Gelegenheit, bis einschließlich April 21 Einwendungen gegen die Planungen der Bahn einzubringen. 

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12.3.21 Bilder: webzet. Hinweis: Die webzet-blog ist unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! erreichbar. Zu dem Artikel äußern können Sie sich anhand der Kommentarfunktion unten. Die Kommentare werden nach einer Überprüfung gemäß der Richtlinien für Kommentare (s. unten) freigeschaltet.

Kommentare   
+20 # gablmann 2021-03-12 14:46
Eine extra-Brücke für Radfahrer auf Höhe der Gundelsheimer? "Hader-Steg" oder was? Ich glaub ich spinne.
Alle bestehenden Bahnkreuzungen kosten der Stadt eh schon zig Millionen.
Die Kronacher- und Memmelsdorfer sind doch gleich neben an!
Nur wenn man auf zusätzliche Radwege beim Neubau der Memmelsdorfer-Unterführung verzichten würde, wegen der Breite des Bauwerks, wäre es zumindest noch einigermaßen zu erklären. Aber das wird nicht passieren.

Träume darf man ja haben, aber das grenzt an Realitätsverlust.
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-4 # Patrickus 2021-03-13 09:32
Die SPD-Fraktion hat die Seiten gewechselt. Grüne und BBB ziehen an einem Strang! Wo kann man hier noch klare Linien sehen.
Aber es macht Sinn, wenn in der Boni-Affäre die drei jetzt auch an einem Strang ziehen wollen. So sieht es ja wohl aus.
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-3 # supi 2021-03-13 17:47
nun die bahn, attrakiver gemacht, soll pendler zum umsteigen bewegen. also nicht mehr mit dem auto in den ballungsraum nürnberg oder sonst wohin, sondern mit der bahn. das benötigt verkehrsmässige anbindung parkplätze, leichte erreichbarkeit. nichts von alledem hat die gereuth als wohngebiet, die klagen ja schon heute unter dem verkehr bei sportveranstaltungen, konzerten usw. wie man dann allen ernstes den halt auf biegen und brechen in ein wohngebiet legen will, versteht niemand mehr.
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+9 # Sabrina 2021-03-14 07:27
Wohin sollte denn sonst ein S-Bahn-Halt gelegt werden, alsin ein Wohngebiet? Eine S-Bahn zählt doch zum Öff. Personen-NAHverkehr.
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