RELIGION - KIRCHE

Bamberg von Kirchenaustritten besonders betroffen

Der Trend hält an: Viele Menschen verlassen die beiden großen christlichen Kirchen. Im Erzbistum Bamberg sollen es im Verhältnis besonders viel sein, besonders in den Städten. (1,5 Min.)

Seit 2017 geht die Austritts-Kurve steil nach oben

 

Im Bamberger Rathaus kann man nicht nur standesamtlich heiraten. Im Standesamt kann man auch für immer Schluss machen – mit der oft angestammten Kirche. Die Austrittswilligen müssen ihre Absicht vortragen, eine Erklärung wird vorgelesen und dann unterschrieben. 35 € Gebühr berappen. Der Kirchenaustritt ist vollzogen.
Im diesjährigen März sollen besonders viele Menschen ausgetreten zu sein.
Einem Bericht des Bayer. Rundfunks zufolge, soll in Franken die Zahl der Kirchenaustritte besonders hoch sein. Das katholische Bistum Bamberg ist demnach am meisten betroffen.
Wie in einem BR24-Text (6.4.21) zu lesen ist, traten im vergangenen Jahr in Bamberg mehr als 400 Katholiken aus der Kirche aus. Fast jedes Jahr steigen die Zahlen, das Niveau bleibt hoch. Das betrifft freilich nicht nur die Stadt, sondern das ganze Bistum. Dessen Einzugsbereich ist groß und deckt neben dem Bischofssitz Bamberg fast ganz Oberfranken, etwa die Hälfte Mittelfrankens und zusätzlich Teile Unterfrankens und der Oberpfalz ab. Seit 2017 geht die Austritts-Kurve steil nach oben. Innerhalb von 15 Jahren sank die Zahl der Katholiken im Erzbistum immer weiter. Von mehr als 750.000 auf rd. 657.000. Viele Austritte muss die Kirche vor allem in den Städten verzeichnen – also im Großraum Nürnberg-Fürth-Erlangen sowie in Bamberg selbst.

Fehlender Beitrag zum Dialog zwischen den Meinungen

Viele Gläubige kritisieren den Machtmissbrauch, die veraltete, bisweilen verlogene Sexualmoral und den Umgang mit Frauen. Aktuell scheint der Umgang mit dem Missbrauchsskandal im Erzbistum Köln weiterhin Anlass für eine starke Austrittswelle zu sein. Die entscheidenden Gründe für einen Austritt können also unterschiedlich sein. Eine nicht mehr zeitgemäße Haltung der Kirche, deren Frauenbild, der Zölibat sowie Unglaubwürdigkeit, persönliche Enttäuschungen und kirchliche Skandale sind Motive, die zum Austritt bewegen. Auch die Haltung von Kirchenoberen (dabei wird oft nicht zwischen katholischen und evangelischen unterschieden!) in kontroversen politischen Fragen ist bisweilen Grund für den Kirchenaustritt. Die Positionen der Kirchen werden dabei mehr als Beitrag zur Spaltung im Land gesehen, und weniger zum Dialog zwischen den Meinungen.
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Kommentare   
+31 # Frank Reich 2021-04-11 11:23
Die Zahl der Kirchenaustritte wäre wahrscheinlich noch höher, wären nicht so viele Berufstätige in kirchlichen Einrichtungen tätig (z. Bsp. Caritas, Diakonie). Man befürchtet erhebliche berufliche Nachteile, bis hin zur Kündigung.
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+18 # Werner 2021-04-11 18:11
Das ist nunmal die einzige Steuer, die man mit einer simplen Unterschrift obsolet machen kann.
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+9 # Eisenbahner 2021-04-11 19:45
Tja, auch die Kuschelei mit der linksradikalen Antifa auf den Schleuserbooten dürfte für viele ein Grund sein!
Sogar ein ehemaliger Kapitän hat ein Problem mit diesen Leuten!
https://www.welt.de/vermischtes/article204918830/Seenotrettung-Kapitaen-Claus-Peter-Reisch-bricht-mit-Mission-Lifeline.html
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+28 # Bamberger 2021-04-11 22:12
Da war ich einer der genannten 400.
Es gibt eine ganze Reihe von Gründen, nur ein paar wenige:

Das Bistum Bamberg hat mit seinen 700.000 Gläubigen ein Vermögen von 744 Mio. EUR angehäuft.
https://www.mainpost.de/regional/hassberge/bistum-bamberg-warum-der-dom-null-euro-wert-ist-art-10369249#:~:text=Verm%C3%B6gen%3A%20744%20Millionen%20Euro,auf%20744%20Millionen%20Euro%20beziffert.
Ich sehe nicht ein, eine Institution finanziell zu unterstützen, die ein solchen Vermögen ihr Eigen nennt.
Und nein, der Großteil liegt nicht als Grundstücke oder Gebäude auf der Bilanz, sondern als schnöde Wertpapiere (über 500 Mio. EUR)
Es gab in den letzten Monaten eine erweiterte Kostenübernahme des Freistaates für Kinderbetreuungseinrichtungen. Diese Gelegenheit hat die Kirche gleich genutzt um die Beiträge in ihren Einrichtungen anzuheben. Andere Träger wohlgemerkt nicht.

Neben diversen Missbrauchsskandalen ist es einfach kaum auszuhalten, dass diese Institution für sich in Anspruch nimmt im Namen Gottes gleichgeschlechtliche Ehen, Verhütungsmittel, etc. abzulehnen. Man nimmt für sich in Anspruch nach Gottes Willen zu handeln. Widerlich. Ob man nun an Gott glaubt oder nicht, dass er es gut heißen würde Menschen, die sich lieben, wie Christen zweiter Klasse zu behandeln, dass sein ein exklusiver Glaube der katholischen Kirche zu sein. Genauso wie die Behandlung von Frauen.

So viel Arroganz, die sich über Jahrhunderte angesammelt hat, durch "Würdenträger", die zu einem Großteil schnöde Machtpolitik betreiben und ihre gewonnene Macht schamlos ausnutzen, ist im 21. Jahrhundert lange überholt.

Wer caritative Zwecke fördern will kann das auch freiwillig tun und braucht dazu die Zwangsabgabe Kirchensteuer nicht.
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+19 # cityman 2021-04-11 23:37
Bamberger, du hast ja sowas von Recht!! Man kann auch ohne Kirchensteuer und ein Mensch sein, der sich christlich verhält.
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+13 # Clavius1970 2021-04-12 09:57
Alles richtig. Ist bei den Zahlen das Vermögen des Erzbischöflichen Stuhls dabei? Oder kommt das noch obendrauf? :-)
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+14 # Bamberger 2021-04-12 10:57
Der ist wohl nicht dabei. Macht aber insgesamt nicht den großen Unterschied mit 4,9 Mio. EUR Vermögen.
Was für mich aber auch nicht erkennbar enthalten ist sind kirchliche Stiftungen wie die Joseph-Stiftung. Bilanzsumme dort sind auch nochmal 360 Mio. EUR(Stand 2018). Die Bilanzsumme ist aber mit Vorsicht zu genießen, da die Immobilien ziemlich sicher mit Anschaffungskosten bilanziert werden. Inkl stiller Reserven, als zum aktuellen Marktwert, sollte das Vermögen leicht das Doppelte umfassen.
Man kann ein bisschen "rumspinnen" und mal fragen, wie der Wohnungsmarkt aussähe, wenn die Kirche die 500 Mio. EUR in Sozialwohnungen investieren würde...
Aber wer käme denn auf solche christlichen Ideen? Dann schon lieber Wertpapiere.
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+12 # GodFather 2021-04-12 10:29
Besten Dank für diesen Link. Bisher hatte ich immer den Eindruck, dass diese Abschlüsse überhaupt nicht veröffentlicht werden. Im Grunde gehören aber diese Abschlüsse genauso veröffentlicht wie alle Haushalte öffentlicher Stellen die von Steuerzahlern finanziert werden.
Auf einen kleinen Interpretations-Lapsus sei hingewiesen: die im Bericht genannten 563 Mio EUR Eigenkapital sind auf der Passiv-Seite der Bilanz. Es ist daraus leider nicht zu schließen, wieviel der 770 Mio. Aktiva Grundstücke&Gebäude sind oder wieviel Wertpapiere.
Mein Austritt war übrigens nach der Geschichte mit der goldenen Badewanne und ich stimme überein: caritativ tätig werden kann man auch ohne Kirchensteuer.
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+15 # Bamberger 2021-04-12 12:33
Hier der Finanzbericht aus dem Jahr 2019:

https://kirchensteuer.erzbistum-bamberg.de/medien/d006c6a8-b200-484b-b8d2-a5b82e019ab1/erzbistum-bamberg_finanzbericht_2019-final.pdf

Seite 16 findet man die Bilanz:

Grundstücke und grundstücksgleiche Rechte: 125.247.030,27 EUR
Wertpapiere des Anlagevermögens 515.277.407,66 EUR

Übrigens 2019 ein Jahresüberschuss von 37,8 Mio. EUR.
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+12 # GodFather 2021-04-12 15:35
Vielen Dank für den Link. Es ist schon erstaunlich auf welchem Vermögen man dort sitzt. In den Erläuterungen sind noch stille Reserven mit >100 Mio. EUR angegeben. Dazu noch die weiteren Gesellschaften mit ebenfalls zweistelligen Millionenbeträgen an Finanzanlagen. Und da schreibt man permanent Bettelbriefe dass man sich die Sanierung der Kirchen nicht leisten könne. Ehrlich, dann halt verfallen lassen.
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+20 # gablmann 2021-04-11 23:32
Bin auch vor Jahren raus als sich die Ministrantengrabscher auch noch aus der Schwangerschaftsberatung zurückzogen.
Caritartiv ist fast nichts mehr, das ist inzwischen ein Wirtschaftsunternehmen.
Ein Bischof (den bezahlt der Staat) verdient etwa das gleiche wie ein Oberbürgermeister - und den bezahlen wir.
Was macht der Erzer (=Erzbischof) eigentlich mit der Kohle? Spielt er Jobcenter für "Haushaltshilfen"?
Eheringe und Blumen zum Hochzeitstag muss er ja nicht kaufen. Vielleicht mal ein Duplo für einen Ministranten.
Der Klerus verdient lustig weiter, Corona treibt ihn nicht in den Ruin.
Hauptsache in einer frommen Predigt denkt man an die ach so armen Insolvenzen.
Wenn mir die Kirche das Gefühl vermittelt, dass sie sich wirklich um ihre Schäfchen kümmert ohne sich nicht selbst zu bereichern, trete ich sofort wieder ein.
Das wär echt schick.
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