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     KATH. KIRCHE

"Einen Unschuldswahn hatte er nie!"

Der Tod von Papst Benedikt XVI. hat in den Medien verschiedene Reaktionen ausgelöst. Neben echter Trauer und Respekt wurde teilweise aber auch Hohn und Spott ausgeschüttet.

Ein sehr kluger, hilfsbereiter und vermittelnder Gesprächspartner

Man kann durchaus unterschiedlicher Meinung sein, aber besonders bei Verstorbenen sollte man bei aller Kritik einen gewissen Anstand bewahren. Was teilweise in den sog. sozialen Medien und “richtigen” Zeitungen über den verstorbenen Papst Benedikt XVI. geschrieben wurde, ist erschütternd. Die WebZ maßt sich nicht an, das Wirken des früh. Kardinals von München zu beurteilen, aber sie hält es für zulässig, ein Nachwort des langjährigen Bamberger Erzbischof Ludwig Schick em. (auszugsweise) weiterzugeben.

Dieser schreibt auf der Webseite des Erzbistums: Am 16. November dieses Jahres (2022) war ich zuletzt bei Papst Benedikt XVI.. Bei der Begegnung habe ich einige von unseren Zusammentreffen in Erinnerung gerufen, um ihm zu danken. Kennengelernt haben wir uns bereits in den siebziger Jahren…. Kardinal Ratzinger war mir stets ein sehr kluger, hilfsbereiter und vermittelnder Gesprächspartner. Er hat mir sehr geholfen und war mir ein verständnisvoller Beistand….

Joseph Ratzinger war ein Theologe und Hochschulprofessor, der die gesamte Tradition der Kirche … wie kein anderer kannte. ... Sein Anliegen war, die Theologie, die für ihn immer zugleich eine liturgische, spirituelle und karitative Dimension hatte, lebendig zu machen, so dass sie den Menschen als Quelle der Inspiration für ihr Glaubens- und Gebetsleben, für die Gottesdienste und das christliches Handeln dienen konnte. Die Theologie war für Professor Joseph Ratzinger und Papst Benedikt nie Wissenschaft um der Wissenschaft willen, sondern hatte immer das Motto „Erbe und Auftrag“ oder „Aus Herkunft Zukunft“, war immer Wissenschaft für Seelsorge und hatte das Ziel, authentische Christen in einer lebendigen Kirche zu formen. … Er war ein großer Theologe und tief frommer Christ, Priester und Bischof.
Was die Schlagzeilen über den „Missbrauchs-Vertuscher“ Benedikt anbetrifft, sagt Ludwig Schick, dass “Schlagzeilen nie die ganze Wahrheit enthalten und einem Menschen nie gerecht werden. Papst Benedikt XVI. hat viel für die Aufdeckung und für die Überwindung des Missbrauchs durch Prävention getan. Dass ihm dabei Fehler unterlaufen sind, dass er sich geirrt und auch falsch gehandelt hat, hat er mehrfach bekannt. Einen Unschuldswahn hatte Papst Benedikt XVI. nie! Die Zukunft wird seine ganze Größe erweisen.”

Diözesanrat: Großer Theologe aber Erwartungen als Reformer nicht erfüllt

Auf der Webseite des Erzbistums ist u.a. auch ein Nachruf des Diözesanrats zu lesen. Es heißt: … Viele Erwartungen, die mit ihm als Reformer während des 2. Vatikanischen Konzils verknüpft waren, erfüllten sich nicht. Erfüllte er als Papst aus dem Land der Reformation nicht, gerade im Hinblick auf die Ökumene. Vielmehr betrieb er häufig eine eher rückwärts gewandte Personalpolitik. Auch bei seinen Reisen nach Deutschland hinterließ er einen zwiespältigen Eindruck, wenn auch der Weltjugendtag 2005 in Köln ein beeindruckendes Ereignis war. … Andererseits war sein Schritt 2013 zurückzutreten, mutig und zukunftsweisend. Auch ein Papst kann sein Amt niederlegen, was bis dahin undenkbar schien – das zeigt, dass auch manches andere, das immer noch unverrückbar erscheint, geändert werden könnte. Wieweit ihn persönliche Schuld bei der Bearbeitung von Missbrauchsfällen trifft, wird erst die historische Aufarbeitung zeigen.
Der Blick auf dieses Pontifikat und auf Papst Benedikt XVI. wird wohl erst mit zeitlichem Abstand klarer werden. Heute bleibt zum Jahreswechsel nur die Trauer um einen deutschen Papst, der insgesamt die Kirchengeschichte des 20. Jahrhunderts nachhaltig geprägt hat. Schließen wir ihn in unser Gebet ein.

Geschrieben:  Pst. Erzb. Bbg-mdwvBilder v. webzet (Titelbild ist Symbolfoto); 

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