Streit um Kirchenfenster. St. Elisabeth im Sand soll von Markus Lüpertz geschaffene Fenster erhalten. Der bekannte Künstler gilt als exzentrisch und sieht sich selbst als Genie. (Wikipedia)

Auftritt in bekannter Manier

Man erinnere sich: 2009 wurde die Lüpertz-Statue "Apoll" unmittelbar vor der St.-Elisabeth-Kirche aufgestellt. Eine nicht unumstrittene Skulptur. Derzeit aktuell ist die Neuverglasung der Fenster des Gotteshauses selbst, auch dafür konnte der Starkünstler Markus Lüpertz gewonnen werden. Das erste Fenster wurde am vergangenen Samstag von der „Initiative Glasfenster Markus Lüpertz“ dem Bürgerverein Sand und den Besuchern des Abendgottesdienstes vorgestellt. Das Fenster ist Teil eines Zyklus mit Szenen aus dem Leben der Kirchenpatronin Elisabeth, die zentrale Figur einer der populärsten katholischen Heiligenlegenden.
Besonders hinter den Kulissen hat schon bisher ein „Fenster-Streit“ stattgefunden. Ursprünglich sollten die neuen Fenster von Lüpertz den bestehenden Wabenfenstern in der über 600 Jahre alten Kirche vorgehängt werden. Doch aus dieser maßgeblich von der Stadt getragenen Idee scheint jetzt nichts zu werden. Lüpertz soll bei seinem Aufenthalt in Bamberg einen Auftritt in bekannter Manier hingelegt haben. Bei der Vorenthüllung eines Musterfensters hat er aus seiner Ablehnung eines Doppelfensters deutlich Luft gemacht. »Wenn die Wabenfenster bleiben, zerstört das meine künstlerische Arbeit«, wird Lüpertz im FT v. 15.6. zitiert.

Beifall einerseits, Schweigen andererseits

Am Freitag vergangener Woche war Lüpertz höchstpersönlich zu einem Vorenthüllungstermin in Bamberg, um gemeinsam mit OB Andreas Starke, 2. Bürgermeister Dr. Christian Lange (CSU) und Vertretern der "Initiative" das erste Musterfenster für St.-Elisabeth-Kirche zu begutachten. Die Betrachtung soll nur wenige Minuten gedauert haben; die Reaktion des Künstlers soll in dem oben zitierten Satz kulminiert haben.
Hauptpunkt für die Ablehnung ist, dass das Wabenmuster des davor gehängten Fensters bei entsprechendem Licht durch das Lüpertz-Werk durchscheint. 
Namens der Stadt als Eigentümerin reagierte OB Starke und stimmte dem Künstler zu. Die jetzigen Fenster sollen nun ausgebaut und durch die Lüpertz-Fenster ersetzt werden. 

Am Samstag wurde (wie bereits vorstehend erwähnt) dann einer etwas größeren Öffentlichkeit das erste Musterfenster in der St.-Elisabeth-Kirche präsentiert. Es kam zu den schon bisher bekannten Lobpreisungen einerseits, eine kritische Anmerkung wagte nur Michael Bosch, seines Zeichens Stadtrat der Bamberger Allianz (BA). »Mich stört, dass die für viel Geld gerade sanierten Wabenfenster wieder rausgerissen werden, das ist dem Steuerzahler nicht zu vermitteln.« Und erfragt - eher rhetorisch. »Wozu haben wir einen Stadtrat? Mit dem müsste der OB erst reden.«
Das Geld. Die Gesamtkosten für das Lüpertz-Projekt in Höhe von 500.000 € sind noch lange nicht aufgebracht. Das Geld stammt aus bisher eingegangenen Spenden, Stiftungs- und Sponsorenzuwendungen. Inwiefern die Stadt noch einspringen muss, wird sich noch herausstellen. Die jetzt überflüssigen Wabenfenster wurden erst vor rd. fünf Jahren renoviert, was die Stadt immerhin 50.000 € gekostet hatte.
16.7.19 Bilder: WeBZet. Hinweis: Die WeBZet ist unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! erreichbar. Zu dem Artikel äußern können Sie sich anhand der Kommentarfunktion unten. Die Kommentare werden wegen Missbrauchs zurzeit nicht direkt freigeschaltet. Bitte beachten Sie die Richtlinien für Kommentare > linke Spalte unter „Nachträgliche Kommentare“. Impressum und EU-Datenschutzgrundverordnung r. Spalte ganz unten.