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KULTUR - RELIGION

Kein einfaches Kulturerbe

Haben Sie sie schon mal gesehen? Wenn man den Dom durch den linken Eingang betritt, nach rd. 12 m rechts oben an der Wand. Dort stehen zwei weibliche Steinfiguren. Sie sind der Streitpunkt.

Zentralrat möchte die antijüdischen Dom-Figuren entfernt sehen

Schon vor Wochen fand in Bamberg eine Diskussion zum Thema "Umgang mit antijüdischen Erbe der Kirche" statt. Sie hat zwar in Bamberg selbst nur wenig Beachtung gefunden. In überregionalen Medien dafür um so mehr, handelt es sich doch um eine Thema, das in bestimmten Kreisen gern für Empörung sorgt.
In Bamberg fand dazu vor wenigen Wochen ein Expertengespräch mit dem Titel "Umgang der Kirche mit antijüdischem Erbe" statt. Unter anderem nahmen daran Erzbischof Ludwig Schick und der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, teil. Mit der Podiumsdiskussion sollte die Öffentlichkeit an den Fragestellungen zum Umgang mit den Figuren, die kein einfaches Kulturerbe darstellen, eingebunden werden.
Grund für die (über-)örtliche Debatte war, dass die beiden Steinfiguren das Judentum herabwürdigen und wie damit umgegangen werden muss. Konkret: Sind darin eher kunsthistorisch wertvolle Steinfiguren zu sehen, die bleiben müssen oder Schmähstatuen, die in ein Museum umgesiedelt werden sollten? Die Diskussion ist generell nicht neu, wenn es um die beiden Statuen “Ecclesia” (Kirche) und “Synagoge” geht. Es gibt auch begeisterte Freunde der beiden, stellen sie doch auch ästhetische Frauengestalten dar. Doch der Vorsitzende des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, zeigte in der Diskussionsrunde wenig Verständnis für das Beharren von Erzbischof Ludwig Schick, die umstrittenen Figuren im Dom zu belassen.

Auf Tafeln und mit modernen Medien soll die Situation erklärt werden

Formalästhetisch betrachtet stellen beide Figuren großartige Kunst dar, und sie gehören seit rd. 700 Jahren zum Dom in Bamberg. Ecclesia trägt eine Krone, das Kreuz als Zeichen für das Christentum. Sie triumphiert über Synagoge, die mit abgewandten Gesicht und mit einer Binde über den Augen dargestellt ist. Als Symbol dafür, dass das Christentum die Vorherrschaft übernommen hat, hält Synagoge eine gebrochene Lanze in der Hand. Hunderte Jahre lang waren beide Figuren außerhalb des Doms angebracht. 1936 wurden die Originalfiguren aus dem Jahr 1225 in den Dom versetzt, um sie vor weiteren Witterungseinflüssen zu schützen.
Die Entscheidung über den Verbleib der beiden Figuren wird das Erzbistum treffen. Nach bisherigen Stand der Dinge sollen Ecclesia und Synagoge dem Bamberger Dom erhalten bleiben. Allerdings mit einem Hinweis auf die Judenfeindlichkeit der (früheren) katholischen Kirche. Auf Tafeln und auch in den modernen Medien soll darauf hingewiesen werden.
Der Zentralrat der Juden hätte sich ein deutlicheres Zeichen gegen den Antijudaismus der katholischen Kirche gewünscht.
Ergänzung: Beide Figuren sind als Repliken noch außerhalb des Gebäudes am Fürstenportal (rechte Seite) zu sehen.
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23.7.21 Bilder: webzet (Titelbild ist Symbolfoto) Foto: Bayer. Staatszeitung. Hinweis: Die webzet-blog ist unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! erreichbar. Zu dem Artikel äußern können Sie sich anhand der Kommentarfunktion unten. Die Webzet-Blog probiert derzeit wieder, Kommentare direkt freizuschalten. Eine Überprüfung gemäß der Richtlinien für Kommentare (s. unten) erfolgt im Nachhinein.