Was heißt gender-gerecht? Hart wurde im Stadtrat darüber diskutiert, in welcher Weise und in welchem Umfang die geschlechtsneutrale Schreibe im Rathaus übernommen werden soll.

An gendergerechter Sprache kommt man nicht mehr vorbei

Sie kennen das Binnen-I bei BürgerInnen oder das Sternchen bei Bamberger*innen sowie den Unterstrich, auch Gender-Gap genannt, der die Zwei- oder Mehrgeschlechtlichkeit von Menschen kennzeichnet, z.B. Lehrer_innen? Tatsache ist, dass man an gendergerechter Sprache - wie auch immer sie aussieht - heute nicht mehr vorbeikommt. Deshalb hat man sich auch im Bamberger Rathaus Gedanken gemacht, in welcher Weise und in welchem Umfang diese neue Schreibe eingesetzt werden soll. Für die Stadtverwaltung hat die Leiterin der Stabstelle Sozialplanung und –controlling, Gabriele Kepic´, die schwere (und undankbare) Aufgabe übernommen, die Vollversammlung des Stadtrats von der Notwendigkeit und Sinnhaftigkeit der gendergerechten/ geschlechtsneutralen Sprache zu überzeugen. In ihrem Sitzungsbericht hielt sie fest, dass »man sich gegen bestimmte Verfahren der Umsetzung wenden kann, aber nicht mehr gegen gendergerechte Sprache«.
Für ihre Argumentation orientierte sie sich allerdings an der stets gleichen Basisliteratur und stellte ihre Überzeugung pro „gender-gerecht“ sehr in den Vordergrund.

Gespür für politischen Unfug hat versagt

Das brachte insbesondere Stadtrat Prof. Gerhard Seitz (CSU) auf die Palme. Seine mehr oder weniger auch an Kepic` geäußerte Kritik bekräftigte er unterhaltsam mit zahlreichen – oft zum Lachen reizenden - Beispielen. Er hielt fest, dass die Absicht mehrerer Städte, »für ihren Dienstverkehr die geschlechtergerechte Sprache vorzuschreiben und ihren Bürgern zuzumuten«, abwegig sei. Es würde sich oft um Sprachregelungen handeln, die grammatikalisch zweifelhaft sind und zum Teil gegen amtliche Regelungen der deutschen Rechtschreibung verstoßen. Namens der CSU beantragte Seitz: »Die Stadt Bamberg achtet verstärkt auf die Einhaltung der allgemein gültigen Regeln der deutschen Rechtschreibung und lehnt Formen wie den Genderstern oder das Binnen-I ab.«
In der folgenden Diskussion hielt sich die SPD-Fraktion nahezu vollständig heraus; namens der GAL-Fraktion lobte Wolfgang Grader die Darstellung der Verwaltung und bekannte sich zur gendergerechten Sprache und Schreibung. Deutlich kritischer sah Dieter Weinsheimer (Bamberger Allianz) den Sachverhalt. »Wir haben prinzipiell nichts gegen sinnhafte Genderformen, die aus dem Sprachgebrauch gewachsen sind«, betonte Weinsheimer; ablehnen würde man aber »künstliche Formen«, die aus den Schreibstuben von Aktivisten/innen kämen. OB Starke hielt er vor, dass bei der Absegnung des Sitzungsvortrags dessen »Gespür für politischen Unfug versagt hat«.
Im Abstimmungsverfahren versäumte dann die CSU ihrem eigenen Antrag zu einer Mehrheit zu verhelfen. Einhellig wurde beschlossen, das Thema erneut auf die Tagesordnung zu bringen, dann aber neben den Pro- die Contra-Argumente nicht zu vergessen.
29.7.19 Bilder: WeBZet. Hinweis: Die WeBZet ist unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! erreichbar. Zu dem Artikel äußern können Sie sich anhand der Kommentarfunktion unten. Die Kommentare werden wegen Missbrauchs zurzeit nicht direkt freigeschaltet. Bitte beachten Sie die Richtlinien für Kommentare > linke Spalte unter „Nachträgliche Kommentare“. Impressum und EU-Datenschutzgrundverordnung r. Spalte ganz unten.