Die CSU will wieder stärkste Fraktion im Stadtrat werden. Auf ihrer Kandidaten-Liste finden sich neben bekannten Personen auch junge Leute, insbesondere aber Interessenträger.

Es geht um eine Koalition mit der SPD oder den Weg in die Opposition

Eines scheint sicher, dass die Partei, die über viele Jahre die Kommunalpolitik in Bamberg bestimmt hat, bei der Kommunalwahl 2020 diese alte Stärke nicht mehr erreichen wird. Die Auguren prophezeien ihr eher ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit der grünen Liste. Das kann bedeuten, dass die CSU-Fraktion möglicherweise wieder eine Koalition mit der SPD (freilich keinen „große“ mehr) eingeht oder erstmals in die Opposition gehen muss. Aber ob man bei der CSU schon so weit rechnet, muss zurzeit offen bleiben. Bekannterweise geht es bei ihrem OB- und Spitzenkandidaten in erster Linie darum, möglichst wieder 2. Bürgermeister zu werden.
Offenkundige Merkmale der CSU-Liste sind deshalb ihre Ausrichtung nach ihrem Spitzenkandidaten und eine weitere Dominanz von verschiedenen Interessenträgern – sei es geschäftlich oder persönlich. In klassischer Weise werden die verschiedenen Stadtteile und natürlich auch diverse Berufsgruppen berücksichtigt. An Besonderheiten fällt auf, dass die Plätze zwei (A. Rudel) und drei (Y. Xie) an bisherige Stadtratsmitglieder vergeben wurden, die in der ablaufenden Amtsperiode nicht durch klassische Stadtratspolitik aufgefallen sind. Was z.B. auch von der erst vor wenigen Monaten übergelaufenen früheren SPD-Stadträtin A. Ackermann gilt, die auf ihrer neuen Liste den Platz 11 besetzt. Es hat sich also gelohnt. Was also offensichtlich auf der CSU-Liste zu kurz kommt, sind Personen, die für die klassischen Aufgaben Gestaltung der Stadtpolitik und Kontrolle der Rathausspitze stehen. Ein wesentlicher Grund für den Niedergang der Bamberger CSU in den vergangenen Jahrzehnten. Aber vielleicht entpuppt sich der/die eine oder andere Neue mit den notwendigen Fähigkeiten für diese wichtigen Aufgaben.

Der Spitzenkandidat setzt auf „Wechselstimmung“!

Der CSU-Spitzenkandidat und Bürgermeisteraspirant Dr. Christian Lange spricht von einem Erneuerungsprozess in der Union. Auch eine Wechselstimmung meint er auszumachen, wobei in Kreisen interessierter Bamberger/innen, diese Stimmung in eine eher andere Richtung gemutmaßt wird. Jedenfalls kann man der CSU-Liste, die am vergangenen Donnerstag aufgestellt wurde, attestieren, dass sie insgesamt jünger und weiblicher geworden ist als in den Jahren zuvor. Das Durchschnittsalter beträgt dennoch 50 Jahre.
Von den amtierenden Stadtratsmitgliedern wollen wieder zehn dabei sein: Dazu gehören Peter Neller (Platz 5), Franz-Wilhelm Heller (Platz 21) oder Elfriede Eichfelder (Platz 44). Zwei bekannte Namen sind auf der Liste nicht mehr vertreten: der langjährige Fraktionsvorsitzende Helmut Müller oder einer der beiden Humls. Die Gesundheitsministerin Melanie Huml ist schon zur Wahl 2014 nicht mehr angetreten, ihr Ehemann Markus Huml, der als streitbar in den „klassischen Aufgaben“ (plus CSU-Profil) galt, ist jetzt auch nicht mehr dabei.
21.9.19 Bilder: WeBZet. Hinweis: Die WeBZet ist unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! erreichbar. Zu dem Artikel äußern können Sie sich anhand der Kommentarfunktion unten. Die Kommentare werden wegen Missbrauchs zurzeit nicht direkt freigeschaltet. Bitte beachten Sie die Richtlinien für Kommentare > linke Spalte unter „Nachträgliche Kommentare“. Impressum und EU-Datenschutzgrundverordnung r. Spalte ganz unten.