Die Kritik hält an: Das „Bürgerrathaus“ am ZOB, mittlerweile in Ratz umbenannt, scheint nicht so bürgerfreundlich, wie die Stadt behauptet. Die Probleme können eher mehr werden.

Fließbandabfertigung und mangelnde Diskretion

Im Zuge der Genderdebatte sahen sich die Stadtverantwortlichen veranlasst, den ursprünglich geplanten Namen „Bürgerrathaus“ zu streichen und den Namen zu „gendern“, also neutral umzubenennen. Also heißt das Haus für Bürger und Bürgerinnen jetzt Ratz - "Rathaus am ZOB", ein Name, den jede/r eingeborene Bamberger/in in der Tierwelt verorten kann. Aber: Erfahrungsgemäß nennen die Menschen ein Gebäude oder eine Einrichtung im Laufe der Zeit wie es für sie am leichtesten über die Lippen geht. Man wird hören, wie das Ratz in wenigen Jahren heißt.
Wesentlich problematischer erscheint die Funktionalität des für 8,5 Mio € umgebauten Hauses. Die Negativmeinungen sind von Bürgern/innen genauso zu hören wie von städt. Mitarbeitern/innen. Von langen Warteschlangen, Fließbandabfertigung und mangelnder Diskretion ist bei den Kunden die Rede. Die Logik der digitalen Besuchersteuerung mit Nummern, Buchstaben und Farben muss man erst durchschauen. Sie lässt weder Wartezeit noch Platzierung erkennen. Das Foyer des ehem. Kreiswehrersatzamtes ist zudem so vollgestopft mit Schaltern, dass sich alle auf den Füßen stehen.
Die Mitarbeiter und Bürger erkennen gleichermaßen eine Mischung aus Möbelhaus und Kaufhaus. Es gibt Platz für großzügige Treppenaufgänge nebst einem inneren zentralen Freiraum vom Erd- bis zum Dachgeschoß. Im Gegensatz dazu bieten die Zimmerchen für die Mitarbeiter gerade Platz für den Schreibtisch und einem Stuhl an die vorbei man sich zu einem Wandschrank durchzwängen muss.

Wird aus dem Kühlhaus eine Backstube?

Geschätzt 70 Prozent des Innenraumes bestehen aus Flur und Treppen, wesentliche Ursache dafür, dass viele Mitarbeiter/innen schon zu Beginn der kalten Jahreszeit die Räume in dem ehem. Militärgebäude als nicht richtig temperiert empfinden.
Nun weiß man, dass die mangelnde Temperierung im Winter nur das halbe Problem sein kann. Viel mehr befürchten die Mitarbeiter/innen – die Kunden sind noch nicht so weit, dass im Sommer aus dem Kühlhaus eine Backstube wird. Um dem vorzubeugen, gab es schon in der Bauphase den Vorschlag, eine angemessene Klimaanlage einzubauen. Vom zuständigen Management ist das abgelehnt worden. An dieser Stelle hat man gespart.
Nun steht zu befürchten, dass die Stadt schon bald wird nachbessern müssen.
26.11.19 Bilder: WeBZet. Hinweis: Die WeBZet ist unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! erreichbar. Zu dem Artikel äußern können Sie sich anhand der Kommentarfunktion unten. Die Kommentare werden wegen Missbrauchs zurzeit nicht direkt freigeschaltet. Bitte beachten Sie die Richtlinien für Kommentare > linke Spalte unter „Nachträgliche Kommentare“. Impressum und EU-Datenschutzgrundverordnung r. Spalte ganz unten.

Kommentare   
+13 # Bamberger 2019-11-26 14:55
"You get what you buy"

Wie das Gebäude von innen ausgesehen hatte, wusste jeder Stadtrat vor dem Beschluss. Dass sich daran kaum etwas ändern wird, war klar. Wie groß die Zimmer sind, wie groß der Innenraum.
Dass die Dämmung und Heizung evtl. nicht ausreichen, hätte man auch vorher wissen können.

Nur aus Interesse:
https://www.stadt.bamberg.de/buergerinformationssystem/to020.asp#allrisAE
Wer war die "Nein"-Stimme? Nicht, dass sich jemand jetzt im Nachhinein hinstellt und kritisiert, was er/sie selbst beschlossen hat...
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-1 # supi 2019-11-26 16:56
also bevor das heutige bürgerrathaus am ZOB zum kreiswehrersatzamt mutierte, war das gebäude mal das ehemalige alte landratsamt.auch wenn es vlt keiner wahrhaben will, schon zur damaligen zeit waren die zimmer genauso gross wie heute, auch das foyer von oben bis unten durchgängig. ein unterschied besteht jedoch, damals war die dämmung noch schlechter und die heizung hat auch nicht viel gebracht, also was soll das lamentieren heute ?
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0 # hollermöffel 2019-11-26 23:01
genau... dann hätte man die 8 Mio auch für Kindergärten und Daseinsvorsorge ausgeben können ;-)
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+16 # Werner 2019-11-26 17:40
Eins ist zumindest gleich geblieben: die Unfreundlichkeit der Angestellten ggü. ihren Bürg....äh....Bittstellern
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+5 # Rainer Pfaff 2019-11-26 22:51
#2 hat recht. Das Gebäude war auch mal Landratsamt. Und mir hat jemand erzählt, dass der Kauf der Immobilie durch die Stadt Bamberg im Landkreis für Erheiterung gesorgt haben soll, denn dort sei man damals froh gewesen diesen architektonischen Betriebsunfall losgeworden zu sein. Für mich war das Konzept an dieser Stelle ein Rathaus zu errichten von Anfang an aus mehreren Gründen fragwürdig.
Zum einen das Gebäude selbst. Zum anderen der Standort. Muss ich an einem der prominentesten Orte der Stadt eine Beratungsnutzung ansiedeln?
Oder hätte gar die Möglichkeit bestanden dort Erträge für die Stadtkasse zu erwirtschaften?
Eine Frage, die sich angesichts der Fördergelder für das neue Rathaus wieder stellen.
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0 # supi 2019-11-27 19:56
na ja sagen wir mal so, vieles was die stadt bamberg macht, sorgt allerorten für erheiterung
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+6 # Bergradfahrer 2019-11-30 12:45
Am geilsten ist der Wartebereich. Da zieht man, wenn man das System verstanden hat, seine Nummer zentral für alle möglichen Anlaufstellen und dann drängen sich alle in dem unterdimensionierten Bereich, um die Bildschirme genau im Blick zu behalten, auf dass sie nicht ihr Zeitfenster verpassen. Immerhin habe ich ca. zehn Sitzplätze für nicht allzu dicke Wartende gesehen.
Da war keiner dabei, der mitgedacht oder Empathie für die Bürger hat.
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