Das P-Amt hat eine neue Chefin

Im Rathaus wird aufgerüstet. Nachdem im vergangenen Jahr die städt. Pressestelle zu einem „Amt“ hochgestuft wurde, wird jetzt eine neue Amtsleiterin inthronisiert. Eine Fachfrau für P-Management.

Mit einer Eilverfügung vollendete Tatsachen geschaffen

Wie man hört, nimmt/nahm der Stadtrat Kenntnis von der neuen P-Chefin. Ein wichtiges Amt über dessen Neubesetzung der Oberbürgermeister allein entschieden hat. Für eine „Kleinstadt“ wie Bamberg ist das Amt für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und Bürgerbeteiligung ohnehin sehr stark personalisiert – bei diesem wichtigen Amt wurde und wird nicht gespart. Allerdings: Wofür wichtig? Der Name sagt vieles. Aber es erscheint aufschlussreicher, wenn man auf die bisherige Praxis schaut. Ein P-Amt für den Oberbürgermeister und ein Bilderbuch für seine Speichellecker. Man konnte und wird dort nichts lesen können, was der offiziellen Linie der „Rathausspitze“ nicht gefällt. Die meisten Medien im Bamberger Raum könnten ohne die Mitteilungen des P-Amtes gar nicht existieren. Sie erweisen sich erkenntlich, indem sie die Mitteilungen 1 : 1 veröffentlichen – und damit das Geschäft des Rathauses betreiben.
Nun hat der Stadtrat die Besetzung der neuen Leitungsstelle per Eilverfahren nur zur Kenntnis genommen und für Irritationen bei den Rätin/nen gesorgt. Eigentlich sollte man meinen, dass gerade eine solche Position im möglichst großen Einvernehmen besetzt wird. Die neue P-Chefin hat sich zwar in einer öffentlichen Ausschreibung gegen andere Mitbewerber/innen behauptet, aber mit einer Eilverfügung hat OB Starke ohne Not vollendete Tatsachen geschaffen. Wie man hört, habe der OB es für unzumutbar gehalten, die Einstellung der neuen P-Chefin erst bei der nächsten Vollversammlung des Stadtrats am 30. 9. Behandeln zu lassen und sie zum 1. Oktober zur Stadtbediensteten zu machen.

Stadtrat entmachtet sich zusehends selbst

Der Stadtrat zu Bamberg wurde vom OB mal wieder überfahren. Und hier geht es weniger um die Sache, sondern ums Prinzip. Hier hätte der Stadtrat zeigen müssen und können, dass er bei dem Verfahren nicht nur zur Kenntnisnahme verurteilt ist. Kurz: Der Stadtrat stellt sich als schwach dar – weil er sich zusehends selbst entmachtet. Für die Damen und Herren im Rat mag das vielleicht egal sein, aber für die Bürgerschaft sollte das nicht so sein. Die wichtigsten Aufgaben des Stadtparlaments sind die Gestaltung der Stadtpolitik und die Kontrolle des Rathausgeschehens. Wenn man das vergangene halbe Jahr zurückschaut, dann hat der neue Stadtrat sich gleich von Anfang an maßgeblich bei Geschäftsordnungsfragen über den Tisch ziehen lassen. Eine Fraktion hat sich hier in besonderer Weise gewandelt – dort läuft man Gefahr, sich für einige (oft noch offene) Zusagen in Kultur, Umwelt und Verkehr zum Bettvorleger machen zu lassen. Während man/frau die Auswirkungen der bisherigen Personalentscheidungen noch wird spüren dürfen.
Per Eilverfahren wurde jetzt als neue P-Chefin die 53 Jahre alte Kommunikationsmanagerin und Politologin Judith Weingart eingestellt. Sie hat in den vergangenen 25 Jahren in unterschiedlichen Funktionen beim Playmobil-Hersteller „geobra“ in Zirndorf gearbeitet. »Ich freue mich jetzt auf die Mitarbeit in einem tollen erfahrenen Team«, soll Weingart gesagt haben. Unbekannt für den/die Normalbürger/in bleibt, in welcher Gehaltsstufe sie eingestellt wurde. Die Amtsleiterbezüge in der „Kleinstadt“ Bamberg können mittlerweile bis A16 reichen.
24.9.20 Bilder: webzet. Privates Personenfoto. Hinweis: Die webzet-blog ist unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! erreichbar. Zu dem Artikel äußern können Sie sich anhand der Kommentarfunktion unten. Die Kommentare werden nach einer Überprüfung gemäß der Richtlinien für Kommentare (s. unten) freigeschaltet.

Kommentare   
+14 # zerberus 2020-09-24 12:20
Ob das Grünen-Bashing (ohne das hier offenbar kein Beitrag mehr auszukommen vermag) in diesem Fall tatsächlich berechtigt ist, scheint doch sehr fraglich. Immerhin hat die Fraktion sich zum geschilderten Prozedere des OB mindestens genauso kritisch geäußert wie die webzet. ;-)
Siehe: https://www.gruenes-bamberg.de/gruene-kritisieren-art-der-besetzung/2020/09/23/
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+28 # Echtjetzt 2020-09-26 08:51
Erst die Causa Siebenhaar, jetzt die Causa Weingart. Wenigstens hat der große Koalitionspartner im Rathaus, die Grünen, seine Stimme wiedergefunden. Anscheinend hat man sich an ein Wahlkampfversprechen - den transparenten Politikstil - wiedererinnert. Völlig unverständlich, wieso laut FT die Fraktionsvorsitzende ihrer Mannschaft öffentlich in den Rücken fällt. Will sich da jemand ein Fleißbildchen vom OB verdienen auf Kosten seiner Fraktion? Oder hat die webzet recht mit der Vermutung, dass die Grünen alle OB-Winkelzüge abnicken müssen, um beim Thema Verkehr ein paar Zugeständnisse zu bekommen?
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-8 # supi 2020-09-27 18:56
Weingart ist keine causa, hier hat es ne ausschreibung gegeben. Die causa ist Siebenhaar und hier wären die grünen, die sich nun so aufregen, voll mit dabei. Wie es halt immer am besten passt, so sieht die aus die grüne beliebigkeit
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+10 # wildwuchs 2020-09-29 12:46
;-)
sie haben ja komplett ignoriert, dass die Auswahl der Bewerberin eine einsame Entscheidung ohne Rücksprache oder Beschluss war.

da kann man viel ausschreiben, wenn niemand bei der Inthronisierung gefragt wird.
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-11 # supi 2020-09-29 17:41
ja und wenn dem so sei, wo ist das problem, das geht hier alles auch ohne ausschreibung, wie wir bereits gesehen haben, also was soll nun das gejammere
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+11 # zerberus 2020-09-29 18:40
Das ist doch Quatsch. Natürlich hat es Auswahlgespräche mit unterschiedlichen Bewerber*innen gegeben. Und man hatte sich auf die jetzt eingestellte Dame geeinigt.
Was zu kritisieren war, ist die Eilverfügung des OB zum sofortigen Vollzug der Einstellung - ohne den für die endgültige Entscheidung eigentlich zuständigen Personalsenat damit zu befassen.
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-9 # rüpel ralle 2020-09-30 22:39
Nun es müssen Entscheidungen getroffen werden, daran führt kein Weg vorbei, zu viele Frösche zu fragen, führt nur zu unnötigem und lästigem Gequake, am Schluß aber zum selben Ergebnis, das Gelabbere kann man sich sparen, die Gute hat das Prozedere durchlaufen und gut ist es.
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+17 # Bergradfahrer 2020-09-26 09:35
Naja, A16 ist im Vergleich zu dem, was man als Vorstand bei geobra kriegt wohl eher bescheiden.
Mit Ärger im Unternehmen und unklaren Gemengelagen kennt sie sich bei der vita mit Sicherheit gut aus.
Ich bin gespannt, wie jemand, der schon ein paar Klassen höher gespielt hat, sich da auswirkt. Wenn man offensichtlich signifikant besser als der Regent ist, kann das zum Problem werden.
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+1 # Franze 2020-10-01 19:06
P-Amt soll doch bestimmt Propaganda-amt heißen? Passt scho!
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