PRESSEARBEIT - RATHAUS

Wie lang hält die Frau das aus?

Diese Frage muss sich jedem aufgedrängt haben, der die Mitteilungen des städt. Presseamtes mitverfolgt, sie aus vergleichender Perspektive begriffen hat. Die Leiterin des Amtes gibt jetzt auf.

Über manche Pressemitteilung muss(te) man sich sehr wundern

Nach knapp einem Jahr gibt Judith Weingart, die Leiterin des Amtes für Bürgerbeteiligung, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Bamberg bekannt, “dass sie zurück in die Wirtschaft wechselt”. In der entsprechenden Pressemitteilung heißt es: Judith Weingart, Leiterin des Amtes für Bürgerbeteiligung, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Bamberg, wird mit Beendigung des Einjahresvertrags die Stadtverwaltung Ende September verlassen, um eine neue berufliche Aufgabe zu übernehmen. »Wir bedauern diese Entscheidung von Frau Weingart sehr und danken ihr für die sehr gute Arbeit sowie ihr außerordentliches Engagement. Wir wünschen Frau Weingart weiterhin viel Erfolg auf ihrem beruflichen Lebensweg«, so Oberbürgermeister Andreas Starke zum Weggang von Judith Weingart."
Von den gut 700 Pressemitteilungen des Amtes im Laufe eines Jahres waren die meisten sachlich, weil an Themen orientiert, die die unmittelbare Arbeit bzw. den Aufgabenbereich der Stadt nicht berührten. Auch die Webzet hat bisweilen solche Berichte 1 : 1 oder leicht verändert übernommen (gekennzeichnet mit einem Hinweis entweder in einem roten, blauen oder gelben Kasten). Für Werbe- und Unterhaltungsmedien sind diese Mitteilungen der Stadt überlebensnotwendig. Wer allerdings einige Grundkenntnisse von den jeweiligen Themen hatte, vielleicht etwas recherchierte oder gar Augen- und Ohrenzeuge etwa in diversen Sitzungen war, musste sich oft über die Inhalte der Pressemitteilungen wundern.

Zwischen Wahrheit und gezielter Falschmeldung

Gerade in den Zeiten der jeweiligen Rathaus-Skandale gab es krasse Beispiele. Das Presseamt hat beispielsweise stets als erste Instanz über Sachverhalte berichtet, bisweilen schon kurze Zeit nach einer Stadtratssitzung (nur die Position der “Stadtspitze”, ohne ggf. eine andere Meinung aus dem Stadtrat nur anzudeuten). Die jüngsten Gutachten zum Personal- und Finanzskandal wurden, so wie schon bei ähnlichen Ereignissen vorher, umgehend im Sinne der Stadtverwaltung interpretiert weitergegeben. Während die Originale unter Verschluss gehalten werden. Über offiziell nichtöffentliche Beratungen wird die Meinung des Oberbürgermeisters (der neue zweite Bürgermeister macht hier genauso mit) veröffentlicht, während anderen Teilnehmern (meist Stadtratsmitgliedern) eine Verlautbarung verboten wird. Wieso hat das Presseamt hier so schnell gearbeitet? Weil man weiß, dass die oben genannten Medien auf diese Verlautbarungen angewiesen sind und sie umgehend 1 : 1 veröffentlichen. Ein etwas Recherche betreibendes oder in der Sache kompetentes Medium braucht etwas Zeit, um eine solche Meldung zumindest geprüft zu haben.
So ist es verständlich, dass das städt. Presseamt von vielen Menschen als “Propagandaamt” gesehen wird.
Die Webzet hat für diese Ausrichtung der neuen Leiterin, Frau Judith Weingart, nie einen Schuldvorwurf gemacht. Der Schreiber dieses Artikels weiß aus langer Erfahrung, dass diese zweifelhafte Pressearbeit eines öffentlichen Amtes stets von den Interessen der “Stadtspitze” bestimmt war und ist. Immer steht die Frage im Raum, was Wahrheit oder gezielte Falschmeldung ist.
Wer eine solche Pressearbeit machen muss, ist wahrlich nicht zu beneiden.

Zum Gegenteil. Zum derzeit virulenten Thema “Finanzskandal” sind im FT von heute ein ausführlicher Bericht und ein Kommentar von Chefreporter Michael Wehner zu lesen. Beide empfehlenswert.
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Kommentare   
+14 # Baba Yaga 2021-07-01 14:18
Ein gutes Beispiel dafür, wie man Personal verschleißt. Stadt Bamberg als Arbeitgeber...ein Traum.
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+9 # cunningham 2021-07-02 11:56
Nach dem verlorenen Bürgerentscheid wurde das "Amt für Bürgerbeteiligung, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit" mit einer extremen Personalaufstockung gegründet, um die öffentliche Meinung besser zu steuern. Propagandaamt ist daher durchaus eine treffende Bezeichnung. Es spricht für den Charakter von Frau Weingart, wenn sie keine Lust mehr auf Lügenpresse hat.
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+4 # supi 2021-07-02 17:18
also anstatt sich vlt jeden tag verbiegen zu müssen, hätte es der guten frau sehr zu gesichte gestanden, schon viel früher unter nennung der massgebenden gründe die reissliene zu ziehen, aber wenn vlt auch spät, totzdem noch die kurve bekommen.
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