ANTI-EXTREMISMUS

Gegen die “schlechten” Menschen

Brennende Israel-Flaggen, Beschimpfungen, Steinwürfe gegen Synagogen. Gibt es mittlerweile alles in Deutschland. Aber auch in Bamberg? Was wird ein/e Antisemitismus- Beauftragte/r bewirken?

Grün-rot strebt eine Vollzeitstelle an

Es ist schon einige Wochen her, dass die Fraktionen Grünes Bamberg, SPD, BaLi/Die Partei die Stadtverwaltung aufforderten, “zeitnah die Stelle eines/r „Antisemitismus-Beauftragte/n“ auf 450,- € Basis auszuschreiben und die Stelle schnellstmöglich zu besetzen. Die Verwaltung wird darüber hinaus beauftragt, gemeinsam mit verschiedenen Partner/innen (z.B. Demokratie Leben…) ein Konzept für eine volle „Antidiskriminierungsstelle“ auszuarbeiten und dem Stadtrat zur Abstimmung vorzulegen”. Der Antrag bezieht sich auf (...) im Stadtbild Bambergs wahrnehmbare Graffiti-Parolen mit Gewaltaufrufen und rechter Hetze entlang des Main-Donau-Kanals, der Universität sowie an der Synagoge und die zunehmende und berechtigte Angst jüdischer Bürger/innen innerhalb der Stadt Bamberg.” Dies unterstreiche die Notwendigkeit einer festen Verankerung dieser Stelle in der Stadt.
Man hätte meinen können, dass dieser Antrag recht bald auf die Tagesordnung kommt und zu Ergebnissen führt. Zumindest zurzeit tut sich aber gar nichts.
Hier soll nun nicht wiedergegeben werden, zu welchen judenfeindlichen Exzessen es in deutschen Großstädten kommt. Besonders immer dann, wenn die Situation zwischen Israel und Palästina im Nahen Osten eskaliert, ist der Konflikt auch in Deutschland präsent. Es kommt zu Demonstrationen, teils mit Ausschreitungen und antisemitischen Zwischenfällen.
Richtig wird seitens der Bundes- und Landesregierungen verkündet, das jene, die antisemitischen Hass verbreiten, die volle Härte des Rechtsstaats zu spüren bekommen werden, dass schärfer durchgegriffen werden muss.
Allerdings ist das schwierig, weil Antisemitismus häufig als politische Kritik am Staat Israel getarnt ist.

Wo endet die Altdenke, wo beginnt die Neudenke?

Hier stellt sich die Frage nach der Sinnhaftigkeit einer/s Antisemitismus-Beauftragte/n? Eines kommunalen, in einer Kleinstadt. Zumal Bamberg die erste Stadt in Bayern überhaupt ist, die eine solche Stelle schaffen will. Eine ganze Seite umfasst die Stellenausschreibung der Stadt. Kein Wunder, dass Aktivisten schon im Vorfeld verlangen, man müsse eine Vollzeitstelle ausschreiben. In der Praxis hat das schon immer bedeutet, dass dazu ein Büro und Unterstützungspersonal bereitgestellt werden muss. Auch fühlen sich jene ermuntert, die schon von einer Erweiterung von einem allgemeinen Antidiskriminierungsbüro schwadronieren, gegen Ziganismus, Anti-Genderismus, Rassismus, Klassismus, Nationalismus/Patriotismus, Homophobie, Islamophobie, Nazimus/Faschismus u.a.m. Anti-Personal müsste es genug in Bamberg geben, produziert doch unsere Universität einschlägige Sozial- und Geisteswissenschaftler a masse.
Allerdings stellt sich noch eine grundsätzliche Frage. Wohin soll es führen, wenn immer mehr Denk- und Verhaltensweisen der Beobachtung und Bekämpfung ausgesetzt sind? Wo endet die Altdenke? Wo beginnt die Neudenke? Was lässt diese noch zu? Ist jede/r mit einer anderen Meinung ein schlechter Mensch?
Die oben genannten Denkweisen hat es im Prinzip schon immer gegeben und wird es immer geben. Ja, es stellt sich bisweilen der Eindruck, dass die institutionalisiert-ideologische Bekämpfung erst recht die unerwünschten Denkweisen fördert. Denn noch sind die Gedanken frei.
Vielleicht wäre es besser, sich gegenseitig wieder mehr zu tolerieren, mit Anstand und Respekt andere Meinungen zur Kenntnis zu nehmen und in der Sache dagegen zuhalten.
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Kommentare   
+13 # Eisenbahner 2021-07-04 13:00
Wenn man die Meinung dieser beiden Parteien über Israel kennt, weiß man wessen Geistes Kind dieser Beauftragte sein muß und in welche Richtung dieses "Problem" gelenkt werden soll!
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-32 # Rosa Winkel 2021-07-04 22:42
Ruft die webzet hier auf Ziganismus, Anti-Genderismus, Rassismus, Klassismus, Nationalismus/Patriotismus, Homophobie, Islamophobie, Nazimus/Faschismus zu tolerieren?

Muss man tolerieren wenn auf dieser Seite in einem Post vom „Fahrrad-Krieg“ geschrieben wird? Verharmlost das nicht alle echten Kriege?

Leider verkommt die webzet zur CSU-Jubel-Postille. Da war Herr Weinsheimer im Stadtrat noch ein anderes Kaliber.
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+34 # Bergradfahrer 2021-07-05 07:44
Ich glaube, dass hier lediglich der Aktionismus kritisiert wird, für jedes Problem unabhängig von dessen Größe und Relevanz eine Institution zu errichten.
Niemand will Ausgrenzung gut heißen, ich glaube auch, dass den von Ihnen aufgezählten Strömungen entgegentreten sollte, wenn sie einem begegnen. Und an diesem "wenn" hängt es. Und am Augenmaß.
Manches dünkt einem etwas überzogen:
Die Bundeswehr hat jetzt einen Bundesmilitärrabbiner, der bekommt wie der Militärbischof den Sold eines Brigadegenerals B6. Es sollen zudem 28 bis 30 Militärrabbiner mit A13/A14 installiert werden. Es gibt geschätzt ca. 300 Juden in der Bundeswehr. Ist das nedd a weng viel? (Das spannende Politikum dahinter, dass hier der Zentralrat der Juden in Deutschland bei der Besetzung mitwirkt. So gelingt es, im Gegensatz zur Gemeinde, die ihre Rabbiner selbst auswählt, einen zu besetzen, der wenig orthodox ist.)

Ich halte es auch für gefährlich, jeder abweichende Meinung und sei sie auch noch so widerwärtig ein Gesetz oder eine Instanz der Exekutive entgegen zu setzen. Man darf homophob oder homophil sein, man darf Nationalist oder Kosmopolit sein, man darf Stalinist oder Pastafari sein. Solange ich kein Gesetz breche, hat das den Staat nicht zu interessieren!
Es gilt das gesamte Spektrum der Meinungen und Orientierungen zuzulassen, um eine Diktatur derer zu verhindern,die sich für gut halten.
Es gilt auch das auszuhalten, was unserer eigenen Meinung widerstrebt. Das uns nichts anderes ist Meinungsfreiheit.

Und nein, der Begriff Fahrrad-Krieg soll sicher keine echten Kriege verharmlosen, sondern ist ein Stilmittel, einen der Stürme im Bamberger Wasserglas vielleicht etwas sarkastisch zu beschreiben. Hierzu auch Verweis auf den "Bamberger Bierkrieg".
Legen Sie halt nicht alles auf die Goldwaage, da lebt es sich viel, viel leichter. :-)
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+22 # Katharina Doro 2021-07-05 08:35
Danke für den Blog. Merken die Leute nicht, daß sie immer mehr auf dem Weg zu einer "Gedankenpolizei" sind. Wir alle teilen mehr oder weniger unsere Zuneigung oder Abneigung zu den verschiedenen Ideologien oder Lebensweisen. Da hilft nur das sachlich-tolerante Gespräch miteinander.
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