Sie wohnen in der Innenstadt und wissen die lebendige und aufgeschlossene Atmosphäre zu schätzen. Durch den überbordenden Tourismus sehen sie aber die Lebensqualität deutlich beeinträchtigt.

Bamberg muss auch für Einheimische attraktiv bleiben

Das Ehepaar, das in der jüngsten Ausgabe der Inselrundschau des Bürgervereins Bamberg-Mitte (auch) einen Artikel mit der Überschrift „Overtourism im Weltkulturerbe“ schrieb, ist enttäuscht von der Entwicklung der Welterbestadt. Seit sie im Jahr 2011 nach Bamberg zugezogen sind, habe sich in der Stadt insbesondere durch den Tourismus manches geändert (hier nur drei von fünf angeführten Punkten):
• In der Innenstadt gibt es an vielen Brücken und Engstellen im Straßenverlauf häufig ein großes Gedränge, weil viele Einheimische auf große Touristengruppen treffen. Und wenn dann auch noch Fahrradfahrer ohne Abzusteigen versuchen, zwischen den Fußgängern hindurch zu fahren, wird es schnell richtig stressig und gefährlich.

• Das Parkhaus in der Geyerswörthstraße ist an vielen Wochenenden inzwischen vollständig belegt, so dass sich die wartenden PKWs bis weit in die Geyerswörthstraße hinein mit laufendem Motor stauen. Ähnliches gilt für Reisebusse, die mit laufendem Motor auf ihre Gäste warten. Die bereits an normalen Tagen schlechte Luft wird dann noch unerträglicher.

• Bei Großveranstaltungen ist die Stadt inzwischen so übervoll, dass nicht nur wir, sondern auch viele andere sich gezwungen sehen, die Innenstadt systematisch zu meiden oder sogar die Stadt ganz zu verlassen.

Bamberg befindet sehr deutlich auf einem unguten Weg

Dies sind nicht nur unsere eigenen Erfahrungen, sondern viele von unseren Freunden und Bekannten, die in der Innenstadt wohnen, sehen das genauso, und sie fühlen sich durch den so besonders stark gewachsenen Tourismus immer öfter genervt und gestresst. Dadurch entsteht in Bamberg allmählich eine Atmosphäre der Angespanntheit und Gereiztheit, bei der es nur weniger Kleinigkeiten bedarf, bis diese sich in Form von Aggressivität und Gewalt entlädt.
Bis vor kurzem wurde darüber nicht öffentlich gesprochen. Aber seit einiger Zeit wird dieses Phänomen als „Overtourism“, also als „übermäßiger Tourismus“, bezeichnet und heftig kritisiert. Die Gefahr besteht nämlich darin, dass der Tourismus so stark wird, dass er alle anderen Nutzungen und auch die Einheimischen verdrängt, die so zu „Störenfrieden“ werden. Dabei wachsen zwar die touristischen Arbeitsplätze (zu Lasten anderer Arbeitsplätze) sehr stark, aber eine Stadt wird dadurch zu einem touristischen Museum wie Rothenburg ob der Tauber, bei der ganzjährige Weihnachtsmärkte und Dauerevents zur Grundausstattung gehören. Auch wenn dies in Bamberg noch nicht der Fall ist, so befindet sich diese Stadt doch sehr deutlich auf einem unguten Weg in diese Richtung.
Bislang nehmen weder die Stadt Bamberg noch das Tourismus-Marketing dieses Problem angemessen wahr, sondern sie beschönigen die Situation und reden lediglich unverbindlich über eine „Stärkung der Akzeptanz des Tourismus bei den Bürgern der Stadt“. Deshalb braucht es jetzt eine breite öffentliche Diskussion darüber, die mit diesem Heft der „Inselrundschau“ vom Bürgerverein Mitte unterstützt werden soll.
Nach unseren Erfahrungen müsste dringend eine Strategie entwickelt werden, um den Tourismus in der Stadt Bamberg auf ein angemessenes Maß zu reduzieren, damit wieder ein lebendiges Miteinander von Einheimischen und Touristen möglich wird.
Die Autoren des Artikels zählen dann einige Punkte auf, die aus ihrer Sicht geklärt  werden müssten – hier aber leider keinen Platz mehr haben.
19.5.19 Bilder: WeBZet. Hinweis: Die WeBZet ist unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! erreichbar. Zu dem Artikel äußern können Sie sich anhand der Kommentarfunktion unten. Die Kommentare werden wegen Missbrauchs zurzeit nicht direkt freigeschaltet. Bitte beachten Sie die Richtlinien für Kommentare > linke Spalte unter „Nachträgliche Kommentare“. Impressum und EU-Datenschutzgrundverordnung r. Spalte ganz unten.