Auf einen guten Tag

 

Die Liebe stirbt meist an den kleinen Fehlern, die man am Anfang so entzückend fand.
Unbekannt

Was ist Over-Tourismus? Gefühlt läuft Bamberg bereits auf einen Über-Tourismus zu? Statistisch ist man davon noch weit entfernt. Aber die Statistik hilft den Menschen vor Ort wenig.

Ein Plätzchen finden, wo man sein Bier trinken kann

Einen Nachmittag lang befassten sich Anfang November Fachleute und Bamberger Bürger/innen mit dem Thema Over-Tourismus. Veranstalter waren die IG interesSAND, die Universität Bamberg, die Bürgervereine Mitte und Sand sowie die Vereinigung für Stadt-, Regional- und Landesplanung (SRL). Der folgende Bericht ist dem „Sandblatt“ vom 4. Quartal 2019 entnommen und wurde vom Sprecher der IG interesSAND, Markus Schäfer, geschrieben.
Den Großteil des Berichts widmete der Berichterstatter den Ausführungen von Andreas Kagermaier, Professor an der Universität Trier. Dieser gilt als einer der renommiertesten Tourismusgeographen Deutschlands und sei sehr konkret auf die Situation in Bamberg eingegangen. „Kagermaier machte deutlich, dass es sich bei der Frage nach dem Zuviel in erster Linie um ein Gefühl handelt. Bambergs Wachstum bei den Touristenzahlen sei vergleichbar mit anderen deutschen Großstädten und weit von den europäischen Spitzenreitern Dubrovnik, Barcelona oder Venedig entfernt. … Die reine Statistik helfe den Menschen vor Ort trotzdem wenig. Bamberg müsse daher proaktiv werden und die Sensitivität der Einheimischen positiv beeinflussen. Entscheidend sei hier vor allem die Einbeziehung aller lokalen Akteure. Zudem warb er dafür, Rückzugsräume in den Stadtteilen zu schaffen bzw. zu erhalten. Diese müssten entsprechend aufgewertet und gestärkt werden. Die Menschen in touristisch geprägten Städten benötigen solche Bereiche, in denen der Tourismus keine oder kaum eine Rolle spielt. Es sei wichtig, dass auch der Bamberger noch ein Plätzchen findet, wo er sein Bier trinken kann.
Als zentralen Störfaktor bezeichnete Kagermaier das Crowding, d.h. die Wahrnehmung einer Überfüllung. Er empfahl den Bambergern hier u.a., sich mit den anderen von dem
Flusskreuzfahrttourismus betroffenen Städten in Bayern zusammen zu schließen, um sich gemeinsam beim Freistaat für eine strenge Limitierung der Schiffe einzusetzen.“

Kommunikation auf Augenhöhe

In dem Bericht heißt es dann, dass anschließend in Kleingruppen über die Themen Zukunft, Räume, Soziales und Kultur sowie Politik diskutiert wurde. Aus Sicht des Berichterstatters waren die Ergebnisse in den Gruppen in der Regel nicht eindeutig und bildeten vielmehr ein breites Spektrum an Meinungen ab.
Am Ende des Nachmittags seien erwartungsgemäß viele Fragen offen geblieben. Dennoch habe es bei vielen Aspekten des Tourismus einen Konsens unter den Teilnehmenden gegeben. „So wurde deutlich, dass sich Bamberg mit den Touristinnen und Touristen auf Dauer arrangieren muss. An Aussperren denkt niemand. Allerdings sollte die Stadt stärker unmittelbar vom Tourismus profitieren und dieses Geld sollte sinnvoll und zweckgebunden in Projekte wie beispielsweise der Infrastruktur gesteckt werden, die Gästen und Einheimischen zu Gute kommt. Von allen Seiten betont wurde eine verbesserungswürdige Kommunikation der Stadt mit ihren Bürgerinnen und Bürgern. Tourismuskritik sollte ernst genommen werden. Gewünscht und angemahnt wurde eine Kommunikation auf Augenhöhe.
Klar sei auch geworden, dass es beim Thema Tourismus viele Schnittmengen zu Themen wie Wohnen, Hotelentwicklung, Einzelhandel etc. gibt. Es wird also ein zukunftsweisendes und integriertes Konzept in Bamberg benötigt, das alle diese Aspekte berücksichtigt. Der ebenfalls bei der Veranstaltung anwesende neue Tourismusdirektor von Bamberg, Michael Heger, betonte, dass ihm das miteinander reden wichtig sei.

28.11.19 Bilder: WeBZet. Hinweis: Die WeBZet ist unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! erreichbar. Zu dem Artikel äußern können Sie sich anhand der Kommentarfunktion unten. Die Kommentare werden wegen Missbrauchs zurzeit nicht direkt freigeschaltet. Bitte beachten Sie die Richtlinien für Kommentare > linke Spalte unter „Nachträgliche Kommentare“. Impressum und EU-Datenschutzgrundverordnung r. Spalte ganz unten.

Kommentare   
-3 # supi 2019-11-29 17:42
vorschlag, abschaffung der sandkerwa und schon sind an der untergrenze 200.000 an der obergrenze 300.000 besucher oder touris weniger, das wäre doch der einstieg in die reduzierung
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+10 # Bergradfahrer 2019-11-30 10:11
Die Zunahme des Kreuzfahrttourismus erscheint mir sehr problematisch, weil auch die lokale Wirtschaft zu Null davon profitiert.
Habe das gerade erst wieder mal in Oberägypten ausgiebig beobachten dürfen. Dort wächst die Zahl der Touristen wieder stark, jedoch nagen die kleinen Anbieter vor Ort (Taxis, Droschken, kleine Läden usw.) am Hungertuch. Die Leute buchen billige all-inclusive Kreuzfahrten, essen und trinken ausschließlich an Bord und gehen nur dort hin, wo der Veranstalter sie hin führt und ggf. auch noch was von dem abgreift, was sie ausgeben.
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+7 # hollermöffel 2019-12-01 23:09
Ja, die Einwohner bilden sich die Überfüllung nur ein:)

Entschleunigung, Slowfood, sollte die oberste Priorität sein - wir sind nicht im Wettbewerb, wir sollten uns nicht mit Dubrovnik und Barcelona vergleichen, wir sind ein kleines Welterbe, mit ca. 75.000 Einwohnern. Und das nur, weil sich die Bürger/ Familien immer darum gekümmert haben... Wenn diese heute keine Lebens-/Wohnqualität mehr finden, im Alltag beschränkt sind und "Rückzugsräume" brauchen...
Dann werden sich doch viele überlegen:
Wem gehört eigentlich die Stadt... !
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