KLÄRANLAGE - UMWELT - KLIMA 

Wohin mit dem Klärschlamm?

Fraktionsübergreifend setzten sich Verbandsräte von Grünen, ÖDP und SPD für eine klimafreundliche Klärschlammverwertung unter dem Dach des Müllheizkraftwerks Bamberg ein.175s

Ab 2029 gilt das Gebot der Phosphatrückgewinnung

“Jetzt gilt es, die Weichen für die Zukunft richtig zu stellen und Klimaschutz mitzudenken!” Mit diesem Leitsatz überschreiben die Verbandsräte von DIE GRÜNEN, ÖDP und SPD ihre Vorschläge für eine klimafreundliche Klärschlammverwertung. Ziel soll eine gemeinsame Lösung sein, von der sowohl die Stadt Bamberg, als auch der Landkreis profitieren.
Die Zukunft der Klärschlammverwertung muss in der Region Bamberg aufgrund gesetzlicher Vorgaben völlig neu aufgestellt werden, teilen die Akteure in einer Pressemeldung mit. Eine Mitverbrennung im Müllheizkraftwerk (MHKW) Bamberg, wie aktuell von der Kläranlage der Stadt Bamberg praktiziert, oder eine landwirtschaftliche Nutzung als Dünger, wie in vielen Landkreisgemeinden gängige Praxis, ist in naher Zukunft nicht mehr möglich. Für die Bamberger Kläranlage gilt ab 2029 das Gebot der Phosphatrückgewinnung, für die kommunalen Klärschlämme im Landkreis greifen immer striktere Grenzwerte aus der Düngemittelverordnung.
Bis 2023 müssen alle Kläranlagenbetreiber ein Verwertungskonzept für ihre Schlämme vorlegen. Insbesondere die Strategie zur Phosphatrückgewinnung muss darin dargelegt werden. Stadtrat Lucas Büchner (ÖDP) erläutert: „Phosphat ist ein wertvoller Dünger, der in Deutschland nicht als Rohstoff zur Verfügung steht und weltweit endlich ist. Klärschlämme dürfen zukünftig nicht mehr, wie bisher praktiziert, in Kraftwerken wie unserem MHKW mitverbrannt werden, da hier keine Phosphatrückgewinnung möglich ist. Die unmittelbare Nachbarschaft der Bamberger Kläranlage zum MHKW eröffnet aber verschieden Möglichkeiten, bei denen einerseits die Expertise der Fachleute des MHKW, aber auch Synergien bei der Wärme- und Stromerzeugung genutzt werden können.“
Kreisrat Thomas Ochs (Grüne) erklärt die Situation im Landkreis: „Die Klärschlammentsorgung wird für die Gemeinden immer mehr zu einem Riesenproblem. Die Entsorgungskosten steigen kontinuierlich und viele Bürgermeister wissen nicht wohin mit den Schlämmen, brauchen aber bis 2023 eine tragfähige Lösung. Die Suche nach einer gemeinsamen Lösung mit der Stadt Bamberg ist daher ausdrücklich zu begrüßen und der bereits bestehende Zweckverband MHKW die ideale Plattform dafür!“

Im Lichte wichtiger ökologischer Kennzahlen sinnvolle Entscheidungen  treffen

Die Pressemeldung bezieht sich auf die Sitzung des Zweckverbands MHKW am 13.04.2021. Dort wurde eine von der Leitung des MHKW in Auftrag gegebene Studie vorgestellt, in der mehrere Verfahren der Klärschlammverwertung aufgezeigt werden. Für das weitere Vorgehen werden in dieser Studie allerdings nur die Konzeption einer sog. „Monoverbrennung“ am Standort Bamberg und eine Anlage zur Klärschlammtrocknung mit Weiterverarbeitung des getrockneten Klärschlamms in einer weiter entfernten Monoverbrennung (z.B. in Straubing) in den Blick genommen.
„Klimapolitisch ist es Irrsinn den Klärschlamm erst zu trocknen und dann zu verbrennen, ganz abgesehen von den Transportwegen, die dabei anfallen. Dabei werden erhebliche Mengen CO2 emittiert. Alternative Verfahren (Pyrolyse, HTC, etc) bieten hingegen die Möglichkeit, Kohlenstoff im Material dauerhaft (mindestens über Jahrhunderte) zu binden und dadurch klimapositiv zu wirken. Dies wird in vorliegender Studie aber überhaupt nicht berücksichtigt,“ stellt der energiepolitische Sprecher der Stadtratsfraktion “Grünes Bamberg”, Andreas Eichenseher, fest.
Bürgermeister Wolfgang Metzner (SPD) ergänzt: „Die innovativen, klimafreundlichen Verfahren kosten zudem nicht mehr als die reine Verbrennung, bieten aber die Chance, Fördergelder zu akquirieren.“ Bürgermeister Jonas Glüsenlamp (Grüne) verdeutlicht: „Neben den rein wirtschaftlichen Kennzahlen muss bei einem Projekt dieser Größenordnung unbedingt der Klimaschutz bei den Planungen berücksichtigt werden. Aktuell laufen viele Forschungsprojekte zu innovativen und ökologisch sinnvollen Verfahren der
Klärschlammverwertung. Als Stichworte seien hier nur die sog. Pyrolyse oder das HTC-Verfahren erwähnt, bei welchen als Endprodukt ein fertiger Phosphatdünger entsteht. Wichtig ist es, hier eine ergebnisoffene Diskussion zu führen. Ich bin sehr froh, dass die Verbandsversammlung dies in großem Konsens festgestellt hat und die Leitung des MHKW um eine breitere Datenbasis zur Bewertung der Verfahren gebeten hat.“
Abschließend resümieren Ochs, Eichenseher, Büchner und Metzner: „Wir möchten, dass Stadt und Landkreis auch bei der Klärschlammverwertung eine Vorreiterrolle einnehmen und hier regional eine wirklich nachhaltige Lösung gefunden wird. Daher haben wir den fraktionsübergreifenden Antrag initiiert, die Bewertung der verschiedenen Klärschlammverwertungsoptionen um eine CO2-Bilanz, eine sichere Möglichkeit des Phosphor-Recyclings sowie eine kritische ökologische Betrachtung des materiellen Stoffkreislaufs zu ergänzen.“
Der Antrag wurde in der vergangenen Verbandsversammlung einstimmig angenommen. „Es ist wichtig, dass wir umfassende Informationen vorliegen haben, um auch im Lichte wichtiger ökologischer Kennzahlen sinnvolle Entscheidungen für die Zukunft zu treffen“, so die Stadt- und Kreisräte, die sich in der weiteren Diskussion auch Mut und Offenheit für Neues wünschen.
5.5.21 Bilder: Klima-Allinaz Bbg; webzet. Hinweis: Die webzet-blog ist unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! erreichbar. Zu dem Artikel äußern können Sie sich anhand der Kommentarfunktion unten. Die Kommentare werden nach einer Überprüfung gemäß der Richtlinien für Kommentare (s. unten) freigeschaltet.

Kommentare   
+1 # supi 2021-05-06 17:38
Wohin mit dem Klärschlamm?
nach hallstadt ???
Antworten | Dem Administrator melden
Kommentar schreiben