Die Zusammenarbeit zwischen Stadt und Landkreis kann Vorteile bringen. Sie muss aber auch möglich sein. Das erscheint bei einem Zweckverband ÖPNV-Nahverkehr wenig wahrscheinlich.

Verkehrsflüsse zwischen Stadt und Land rechtfertigen einen Zweckverband

Laut einem FT-Bericht vom 2.1.20 denkt man im Rathaus der Stadt und im Landratsamt darüber nach, einen Zweckverband Nahverkehr zu schaffen. Man verweist hier auf die Kooperation in diversen anderen Zweckverbänden, z.B. bei den Gymnasien, den Berufsschulen, der Sparkasse, der Müllverbrennung oder dem Zweckverband Tierkörperverwertung.
Wie sehr das auf die beiden Protagonisten in Landkreis und Stadt, Landrat Johann Kalb (CSU) und OB Andreas Starke (SPD, zurückzuführen ist, konnte aus dem FT-Bericht nicht herausgelesen werden. Nur, dass auch hier das städt. Presseamt die Finger im Spiel hat.
Der Ausbau des ÖPNV ist ein beliebtes Wahlkampfthema, aber in der Umsetzung ein mühsames Geschäft. Und besonders im Verhältnis zwischen Stadt und Landkreis Bamberg gibt es hier einschlägige Erfahrungen.
Zunächst die nackten Zahlen im Verkehrsverhältnis zwischen den möglichen Zweckpartnern. Fast 40.000 Menschen pendeln täglich zur Arbeit nach Bamberg. Laut Daten aus dem Jahr 2018, wohnen fast 24 000 von ihnen im Landkreis Bamberg. Aber auch umgekehrt fließt ein Verkehrsstrom: 12 000 Bamberger/innen fahren zur Arbeit raus aus der Stadt, rd. 4500 davon peilen eine Arbeitsstelle im Landkreis an.
Und das sind nur die arbeitsbedingten Verkehrsströme. Erfasst sind nicht, wenn Landkreis-Bewohner/innen am Wochenende zum Einkauf, Kino- oder Gaststättenbesuch nach Bamberg fahren – oder Städter hinaus zum Essengehen in einer Landkreisgemeinde.
Ein engeres und insbesondere besseres Zusammenwirken der beiden Gebietskörperschaften beim öffentlichen Nahverkehr könnte also durchaus sinnvoll sein.
Aber warum ist es unwahrscheinlich?

Auch das Sinnvolle scheitert nicht selten an Machtansprüchen

Bekanntlich steckt der Teufel oft im Detail, heißt: in der Vertragsgestaltung, Kostenfallen, staatlichen Vorschriften. Im Verhältnis der beiden Bamberger Gebietskörperschaften gibt es bisher ein entscheidendes Hindernis, an dem Zweckverbandsschließungen scheitern: Der Landkreis macht nur mit, wenn das Kräfteverhältnis entweder zu seinen Gunsten oder zumindest nahezu ebenbürtig ist. Das gilt bei bisher allen geschlossenen Zweckverbänden. Vor Jahren ist ein vielleicht sinnvoll erscheinender Zweckverbandsschluss im Gesundheitsbereich gescheitert, weil die Stadt Bamberg mit ihrem Hauptversorgungs-Krankenhaus gegenüber den beiden relativ kleinen Kliniken des Landkreises (Scheßlitz und Burgebrach) das größere Gewicht eingebracht hätte. Der Landkreis wäre wohl der „leichtere“ Partner gewesen. Bei einem Zweckverband ÖPNV wäre die Gewichtsverteilung noch eindeutiger bei der Stadt, weil nur sie einen Verkehrsbetrieb (Stadtwerke) hat und der Landkreis nix. Konkret: Der Landkreis sähe sich nur als Zahler.
Also kann man jetzige Vorstöße von manchen Kommunalpolitikern, heißen sie auch Kalb und Starke, als Effekthascherei abhaken. In der Politik scheitert auch das Sinnvolle nicht selten an Machtansprüchen.
13.1.20 Bilder: WeBZet. Hinweis: Die WeBZet ist unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! erreichbar. Zu dem Artikel äußern können Sie sich anhand der Kommentarfunktion unten. Die Kommentare werden wegen Missbrauchs zurzeit nicht direkt freigeschaltet. Bitte beachten Sie die Richtlinien für Kommentare > linke Spalte unter „Nachträgliche Kommentare“. Impressum und EU-Datenschutzgrundverordnung r. Spalte ganz unten.