Auf einen guten Tag

 
Besser das Leben ist sinnlos, als dass es einen Sinn hat, dem ich nicht zustimmen kann.
Sta
nislaw Jerzy Lec

 

Wie schnell soll die Stadt umsteuern? Das Fahrradfahren in der Stadt soll attraktiver und gefahrloser werden. Andere mahnen, dass es berechtigte Notwendigkeiten für das Autofahren gibt.

Es schwelt ein Grundsatzstreit

Den Fahrradaktivisten geht es nicht schnell genug mit dem Ausbau der Rad-infrastruktur. Sie werfen der Stadt vor, die Umsetzung zu verzögern. Viele Autofahrer führen aus ihrer Sicht berechtigte Interessen ins Feld. Sie weisen darauf hin, dass viele Fahrten in der Stadt, auf dem Weg zum Arbeitsplatz oder zum Arzt unvermeidlich sind. Eine einseitige und zu schnelle Förderung des Radverkehrs wirke hier kontraproduktiv. Zwei Meinungen gegenübergestellt:

Die autogerechte Stadt wird sich ändern müssen

Der Stadtrat hat sich das politische Ziel gesetzt, den Radverkehrsanteil in Bamberg von 30 auf 35 Prozent bis 2025 zu erhöhen.
Die Fahrrad-Aktivisten fordern mehr Raum und mehr Rechte für die Fahrradfahrer – der KfZ-Verkehr müsse insbesondere mehr Raum abgeben. Dabei ist es offensichtlich, dass die Autos immer mehr und immer wuchtiger werden und zwangsläufig mehr Raum beanspruchen. Bamberg mit seiner tausendjährigen Altstadt bleibt aber gleich. Andererseits ist die Zahl der Kraftfahrzeuge seit 2011 um über 4000 angestiegen. 4000 Autos mehr, die über die Straßen rumpeln, die Stellflächen belegen, die Feinstaub und Abgase erzeugen. Welche Möglichkeiten gibt es, das weitere Wachstum der Einwohnerschaft und damit noch mehr Blech zu bremsen?
Richtig, man könnte dem Umweltverbund mehr Platz einräumen. Das Fahren mit dem Bus (ÖPNV) könnte attraktiver gemacht werden; man könnte zu Fuß zu gehen und oder aufs Rad steigen, wie viele es bereits tun. Allerdings wird das ganz ohne Schmerzen nicht gehen. Weil – wie bereits gesagt – das Lebensumfeld nicht größer wird. Es müssen also diejenigen Fortbewegungsarten begünstigt werden, die weniger Fläche brauchen weniger Schaden verursachen. Es wird deshalb nicht vermeidbar sein, die derzeit noch herrschende Bevorzugung des Autos in Frage zu stellen. Das muss und kann möglich sein, weil Menschen sich ändern können. Und das Verkehrsgeschehen hat sich immer geändert. Die autogerechte Stadt wird sich ändern müssen. Auto fahren in Bamberg kann es nur noch geben, wenn es sich nicht vermeiden lässt. 

Das Auto wird uns noch lange erhalten bleiben

Bamberg ist eine attraktive und wachsende Stadt. Mobilität ist wichtig. Mehr Menschen in den Straßen bedeutet aber auch mehr Konflikte. Umso entscheidender wird es in Zukunft sein, gemeinsam diesen öffentlichen Raum, der nicht beliebig vermehrbar ist, für alle gerecht zu gestalten. Überzogenes Auto-Bashing führt hier wenig weiter. Viele fahren nicht ohne Grund mit dem Auto, sind sogar darauf angewiesen: ältere Menschen, die nicht mehr ohne Einschränkungen gehen oder Rad fahren können, Eltern mit kleinen Kindern, Menschen aus Stadt und Land, die zum Arbeitsplatz wollen. Die Agitation der Radaktivisten war wohl nötig, um das Ungleichgewicht zwischen Auto und anderen Verkehrsmitteln bewusst zu machen. Sie haben auch viel erreicht. Stadtverwaltung und Stadtrat setzen im Rahmen ihrer Möglichkeiten viele Forderungen des vor drei Jahren in Gang gesetzten Bürgerbegehrens um. Die „autofreie Stadt“ klingt toll, ist aber faktisch nicht möglich, wollte man nicht das Leben aus der Stadt verbannen. Der Durchgangsverkehr muss raus, Aber ein entsprechender Umbau der Verkehrswege braucht seine Zeit. Es müssen Lösungen her, die es schrittweise möglich machen, zum Beispiel für eine verbesserte Radinfrastruktur die Stellplätze für Autos zu verringern. Die einseitige Bevorzugung des Verkehrsmittels Fahrrad ist dabei nicht zielführend. Das herrschende Gegeneinander im Straßenverkehr wird ansonsten kaum abnehmen. Das Verständnis der Menschen in Bamberger dagegen schon. 
29.1.20 Bilder: WeBZet. Hinweis: Die WeBZet ist unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! erreichbar. Zu dem Artikel äußern können Sie sich anhand der Kommentarfunktion unten. Die Kommentare werden wegen Missbrauchs zurzeit nicht direkt freigeschaltet. Bitte beachten Sie die Richtlinien für Kommentare > rechte Spalte unten.

Kommentare   
+1 # Bergradfahrer 2020-01-29 10:33
Das ewige Mimimi derer, die Angst haben die Stimmen der Autofahrer zu verlieren. Es gibt aber durchaus Städte ähnlicher Größe und Topographie, die ihre Innenstädte für Nichtanwohner komplett gesperrt haben. Diese Kommunen sind weder bankrott gegangen, noch ist jemand daran gestorben.
Warum muss man mit dem Auto bis zum Arbeitsplatz fahren? Worauf gründet sich der absurde Anspruch, seine Kiste dort auch noch kostenfrei und zeitlich unbeschränkt parken zu wollen?
Wieso müssen Eltern mit Kindern mit den zunehmend lieferwagenartigen Gefährten, bis in die Innenstadt fahren?

Taktisch ist der Tanz um die heilige Kuh Auto nicht so klug, dafür erhält man in der Innenstadt unweigerlich die Quittung an der Wahlurne.
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+21 # Alter Schwede 2020-01-29 11:27
# Bergradfahrer: Da will jemand unbedingt anderen seine Meinung aufzwingen. Man sollte und muss es jedem überlassen, welches Verkehrsmittel für ihn das richtige ist. Das ändert nichts daran, daß man schrittweise den Blechverkehr zurückdrängt. Ein so aggressives und völlig einseitiges Vorgehen wie "Bergradfahrer" bewirkt keinen
fruchtbaren Dialog. Insofern ist auch die Postion 2 des Artikels völlig richtig.
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-5 # Bergradfahrer 2020-01-31 08:43
Moing, wo interpretieren Sie da Zwang zur Übernahme meiner Meinung hinein? Die Sperrung der Innenstadt, die stellt eine Art Zwang dar, aber ein solcher ist im Gemeinwesen zum Gemeinwohl auch oft notwendig und stellt keine unbillige Einschränkung dar.

Das wird zwar von narzisstischen Zeitgenossen, von denen sich erstaunlich viele in populistischen Lagern sammeln, oft so empfunden, aber nach denen braucht man sich nicht zu richten.Die wettern ständig und gegen alles als "Zwang", sei es GEZ, Geschwindigkeitsbegrenzungen usw.

@Werner
Sind Sie ein Freund der vulgarischen (sic!) Kultur oder haben Sie Wurzeln dort?
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-9 # Werner 2020-01-30 13:34
Pförds!
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0 # turnpike 2020-02-10 13:06
...es wird in Bamberg tatsächlich umgekehrt gemacht. Anwohner-Parkplätze werden in Touristen Parkplätze umgewandelt, um doppelt zu kassieren. Nach 12 Jahren in der Innenstadt bekommt man mit, wo sich Bamberg-Ausflügler aus ganz Deutschland zum Parken und Campen hinstellen. Die Überlegung Bamberg komplett für Nichtanwohner Autos zu sperren ist durchaus berechtigt und die einzige Möglichkeit!
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+22 # Bamberger 2020-01-29 11:56
"Viele fahren nicht ohne Grund mit dem Auto, sind sogar darauf angewiesen: ältere Menschen, die nicht mehr ohne Einschränkungen gehen oder Rad fahren können, Eltern mit kleinen Kindern, Menschen aus Stadt und Land, die zum Arbeitsplatz wollen."

Also halten wir fest: Keiner kann auf sein Auto verzichten. Thema erledigt.
- ältere Menschen: In den Stadtbussen sieht man zum überwiegenden Teil ältere Menschen
- Eltern mit Kindern: Ich meine keine Bevölkerungsgruppe entfernt sich zur Zeit mehr vom Auto und hin zum Rad als diese Gruppe. Kinderanhänger und Lastenfahrräder führen dazu, dass man auch mit Kindern wunderbar ohne Auto zurecht kommt.
- Pendler: Wozu gibt es P&R?

Eine autofreie Stadt ist nicht möglich?
Wieso machen es dann andere Städte vor, dass es sehr wohl möglich ist? Wieso ignoriert man dies konsequent?

Man kann es sich wirklich sehr einfach machen jegliche Einschränkung des Autoverkehrs zu verhindern. Wenn ich mich an den Schönleinsplatz stelle muss Bamberg fast ausschließlich aus Alten und Kranken bestehen. Vor allem dann aus solchen, die in der Langen Straße trotz Parkverbot parken, aus dem Auto springen über die Straße rennen! um schnell was beim Bäcker zu kaufen...
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+10 # supi 2020-01-29 18:00
nun ob das fahrrad das verkehrsmittel der zukunft sein wird, kann dahin gestellt bleiben, sicher ist nur, das auto wird es zumindest im innerstädtischen bereich nicht sein. in der konsequenz bedeutet dies, anwohner-, lieferanten und öffentlicher personennahverkehr ja, aber ansonsten gehört der innerstädtische bereich für jeden verkehr gesperrt. irgendwann wird sich in diesem zusammenhang auch noch die erkenntnis durchsetzen, dass eine stadt wie bamberg, mittelalterlich geprägt, mit ihren hügeln und gassen, einfach nicht für den autoverkehr geschaffen ist.
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+16 # lenny 2020-01-29 19:45
In dem Artikel gibt es ein paar interessante Zahlen.
2011 hatte Bamberg gerade einmal knapo 70.000 Einwohner, heute knapp 78.000. Seit 2011 haben wir den doppelten Studentenjahrgang bekommen, was zum weiteren Anstieg der Personen die in der Stadt verkehren führt. Weiter sind in dieser Zeit viele Wohnungen aus der Sozialbindung geflogen. Arme ziehen also an den Stadtrand und benötigen nun vll. eher ein Auto als zuvir. die Neubauwohnungen sind so teuer, das Gutverdiener mit Ihren Autos vom Umland in die Stadt ziehen, zugleich schaffen diese ihre Autos ja deswegen nicht gleich ab.

Ich vermute hier einfach einen kausalen Zusammenhang und sehe die 4000 Mehr-Fahrzeuge eher gelassen. Die Zulassungszahl sagt auch nichts über das Nutzungsverhalten.

Viele haben auch ein Fahrrad, nutzen es aber seit 20 Jahren kaum.

Fakt ist, das Bamberg eine sehr kleine Stadt ist und das Zweirad hier für sehr viele eine schnelle und ein kostengünstiges Fortbewegungsmittel sein kann und auch ist. Das Radwegenetz ist völlig unattraktiv , da weder Zusammenhangend noch sicher, noch funktionstüchtig. Von Schlaglöchern bis unüberwindbare Gehsteigkanten, und völlig unzureichenden sicheren Stellplätzen fehlt hier vieles.

Ich verstehe auch keinen einzigen der hier so auf sein Autorecht pocht, denn wo steht denn geschrieben das die Straße und der öffentliche Raum nur den Vorbehalt einer Fahrzeuggruppe und Teilnehmer gehört?!

Wir haben ein Autto für die längeren Strecken, mit meinen Füßen schaffe ich es doch glatt die 500m zum Discounter, auch die lästige Parkplatzsuche und teuren Öffis umgehe ich mit meinem Rad, das spart mir auch das Parkhaus.

Ich verstehe nicht warum man so verbissen ist auf sein sch... Auto, aber es ist auch egal mit was man inzwischen unterwegs ist, der Egoismus und die Gleichgültigkeit siegt inzwischen statt ein vernünftiges Miteinander.

Schade das wir oft nur noch auf Krawal aussind. Man wirds wirklich leid.
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+6 # Baba Yaga 2020-02-01 15:02
Die eigentliche Problematik speist sich aus den Zeitgenossen, die einigermaßen dringend ihren BMI abschmelzen sollten. Und nein, idR sind das n i c h t ältere Menschen oder Kinder (wohl aber: deren Eltern).
Diese Bewegungsarmut ist vielleicht der allergrößte Kistentreiber im allgemeinen Gesundheitswesen. Hier wird ein Lebensstil gepflegt, dessen Folgen die Allgemeinheit ausbadet. Nicht nur in Form verminderter Aufenthaltsqualität, erhöhtem Stresslevel oder Verramschung des öffentlichen Raumes für Blech, bei weitem nicht...
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