Drucken

Radfahrer und die Blechlawine

Wie schnell soll die Stadt umsteuern? Das Fahrradfahren in der Stadt soll attraktiver und gefahrloser werden. Andere mahnen, dass es berechtigte Notwendigkeiten für das Autofahren gibt.

Es schwelt ein Grundsatzstreit

Den Fahrradaktivisten geht es nicht schnell genug mit dem Ausbau der Rad-infrastruktur. Sie werfen der Stadt vor, die Umsetzung zu verzögern. Viele Autofahrer führen aus ihrer Sicht berechtigte Interessen ins Feld. Sie weisen darauf hin, dass viele Fahrten in der Stadt, auf dem Weg zum Arbeitsplatz oder zum Arzt unvermeidlich sind. Eine einseitige und zu schnelle Förderung des Radverkehrs wirke hier kontraproduktiv. Zwei Meinungen gegenübergestellt:

Die autogerechte Stadt wird sich ändern müssen

Der Stadtrat hat sich das politische Ziel gesetzt, den Radverkehrsanteil in Bamberg von 30 auf 35 Prozent bis 2025 zu erhöhen.
Die Fahrrad-Aktivisten fordern mehr Raum und mehr Rechte für die Fahrradfahrer – der KfZ-Verkehr müsse insbesondere mehr Raum abgeben. Dabei ist es offensichtlich, dass die Autos immer mehr und immer wuchtiger werden und zwangsläufig mehr Raum beanspruchen. Bamberg mit seiner tausendjährigen Altstadt bleibt aber gleich. Andererseits ist die Zahl der Kraftfahrzeuge seit 2011 um über 4000 angestiegen. 4000 Autos mehr, die über die Straßen rumpeln, die Stellflächen belegen, die Feinstaub und Abgase erzeugen. Welche Möglichkeiten gibt es, das weitere Wachstum der Einwohnerschaft und damit noch mehr Blech zu bremsen?
Richtig, man könnte dem Umweltverbund mehr Platz einräumen. Das Fahren mit dem Bus (ÖPNV) könnte attraktiver gemacht werden; man könnte zu Fuß zu gehen und oder aufs Rad steigen, wie viele es bereits tun. Allerdings wird das ganz ohne Schmerzen nicht gehen. Weil – wie bereits gesagt – das Lebensumfeld nicht größer wird. Es müssen also diejenigen Fortbewegungsarten begünstigt werden, die weniger Fläche brauchen weniger Schaden verursachen. Es wird deshalb nicht vermeidbar sein, die derzeit noch herrschende Bevorzugung des Autos in Frage zu stellen. Das muss und kann möglich sein, weil Menschen sich ändern können. Und das Verkehrsgeschehen hat sich immer geändert. Die autogerechte Stadt wird sich ändern müssen. Auto fahren in Bamberg kann es nur noch geben, wenn es sich nicht vermeiden lässt. 

Das Auto wird uns noch lange erhalten bleiben

Bamberg ist eine attraktive und wachsende Stadt. Mobilität ist wichtig. Mehr Menschen in den Straßen bedeutet aber auch mehr Konflikte. Umso entscheidender wird es in Zukunft sein, gemeinsam diesen öffentlichen Raum, der nicht beliebig vermehrbar ist, für alle gerecht zu gestalten. Überzogenes Auto-Bashing führt hier wenig weiter. Viele fahren nicht ohne Grund mit dem Auto, sind sogar darauf angewiesen: ältere Menschen, die nicht mehr ohne Einschränkungen gehen oder Rad fahren können, Eltern mit kleinen Kindern, Menschen aus Stadt und Land, die zum Arbeitsplatz wollen. Die Agitation der Radaktivisten war wohl nötig, um das Ungleichgewicht zwischen Auto und anderen Verkehrsmitteln bewusst zu machen. Sie haben auch viel erreicht. Stadtverwaltung und Stadtrat setzen im Rahmen ihrer Möglichkeiten viele Forderungen des vor drei Jahren in Gang gesetzten Bürgerbegehrens um. Die „autofreie Stadt“ klingt toll, ist aber faktisch nicht möglich, wollte man nicht das Leben aus der Stadt verbannen. Der Durchgangsverkehr muss raus, Aber ein entsprechender Umbau der Verkehrswege braucht seine Zeit. Es müssen Lösungen her, die es schrittweise möglich machen, zum Beispiel für eine verbesserte Radinfrastruktur die Stellplätze für Autos zu verringern. Die einseitige Bevorzugung des Verkehrsmittels Fahrrad ist dabei nicht zielführend. Das herrschende Gegeneinander im Straßenverkehr wird ansonsten kaum abnehmen. Das Verständnis der Menschen in Bamberger dagegen schon. 
29.1.20 Bilder: WeBZet. Hinweis: Die WeBZet ist unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! erreichbar. Zu dem Artikel äußern können Sie sich anhand der Kommentarfunktion unten. Die Kommentare werden wegen Missbrauchs zurzeit nicht direkt freigeschaltet. Bitte beachten Sie die Richtlinien für Kommentare > rechte Spalte unten.