Der Umweltverbund wird mit den Füßen getreten

Der Verkehrsclub Deutschland hat zur Verkehrsanbindung des neuen Atriums ausführlich Stellung genommen. Er sieht den motorisierten Individualverkehr sehr deutlich bevorzugt.

Kernantworten der Bauverwaltung auf VCD-Einwände

Es wird eine Überlebensfrage für das neue Atrium sein, wie es verkehrlich angebunden ist. Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) hat die Vorstellungen der Planer kommentiert und dabei festgestellt, dass das Bebauungsplanverfahren „verkehrspolitische Stellungnahmen enthält, die weit über den konkreten Bebauungsplan hinausgehen“. Daraus könne man entnehmen, „wie in der Stadtverwaltung tatsächlich Verkehr geplant wird“. In einer Pressemitteilung geht der Verkehrsclub wesentlich auf die Rolle des geplanten Verkehrsverbundes ein. Er zitiert Kernantworten der Bauverwaltung auf verschiedene VCD-Einwände. Etwa, dass die Ziele des Verkehrsentwicklungsplans im Bebauungsplan nicht berücksichtigt wurden. Antwort: „Der Zielwert von 25 % MIV-Anteil bis 2030 war zu keinem Zeitpunkt Gegenstand der Diskussion. Derzeit steht vorrangig eine leistungsgerechte Abwicklung des MIV (=motorisierter Individualverkehr) im Vordergrund. Um dies nachzuweisen, wurden die Ansätze eher zur sicheren Seite hin gewählt.“ Auf den VCD-Einwand, dass die Verkehrsuntersuchung lediglich die Verkehrsqualität des MIV betrachtet und nicht den Umweltverbund, wird geantwortet: „Angesichts der Beschränktheit des zur Verfügung stehenden Raumes muss zur Berücksichtigung der Ansprüche u. a. der verschiedenen Verkehrsteilnehmer (Fußgänger, Radfahrer, Anlieferungen etc.) ein den Sicherheitsansprüchen genügender Mindestkonsens gefunden werden, weshalb nicht die Maximallösung für einzelne Verkehrsgruppen gefordert werden kann.“

Der Umweltverbund ist eher Teil der Lösung, der MIV ist Teil des Problems

Den VCD-Einwand, dass die Verkehrsqualität für den Umweltverbund an den in der Planung betrachteten Verkehrsknoten nicht berücksichtigt sei, beantwortet die Bauverwaltung: „Der Umweltverbund, also die Kombinationsmöglichkeit von Fahrrad und Bahn, wird am Knotenpunkt Bahnhof durch die Schaffung eines Fahrradhauses in unmittelbarer Nähe im Vergleich zum Ist-Zustand deutlich verbessert.“ Hier offenbaren sich Defizite in der Aussteuerung der Verwaltung durch den Stadtrat, die zu einseitig den MIV im Blick hat und nicht die Ziele der Stadt.“
Der VCD fragt zusammenfassend: „Wie sollen die demokratisch verabschiedeten Ziele des Stadtrats zur Mobilität jemals erreicht werden, wenn sie bei der Bebauungsplanung seitens der städtischen Verwaltung noch nicht mal Gegenstand der Diskussion sind?“ Und: Wie kann in einer Stadt mit knappen Flächen die Mobilität für alle sozial gerecht erreicht werden, wenn gleichzeitig bei Bauvorhaben zuerst die überhöhten Bedarfe des platzintensivsten Verkehrsmittels (MIV) berücksichtigt werden und die Bedarfe des platzsparenden Umweltverbundes erst gar nicht untersucht werden?
Aus Sicht des VCD sprechen die meisten Indizien dafür, dass der Umweltverbund eher Teil der Lösung und der MIV Teil des Problems ist. Dies gilt auch außerhalb der Mobilität, insbesondere im Bereich Klimaschutz. Das ist inzwischen eine weit verbreitete Einsicht – wann kommt sie auch in Bambergs Verwaltung und Stadtrat an?
6.10.20 Bilder: webzet. Hinweis: Die webzet-blog ist unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! erreichbar. Zu dem Artikel äußern können Sie sich anhand der Kommentarfunktion unten. Die Kommentare werden nach einer Überprüfung gemäß der Richtlinien für Kommentare (s. unten) freigeschaltet.