Ein Zeichen, wohin die Reise gehen soll

Zeigt sich am Konflikt um die Lange Straße die Zukunft der Bamberger Verkehrspolitik? Grün-rot möchte die letzten Parkplätze auflösen. Aber gibt es dafür auch eine Mehrheit?

Eine schmalere Fahrbahnbreite für den Autoverkehr

Der Vorstoß eines Bündnisses von Grünen-VOLT-ÖDP und SPD zielt auf eine sofortige und kostenneutrale Aufwertung der Bamberger „Schlüsselstraße“. Dazu soll der Radweg in der Langen Straße auf einer Länge von 100 Metern auf die Straße verlegt, der Fußweg verbreitert werden.
Der Vorschlag soll im November im Mobilitätssenat diskutiert werden und sieht vor, den Richtung Schönleinsplatz fahrenden Radverkehr auf den letzten 100 Metern vom Gehweg auf die Straße zu verlegen. Damit soll den Fußgängern mehr Platz eingeräumt werden. Die Befürworter argumentieren, dass der Querschnitt der Fahrbahn dadurch nicht verringert wird - faktisch aber die Fahrbahnbreite für den Autoverkehr schmäler wird. An der Leistungsfähigkeit der Achse ändere sich durch die Umstrukturierung grundsätzlich nichts, auch wenn beiläufig durch die Maßnahme die letzten Parkplätze in der Langen Straße verschwinden sollen. Es wäre ein Zeichen gesetzt, wohin die Reise gehen soll.

Das treibt den Geschäftsleuten in der Langen Straße die Röte ins Gesicht

Eigentlich haben sich die Befürworter eines Umbaus der Langenstraße in eine Flaniermeile vorgestellt, dass ein Förderprogramm des Bundes den höhengleichen Ausbau der Langen Straße erleichtern könnte. Glaubt man den Zahlen, die zu hören sind, könnte es für den Umbau des innerstädtischen Rings zwischen Schönleins- und Markusplatz einen Zuschuss in Höhe von knapp zwei Mio € geben. Zu wenig! Die Stadt müsste dann selbst mehr als neun Mio € berappen, was auf längere Zeit nicht darstellbar ist. Nicht wegen Corona, sondern besonders deshalb, weil Aufgaben wie Konversion, Bahnausbau, Kitas und Sanierung der Schulen anstehen. Was will man davon streichen, für ein Projekt, das in der Stadt nach wie vor heftig umstritten ist. Allein die Vorstellung, dass es wieder für Jahre eine Dauerbaustelle geben könnte, treibt vielen Geschäftsleuten in der Langen Straße die Röte ins Gesicht. Jahrelang hatte man unter den chaotischen Verkehrsverhältnissen zu leiden gehabt, jetzt wünscht man sich tatsächlich wieder einen ungehinderten Verkehrsfluss vom Schönleins- bis zum Markusplatz.
Der Umbau der Langen Straße nach den Vorstellungen von Grünen-VOLT-ÖDP und SPD wird voraussichtlich auf den Widerstand der anderen Fraktionen stoßen. Die CSU-BA-Fraktion jedenfalls kündigt schon an, einer Auflösung von Parkplätzen in der Langen Straße nicht zuzustimmen. Man verlangt ein Gesamtkonzept, das nicht nur dem Rad- und Fußgängerverkehr entspricht, sondern auch der Süd-Nord-Funktion der Straße im Stadtverkehr sowie den täglich 600 Bussen des städtischen ÖPNV gerecht wird.
Zunächst sollte man vielleicht auch sehen, wie sich die Situation in der Langen Straße nach dem Ende der Baustellen entwickelt. Denn in dem Ziel, die Lange Straße aufzuwerten, sind sich alle einig. Nur wie?
7.10.20 Bilder: webzet; Grünes Bamberg. Hinweis: Die webzet-blog ist unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! erreichbar. Zu dem Artikel äußern können Sie sich anhand der Kommentarfunktion unten. Die Kommentare werden nach einer Überprüfung gemäß der Richtlinien für Kommentare (s. unten) freigeschaltet.