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MOBILITÄT - BÜRGERWILLE

Hinter der grünen Nebelwand

Den ersten ernsthaften Fahrradkonflikt können die Bürger/innen gewinnen. Bei den beabsichtigten Fahrrad-Maßnahmen in der Erlichstraße geht es um die Sache und um Vorgehensweisen.

Bürger/innen fühlen sich von der Stadt überfahren

Der Webzet-Bericht “Droht jetzt ein Fahrradkrieg?” (13.5.21) über die durchgepaukte Fahradtrasse in der Erlichstraße wurde netto fast 1000 mal aufgerufen. Das ist schon was für ein eher nur partiell interessantes Thema. Tatsache ist, dass viele Anwohner der Erlichstraße gegen die geplante Maßnahme Sturm laufen - und das auch in anderen Ecken der Stadt auf Interesse stößt.
Dabei geht es eigentlich nur um die gegenläufige Öffnung einer Einbahnstraße für Radfahrer. Warum laufen die Anwohner dagegen Sturm?
Nachdem, was man so hört und liest, geht es in der Sache darum, dass viele Menschen glauben, wenn in der Erlichstraße dem Bus künftig Radfahrer entgegenkommen, wird es gefährlich. Viele sind auch deshalb sauer, weil sie sich von der Stadt schlichtweg überfahren fühlen. Bereits in der beschließenden Sitzung des Mobilitätssenates am 12.5.21 war deutlich zu spüren, dass dieser Beschluss auf wenig Begeisterung stoßen wird. Auf Kritik und Ablehnung stieß der Vorschlag bei den Fraktionen von CSU/BA und BBB. Numerisch betrachtet die Minderheit, aber mit geübter Rücksichtnahme auf das, was die Anwohner wollen. Das wurde besonders deutlich im vom BBB schriftlich eingebrachten Antrag: “Die Anlieger der Erlichstraße sind zutiefst verärgert, dass die Straße als Gegenradweg ausgewiesen wird, hieß es da. Sämtliche Parkplätze sollen wegfallen, obwohl sie Bestandsschutz haben. Warum werden die Bürger nicht zu einem Gespräch eingeladen? Die vielgerühmte Mitnahme der Bevölkerung in der Mitmachstadt gilt hier anscheinend nicht.”

“Echte Bürgerbeteiligung sieht anders aus“

Diesen von BBB-Chef Norbert Tscherner rhetorisch holprig vorgetragenen Bürgerwillen hat Grünen-Sprecher Christian Hader mit viel Selbstgerechtigkeitssinn niedergemacht. Dazu kam, dass Sitzungsleiter Bgm Glüsenkamp in einer nach der Sitzung verbreiteten Mitteilung des städt. Presseamtes die neue Regelung als Segnung herausgestellt hat. Mit der Bürgerschaft sei alles im Einvernehmen abgesprochen und deshalb gut und richtig. Mag vielleicht sogar so sein. Aber nicht, wenn sich die Menschen übergangen fühlen - gerade nicht von selbsternannten Heilsbringern.
Wie auch immer, die direkt Betroffenen dieses Teilstückes der Erlichstraße fühlen sich von der Stadt weder richtig informiert noch ernsthaft befragt. Für die im weiteren Umfeld wohnenden bedeutet die Maßnahme, dass aufgrund wegfallender und verschobener Parkplätze der Parkdruck in dem Gebiet weiter steigen wird.
In einem FT-Bericht am 14.6. wird unter anderem Wolfgang Grubert vom CSU-Ortsverband Wunderburg zitiert:. „Hier wird nur zur Kenntnis genommen, was in die Pläne passt, echte Bürgerbeteiligung sieht anders aus“. Er findet, dass in der Sitzungsvorlage den Stadträten die Position der Anwohner nicht klar gemacht worden wäre. Neben der CSU und dem Bürgerblock spricht sich auch der zuständige Bürgerverein weiter gegen die Öffnung der Erlichstraße aus.
Bürgermeister Glüsenkamp beruft sich darauf, dass die Maßnahme einem einstimmigen Stadtratsbeschlusses aus dem Jahr 2017 folgt. Ja. Aber neben der Planung am grünen Tisch ist letztlich die Bürgermeinung ausschlaggebend. Ob das die Männer und Frauen hinter der grünen Nebelwand lernen werden (wollen), erscheint wieder ein Stück unwahrscheinlicher.
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16.6.21 Bilder: webzet (Titelbild ist Symbolfoto). Hinweis: Die webzet-blog ist unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! erreichbar. Zu dem Artikel äußern können Sie sich anhand der Kommentarfunktion unten. Die Kommentare werden nach einer Überprüfung gemäß der Richtlinien für Kommentare (s. unten) freigeschaltet.