Erinnerung an brisante Themen. Im Vorfeld des bevorstehenden Kommunal-Wahl 2020 greifen auch FT-Journalisten heikle Themen auf. Aktuelle Frage: Wie lange bleibt das Ankerzentrum?

Im Spätsommer 2015 kam es im Feriensenat zum Show-down

Es war eine harte Auseinandersetzung als es darum ging, was mit den ehem. US-Wohnungen in Bamberg-Ost geschehen soll. Zunächst war aus den Plänen die Siedlung an der Pödeldorfer Straße noch erkennbar, dann plötzlich gelöscht, die Wohnungen wurden als mit Schadstoffen verseucht und abrissreif bezeichnet – und plötzlich sollten sie eine große Zahl Geflüchtete aufnehmen. Nichts mehr mit Wohnungen zur Entlastung der Bamberger Wohnungssituation.
Die Diskussion darüber, ob von den hunderten Wohnungen zumindest bis zu 500 zur Entlastung der Wohnungsnot verfügbar gehalten werden sollen, wurde bald von der Frage verdrängt, wieviel und welche Geflüchtete man für wie lang in der Flynn-Area aufnehmen wolle.
Im Spätsommer 2015 kam es in der Feriensenatssitzung des Stadtrats zum Show-down.
In einem FT-Artikel gestern stellt FT-Chefreporter Michael Wehner nochmals die ehemals brisante Frage: „Hätte die Stadt 2015 nicht ein besseres Ergebnis erzielen können?“ »Bei der Befristung der Bamberger Einrichtung bis Ende 2025 gab es keinen Verhandlungsspielraum«, stellt Bambergs OB klar. Von den noch 2013 gehegten Abrissplänen für die Wohnhäuser, distanziert er sich gegenüber dem FT: »Das ist längst vom Tisch.«“

Es kam zum „Lager der Hoffnungslosigkeit“

Doch Wehner erinnert auch daran, dass es auch Kritiker der vor vier Jahren getroffenen Entscheidungen gibt. Stadtrat Dieter Weinsheimer (BA) betont, in den Ältestenratssitzungen 2015 wiederholt vor einem reinen Abschiebelager gewarnt zu haben. »Natürlich hätte die Stadt zu einer besseren Lösung beitragen können«, glaubt er heute. „Bamberg hat sich von Anfang an als bequemer Verhandlungspartner für den Freistaat erwiesen.«
Gegenüber der WeBZet betont er, dass es damals versucht hat, die Sorgen und Bedenken der Nachbarn ebenso einzubringen wie die Befürchtungen vor einer großen Zahl Geflüchteter, die praktisch nur in einem Zwischenlager auf ihre Abschiebung warteten. OB Starke und seine Helfer machten sich damals für die von der Staatsregierung gewünschte Variante stark und bauten auf diverse Versprechungen der Staatsminister Hermann und Müller. So kam es zum „Lager der Hoffnungslosigkeit“ wie es sich schon nach kurzer Zeit abzeichnete.
2015 haben sich Freistaat und Stadt auf eine maximale Laufzeit der ARE (AEO, heute: Ankereinrichtung) bis Ende 2025 geeinigt. Doch in der Stadt bestehen Zweifel, dass dann wirklich Schluss ist mit der umstrittenen Massenunterkunft. Dabei zeigt der Blick nach Donauwörth, dass es auch viel schneller geht. Wehner verweist in seinem Artikel auf das Ankerzentrum in Schwaben. „In der 18 000-Einwohner-Stadt wird nach langem Tauziehen die dortige Großunterkunft Ende 2019 geschlossen, nachdem es wie das Zentrum in Bamberg im Herbst 2015 in Betrieb genommen worden war.“ Die noch dort lebenden Flüchtlinge sollen in vier anderen Städten in Schwaben untergebracht werden. Für das florierende Donauwörth erfüllt sich damit ein zentrales Versprechen der Stadtpolitik. Es ist der Startschuss zur Entwicklung eines neuen Quartiers auf einem ehem. Kasernengelände.
4.10.19 Bilder: WeBZet. Hinweis: Die WeBZet ist unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! erreichbar. Zu dem Artikel äußern können Sie sich anhand der Kommentarfunktion unten. Die Kommentare werden wegen Missbrauchs zurzeit nicht direkt freigeschaltet. Bitte beachten Sie die Richtlinien für Kommentare > linke Spalte unter „Nachträgliche Kommentare“. Impressum und EU-Datenschutzgrundverordnung r. Spalte ganz unten.