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WOHNEN UND BAUEN

Wohnungspolitik für wen?

Dauerbrenner in Bamberg. Die Preise für Miet- und Eigentumswohnungen werden immer teurer. Bis zu 8000 € pro Quadratmeter Wohnfläche werden mittlerweile in der Altstadt verlangt. 

Wut soll Widerhall finden

Wer sind die Gewinner, wer die Verlierer in einem entfesselten Immobilienmarkt? Wer die Verlierer sind, kann man sich leicht denken. Die Gewinner sind öffentlich nur schwer festzumachen. Es erweist sich dabei auch als wirkungslos, die Profiteure einer ihnen Vorteile verschaffenden Politik zu benennen. Immer wieder wenden sich dennoch “Verlierer” an die webzet-blog, damit zumindest ihre Wut einen Widerhall findet.

Tatsache ist, dass auch in Bamberg die Beliebtheit der Stadt und die Nullzinspolitik der Zentralbank fundamental für die bisweilen hohen Preise für Miet- und Eigentumswohnungen verantwortlich sind. 

Hört man Fachleute, dann bezeichnen diese den Bamberger Mietspiegel als Makulatur. Wer heute den Markt sondiert, stößt bei Neuvermietungen vielfach auf Preisangebote von zehn € pro Quadratmeter und deutlich darüber – kalt versteht sich. Bei größeren Wohnungen und Häusern kommen so schnell 1500 € pro Monat und mehr zusammen. Ein Niveau, das sich auch vom Mietspiegel der Stadt weit entfernt hat. Dabei versprechen Bambergs Politiker/innen schon seit Jahren bezahlbare Wohnungen - vorzugsweise diejenigen, die im Rathaus das Sagen haben. Bei genauem Hinschauen und mit Rückblick auf die vergangenen fünf bis sieben Jahre muss allerdings zwischen dem quantitativen Wohnungsbau und den relativ hohen Neubaumieten unterscheiden. 

Eine unsoziale Politik?

Tatsächlich sind es vor allem die sündhaft teuren Investorenwohnungen, die in Bamberg mittlerweile charakteristisch sind, etwa auf dem Erba-Gelände oder das Edeldomizil “Karree”, das gegenwärtig aus der Verfügungsmasse des ehem. Karmelitenkloster entsteht: 55 Wohnungen, Lofts und Studios mit Quadratmeterpreisen bis zu 8000 €. Auch das  hochgelobte Lagardeprojekt bewirkt Stirnrunzeln, weil das 1100 m² große Grundstück mit über 1,5 Mio € zu Buche schlug. Denn es war die Stadt, die das Grundstück zum Höchstpreis an einen Investor verkauft hat. Die 17 Wohnungen in dem mehrgeschossigen Gebäude sind für mittlerweile auf bis zu 5200 €/m² inklusive Stellplatz und Grunderwerbssteuern zu haben.

Die reale Entwicklung auf dem Neubau-Wohnungsmarkt lässt den Blick auf die wirklich Betroffenen der Bamberger Wohnungspolitik leicht verlieren. Die Suche nach einer “bezahlbaren” Wohnung ist für viele das eigentliche Problem. Dabei wussten die Verantwortlichen schon vor zehn Jahren von explodierenden Immobilienpreisen und von einem angespannten Wohnungsmarkt. Doch die Rathausspitze hat, so scheint es, ein Herz für millionenschwere Investoren, aber nicht für die vielen wohnungssuchenden Familien. Ein bezeichnendes Beispiel: Die ehem. US-Wohnsiedlung in Bamberg-Ost sollte erst klammheimlich abgeräumt werden, dann hat der Oberbürgermeister persönlich zu beweisen versucht, dass die Wohnungen schadstoff-verseucht seien. Schließlich hat er es geschafft, die Wohnungen zunächst für 4500 Geflüchtete zur Verfügung zu stellen. Viele sagten: Dann seien die Wohnungen durch Leerstand oder Abwohnen abbruchreif. Endlich! Dabei hätten In dieser Siedlung am Waldrand mit riesigen Grünflächen und extragroßen Wohnungen hunderte Familien eine erschwingliche Heimat finden können. Die Stadtspitze, der man Kreativität bescheinigen muss, wenn es darum geht, sich selbst zu alimentieren, hat zugesehen, wie aus einer Chance ein quälender Problemfall wurde. Anders kam es in Konversions-Städten wie Bad Kissingen, Kitzingen und Schweinfurt. Dort haben die Kommunen das gesamte US-Gelände in einem Zug gekauft und zur Entlastung ihres Wohnungsmarkts genutzt.

20.2.21 Bilder: webzet (Symbolbild in der Titelleiste). Hinweis: Die webzet-blog ist unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! erreichbar. Zu dem Artikel äußern können Sie sich anhand der Kommentarfunktion unten. Die Kommentare werden nach einer Überprüfung gemäß der Richtlinien für Kommentare (s. unten) freigeschaltet.