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     WOHNUNGSBAU

»Hühnerhaltung« im Schauergebäude?

Auf dem ersten Blick nicht zu sehen: Die großen Ziegelbauten entlang der Nürnberger Straße tragen Bamberger Geschichte in sich. Im “Schauer”-Gebäude sollen jetzt “Mikroappartements” entstehen.

Millionenprojekt bleibt im Genehmigungsverfahren stecken

Vor mehr als hundert Jahren, bevor in einem der Ziegelbauten an der Nürnberger Straße ein riesiges Arsenal für Faschingsartikel angeboten wurde, waren dort die Bamberger Ulanen kaserniert. Das waren die Lanzenreiter, die 1914 eine der letzten großen Kavallerieschlachten der Kriegsgeschichte ausfochten.
Nachdem der Verkauf von Faschingsartikeln im Jahr 2020 eingestellt worden war, gibt es viel Streit um die Zukunft des ehem. Kasernen- und Verkaufsgebäudes. Der Bauherr beabsichtigt das stadtbildprägende Gebäude in ein Studentenwohnheim mit 104 Apartments und Gewerbe umzubauen. Im Keller soll die ehem. Gastronomie weiter betrieben werden und im Erdgeschoss drei Büroeinheiten mit zusammen ca. 450 m² Fläche entstehen. Das ehem. Kasernengebäude mit seiner Ziegelfassade soll dazu aufgestockt und eine verputzte Außendämmung erhalten.

Doch Stadt und Investor finden keinen gemeinsamen Nenner. Das Millionenprojekt ist im Genehmigungsverfahren stecken geblieben. In seiner Sitzung am Mittwoch vergangener Woche nahm der Bausenat lediglich vom aktuellen Sachstand Kenntnis, und der lautet: Zwar ist eine Genehmigung nach Bauordnungsrecht zu erteilen, von dieser darf aber kein Gebrauch gemacht werden, weil die auch erforderliche zweite Genehmigung nach der 2020 erstellten Erhaltungssatzung - für die „Ehemalige Koppenhof- und Holzhofkaserne” - nicht in Aussicht gestellt werden kann.

Innendämmung statt Außendämmung?

Im Sitzungsvotrag der Bauverwaltung werden diverse Befreiungsbegründungen aufgezählt, schließlich heißt es aber: “Jedoch darf von dieser Baugenehmigung dennoch kein Gebrauch gemacht werden. Um das bestehende Gebäude baulich zu verändern, muss zuerst auch die Genehmigung nach der Erhaltungssatzung vorliegen.”
Plakativ geht es bspw. um vom Investor gewünschte Fassade, die eine aus modernem Dämmstoff nachgebildete Pseudo-Klinker-Außenhaut bekommen soll. Die besondere Kritik richtet sich auch darauf, dass die zahlreichen Namen, Monogramme und Divisionszeichen verschwinden würden, die einstige Ulanen-Reiter und später US-Soldaten in das Originalmauerwerk ritzten. Alternativ zur geplanten Außendämmung wäre eine Innendämmung, die aber sehr viel mehr Geld kosten würde. Das lehnt der Bauherr ab.

Überhaupt geht es um sehr viel Geld. Denn jeder Monat Stillstand kostet bei dem fast 60 m langen und 18 m breiten Gebäude Unsummen. Ursprünglich wollte der Investor sogar 164 Studentenappartements einrichten, 60 mehr als jetzt im Genehmigungsverfahren geplant sind.
Mittlerweile soll der Bauherr die Stadt verklagt haben, allerdings ruht das Verfahren vor dem VG Bayreuth derzeit.
In der Bausenatssitzung gab es keine Diskussion zum Thema. Einzig Markus Schäfer (GB) meldete sich zu Wort. Seine Fraktion sei einerseits für Studentenwohnungen, andererseits sehe er es auch so, dass eine Genehmigung nach der Erhaltungssatzung nicht in Aussicht gestellt werden könne. Die geplante Umgestaltung des Gebäudes erinnere ihn zudem eher an “Hühnerhaltung” als an angemessene Appartements.
Ein Senatsmitglied stimmte mit nein.

Geschrieben:  -mdwvBilder v. webzet (Titelbild ist Symbolfoto);

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Michl
Schon weng krank, oder?
Alle wollen das Klima bzw. die Welt retten, aber ein altes - wohl nicht mal denkmalgeschütztes - Gebäude darf wegen ein paar Kritzeleien nicht gedämmt werden...
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Bewertungsbilanz 15.12.22: +6/2-

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der wechselbalg
also solche investoren wünsch mir, die ein objekt erwerben und dann nicht weiter voran kommen, gut auf die stadt bamberg ist halt auch verlass.
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Bewertungsbilanz 15.12.22: +4/0-

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Bergradfahrer
Stopp! Halt!
Wenn wir uns einerseits von der teuflischen Industrie abwenden, aber andererseits die bellizistischen Grünen ihre kriegsverherrlichend e Politik vorantreiben, dann brauchen wir ein Renaissance der Kavallerie. Wie sonst aufrüsten ohne Maschinen und ohne Verbrennungsmotoren?
Da dürfen keine kleinen Studentla in die winzigen Zimmer, sondern da müssen wieder Bamberger Reiter rein. Mein Opa hat da schon eine Kavallerieausbildung genossen, bevor man dann Drahtesel zugewiesen hat, die sich im russischen Matsch aber auch nicht kriegsgeschickwenden d bemerkbar machten.
Ein Wohnheim im Atrium wäre doch eine Idee, da darf man isolieren nach Lust und Laune. An Stelle der dortigen Investoren würde ich in diese Richtung weiter gehen. 350-400€ für 17qm Wohnheim-Appartment legen die Eltern locker hin. Das ist weniger spekulativ und konjnkturabhängig als solche Pseudoluxushotelhinr gespinste.
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Bewertungsbilanz 15.12.22: +13/1-

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