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FINANZ- UND PERSONAL-AFFÄRE

Der Schorsch und seine Überstundenpauschalen

Ein Volltreffer. Schon am vergangenen Wochenende war der Beitrag “Hoch die Hände, Wochenende!” auf der Seite Overnörgelism 2020 zu lesen. Lustig und bitterernst zugleich!

Auch King Andi muss schauen, dass es passt

Die Webzet-blog muss den Hinweis vorausschicken, dass es sich bei Overnörgelism 2020 um eine Kabarett-Seite handelt. Da wird ein Sachverhalt in lustiger Verpackung aufgespießt. Die Webzet hat nicht selbst recherchiert, hält die Vorgangsbeschreibung aber für durchaus glaubwürdig. Und nun geht´s los:
“Da Bamberg Facts nun aufgedeckt hat, dass es sich bei dem ÜberstAndi-Skandal nur um einen Sturm im Wasserglas handelt und die Truppe vom kommunalen Prüfungsverband eher so ein inkompetenter Haufen Andi-hassender CSU-Ultras aus München ist, wollte ich es jetzt genau wissen. Ich hab mir mal einen Fall, der im Bericht ausführlicher dargestellt wird, genauer angesehen.
Leider hab ich eben im Rathaus niemanden mehr erreicht, um mir dabei helfen zu lassen, deshalb muss ich mich mit euch durch den Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes, Zulagen und Entgeltgruppen kämpfen. Denkt halt bisschen mit, ich kann ja nicht alles besser wissen.
Nennen wir ihn Schorsch! Schorsch ist seit vielen Jahren bei der Stadt tätig, erhielt ab 2009 Überstundenpauschalen. Erst 750 €, ab 2011 dann 900 €. Das entspricht – so sagen es die Kontrollettis aus München – ca. 41 Überstunden im Monat. In Deutschland darf man übrigens pro Woche durchschnittlich nur 48 Stunden arbeiten oder so. Alles drüber raus fällt unter Knechtschaft, da muss auch King Andi schauen, dass es passt, sonst steht am Ende wieder irgendeine Staatsanwaltschaft wegen Sklaverei auf der Matte. Also wie man das hinjongliert hat, erschließt sich mir nicht, aber ist auch egal, Schorsch macht’s halt Spaß, da sind wir jetzt mal nicht so.
Jedenfalls ist er so fleißig, dass er 2012 von wohl EG10 auf EG11 hochgruppiert werden sollte. Nachdem da offensichtlich jemand was dagegen hatte, hat man ihm ersatzweise – die sind ja nicht doof – kurzerhand die Überstundenpauschale von 900 € auf 1300 € angehoben. Ja, zack, nicht lang gefackelt, kurzerhand. Innerhalb von zwei Wochen, steht im Bericht. Wer schon mal auf gelbe Säcke gewartet hat, kann eine Geschwindigkeit von zwei Wochen sicher einordnen. Drei Jahre später war Schorsch dann noch fleißiger und man hat die Pauschale auf 1400 € erhöht.
2017, knapp 1,5 Jahre später also, war es endlich soweit! Man hatte ausreichend Gründe zusammengesammelt, um Schorsch endlich nach EG11 höherzugruppieren und die ersatzweise gezahlte Überstundenpauschale wieder zu reduzieren. – Oh. Ne. Ich les grad…. Die 1400 € im Monat wurden weitergezahlt. Aber die wurden doch 2012 nur eingeführt, weil…. Hm. Komisch, oder? Die waren doch nur ersatzweise gezahlt worden, weil man ihn nicht höhergruppieren durfte…

Die Sache mit den vielen Zuschlägen

Achja, ihr habt recht, er hat bestimmt weiterhin massig Überstunden gemacht…. Oh. Ne. Durchschnittlich nur 22 Stunden im Monat. Das hat der Prüfungstrupp auch nachgeschaut. – Hm. – Jaaaa, Danke! Es gibt im öffentlichen Dienst ja Zuschläge! Richtig! - Mit Zuschlägen, dann könnte das hin…. Oh, ne. Die 22 Stunden waren immer zuschlagslos in der Rahmenzeit. – Aber, jetzt hab ich’s! Da steht’s! Wochenendtermine sind nicht dokumentiert. Abendtermine auch nicht. Genau. Darüber kriegt man das bestimmt hin. Ich hab’s mal versucht auszurechnen.
In seiner ursprünglichen EG10 kommt Schorsch, je nach Stufe, im Jahr 2016 auf einen Stundenlohn von etwa 20 bis 27 €s. Bisschen linksrechts am Rechenschieber kommt man für 1400 € Überstundenpauschale auf 50 bis 75 Stunden, die als Überstunden zusätzlich abgeleistet werden müssten. Ich hab ja in der 5. Klasse am Adam-Ries-Wettbewerb teilgenommen, also wenn ich mich nicht verrechnet hab, müsste Schorschi, um auf die 1400 € zu kommen, abzgl. seiner bereits durchschnittlich in der Rahmenzeit geleisteten 22 Stunden noch ungefähr 15 bis 20 Stunden mit 100% Zuschlag abarbeiten. Ist so ein kleiner Dreisatz, aber haut schon hin, oder? Pro Woche sind's quasi dann 40 Stunden + 5 Überstunden + ~5 mit Zuschlag. Ergibt ungefähr 50. Und mehr darf er ja nicht arbeiten, wegen der Nummer mit der Sklaverei.
100% Zuschlag. Was bedeutet das? Also wenn jeden Tag gleichzeitig Weihnachten (Weihnachtszuschlag) und Sonntag (Sonntagszuschlag) wäre, und Schorschi da dann nachts (Nachtzuschlag) Überstunden (Überstundenzuschlag) schiebt, um im staubigen (Staubbelastungszuschlag) Heizungskeller des Rathauses (nicht klimabedingter Hitzeeinwirkungszuschlag) Atommüll (Strahlungsexpositionszuschlag) von links nach rechts zu schichten, kann man locker auf 100% Zuschlag kommen.
Ich denke, Bamberg Facts und so, die haben Recht: Alles nur ein Sturm im Wasserglas!”
> Der Originaltext ist auf Facebook zu finden.
23.1.21 Bilder: webzet. Hinweis: Die webzet-blog ist unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! erreichbar. Zu dem Artikel äußern können Sie sich anhand der Kommentarfunktion unten. Die Kommentare werden nach einer Überprüfung gemäß der Richtlinien für Kommentare (s. unten) freigeschaltet.