RATHAUS-AFFÄREN

Steilvorlage für Starke

Es geht um viel, wenn OB Andreas Starke in der letzten Sitzung des Stadtrats vor der Sommerpause das Wort ergreift. Es geht nicht nur um ihn, sondern um das politische Klima in der Stadt.

Wenn Altprofi Starke antwortet

Der Antrag von Grünes Bamberg, dass Oberbürgermeister Andreas Starke sich erklären soll (> s. Artikel webzet-Blog v. 16.7.21) hat es in sich. Er könnte dazu taugen, dass sich Starke aus seiner misslichen Situation herauswindet und seine Unterstützerfraktionen sich endlich befreien können.
Warum ist das möglich?
Grob gesagt, weil Starke ein Profi ist und viele andere im Bamberger Rathaus Amateure.
Die Fragen der grünen Fraktion in ihrer Pressemitteilung klingen offensiv und aufklärungswillig. Dass vieles davon selbstverständlich ist, braucht man nicht zu kritisieren. Vielmehr, dass die Fragen eine Steilvorlage für Starke zu einem Konter sein können:

Die Kernfrage zum Vorstoß der Grünen lautet deshalb: Was ist denn, wenn Altprofi Starke alles selbstbewusst im Sinne seiner “eigenen Rechtsauffassung” beantwortet? Er Antworten gibt, die gut klingen und auf die Amateuren so schnell nichts einfällt?
Starke wird bemüht sein, viel von den Erfolgen seiner Amtszeit in die Waagschale zu werfen, wenn er die Fragen beantwortet. Er wird den Fragestellern rhetorisch um den Bart gehen und ihnen da recht geben, wo es für ihn wenig Wirkung hat. Die schwerwiegenden Fragen nach der Verantwortung und den personellen Konsequenzen für mehr als hundert als tatsächlich rechtswidrig bezeichnete Fälle von Bonus-Zahlungen wird er parieren. Die großzügigen Zahlungs-Anweisungen werden andere verbockt haben und er wird sich als Wohltäter für seine Leute - nein “unsere” Leute! - geben. Und: Wer weiß, wie man - “ihr!!” - diese Leute noch braucht?

In der Boni-Affäre hat der Bamberger Stadtrat keine Bedeutung mehr

Sollten die Antworten in der Vollsitzung des Stadtrates am 28.7.21 so ausfallen, wie vermutet, dann werden seine Gefolgsleute sofort sagen können, “der Oberbürgermeister hat sich erklärt”. Und was er gesagt hat ist toll, die Sache soll doch endlich erledigt sein. Keinen von uns hat etwas wehgetan. Wir haben ihm alles verziehen. Machen wir halt weiter - so?
Die Grünen werden erklären, sie hätten schon immer gesagt, dass die Zahlungen unrechtmäßig waren. Die SPD wird sich darin bestätigt sehen, dass “ihr OB” alles richtig gemacht hat. Die CSU ist froh, dass die Sache endlich vom Tisch ist. Die Einzelkämpfer können weiter im Hühnerlauf gackern und die von Starke ausgestreuten Leckerlis suchen.
Das könnte alles so sein oder auch nicht. Eine Bedeutung in der Boni-Affäre hat der Bamberger Stadtrat ohnehin nicht mehr. Dabei sind Schwergewichte wie der bayerische Kommunale Prüfungsverband, die Rechtsaufsichtsbehörde Regierung von Oberfranken und ein externes juristisches Gutachten zu dem einhelligen Ergebnis gekommen, dass im Bamberger Rathaus über Jahre hinweg systematisch unrechtmäßig gehandelt wurde. Donnerwetter!
Wie Außenstehende schon bald angenommen hatten, wird die Entscheidung letztlich die zuständige Staatsanwaltschaft treffen. Da ist noch alles offen. Sollte sie pro Starke entscheiden, dann wird der Bamberger Stadtrat seinen Ruf dauerhaft geschädigt haben. Sollte sie gegen Starke entscheiden, dann können sich die Grünen auf ihre Fragestellungen vom 28.7. berufen und sich als “offensiv und aufklärungswillig” erklären. Die SPD wird unterirdisch werden. Die CSU hat mit einer wankelmütigen Haltung in der Sache den vielleicht größten Skandal in der Bamberger Rathaus-Geschichte versemmelt. Sie konnte aus der Affäre weder inhaltliche Perspektiven noch personelle Alternativen entwickeln.
Insgesamt kann es für das politische Klima in einer Stadt kaum schlimmer kommen.
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22.7.21 Bilder: webzet (Titelbild ist Symbolfoto). Hinweis: Die webzet-blog ist unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! erreichbar. Zu dem Artikel äußern können Sie sich anhand der Kommentarfunktion unten. Die Webzet-Blog probiert derzeit wieder, Kommentare direkt freizuschalten. Eine Überprüfung gemäß der Richtlinien für Kommentare (s. unten) erfolgt im Nachhinein.

Kommentare   
+21 # Superbus 2021-07-22 14:30
Ob die Grünen so schlau sind und diese Zusammenhänge erkennen bezweifle ich. Bei Starke habe ich allerdings keine Zweifel. Deswegen liegt der Verdacht nahe, dass sich Drahtzieher beider Fraktionen zusammengetan haben, um diesen ... (geänd. webzet) Stadtrat zu überrumpeln.
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+22 # CFRA2 2021-07-22 16:08
Normalerweise sollte die Stadtspitze und am besten zusammen mit dem gesamte Stadtrat zurücktreten!
Wenn aber unser Boni- und DSGVO-Andy so reagiert, könnten auch nur die Grünen ihre Ankündigung wahr machen und die Zusammenarbeit mit der SPD aufkündigen. Dazu muß aber auch Glüsi zurücktreten!
So hätten wir dann die Change die platzraubenden Fahradbügeln wieder in vernünftige Parkplätze umzuwandeln und den ganzen anderen grünen Zinnober einzustampfen!
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+10 # Eisenbahner 2021-07-22 19:51
Wie man derzeit in Thüringen erleben muß, ist es bei diesen Linksgrünen mit der Demokratie nicht weit her! Hätte mich allerdings auch gewundert, wenn es anders wäre!
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+16 # störbeleuchter 2021-07-22 23:45
Gut geschrieben Herr WEBZETblogger.

Bei dem Schlamassel kann es nur Verlierer geben. Ob Rot, Grün, Schwarz oder den anderen Kasperlfraktionen.
Keiner der Mandatsträger kann glaubhafte Ausreden für den angeblichen Fauxpas erfinden.
Auch nicht für ein 200.000,-- teures Gutachten das bereits alle bekannten Ergebnisse im Endeffekt bloß noch bestätigte.
Einzig und allein kann nur der Oberbürgermeister gewinnen oder total verlieren.
Rhetorisch ist er der einzige von 45 Volksvertretern diese politische Karambolage positiv zu verkaufen.

Der ausgefuchste Andi wird mit all seinen Connections einen Trumpf aus dem Ärmel ziehen, der sich gewaschen hat. Ich prophezeie, er verlässt das Rathaus erhobenen Hauptes.
Wann und wie und warum weiß nur die Glaskugel.
Letztendlich geht es um Pensionsansprüche. Da ergeht oft Gnade vor Recht.
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+13 # Wiggerl 2021-07-23 14:49
Ich bin noch nicht so lange in Bamberg. Aber ich habe bisher eine merkwürdige Erfahrung gemacht. Wiederholt habe ich erlebt, wenn die Rede auf diese WEBZET kam, dann haben manche Leute so reagiert, als wäre der "Gott sei bei uns" im Raum. Ich schau jetzt trotzdem rein und meine, dass man in dieser Stadt froh für diese Publikation sein kann. Ich finde die WEBZET (meistens) echt gut. Über die Stadt habe ich dadurch schon einiges gelernt. Danke!
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+10 # Hildegard W. 2021-07-23 16:37
Die einen fühlen sich immer irgendwie betroffen, z. B. die Starke-Fans. Den meisten sind die Texte aber zu schwierig. Sie habens lieber mit großen Bildern und Belanglosigkeit.
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+18 # gablmann 2021-07-23 00:02
Hey Leute,
wenn mann sieht was Politiker in einer kleinen Stadt wie Bamberg verzapfen, kann man nur erahnen was in München, Berlin oder Brrüssel abgeht.
Eigentlich eine Frechheit - namens: Demokratie....
Wählen kann man bloß noch zwischen Pest und Cholera.
Neudeutsch zwischen Aids und Corona.
Die Qual der Wahl halt...
Nicht wählen ist auch doof. Und jetzt?
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