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Bosch macht Bamberg Sorgen

Bosch zahlt keine Gewerbesteuer. Gewissen Kreisen ist das schon länger bekannt. Für andere gibt es jetzt nähere Informationen - aus der Zeitung. Gibt es einen Grund dafür?

Die deutsche Steuergesetzgebung macht´s möglich

Bisher wurden Informations-Fragmente stets unter dem Siegel der Nichtöffentlichkeit bekanntgegeben. So richtig informiert wurde z.B. auch der Stadtrat nicht. Jetzt erfahren alle aus dem FT gewisse Zusammenhänge. Vielleicht auch bloß deshalb, weil die Gewerbesteuersituation der Stadt Bamberg angesichts einer Niederlage beim Bürgerentscheid für ein Gewerbegebiet Muna irgendwie nachtarockt werden muss.
Seit Jahren macht mit rd. 7700 Mitarbeitern Bambergs größte Firma der Stadt wachsende Sorgen, weil sie mittlerweile keine Gewerbesteuer mehr zahlt. Als Gründe hierfür werden Verluste durch das Photovoltaikgeschäft und bei Investitionen angegeben u.s.w. Das ist aber nur ein Teil der Geschichte; eine bedeutende Rolle spielt ein finanztechnischer Grund: Unternehmen ist es seit der rot-grünen Bundesregierung um die Jahrtausendwende möglich, bei der Steuererklärung Verluste und Investitionen verrechnen zu können. – im Fall Bosch steht deshalb seit rund zehn Jahren unter dem Strich Null-Euro.
Im FT Bamberg (26.11.18) wird Bosch-Sprecherin Claudia Arnold zitiert: „Die zu zahlende Gewerbesteuer errechnet sich aus dem steuerpflichtigen Geschäftsergebnis der Robert Bosch GmbH und seiner inländischen Tochterunternehmen. Das bisherige Ergebnis wurde in den letzten Jahren durch hohe Verluste aus dem Ausstieg aus dem Photovoltaik-Geschäft (ehemaliger Geschäftsbereich Solar Energy) sowie erhebliche Vorleistungen für Zukunftsprojekte negativ belastet.“ (In der Bamberger Tageszeitung wird der Sachverhalt ausführlicher dargelegt.)
Fazit: Macht ein Konzern (irgendwo in der Welt) Verluste, kann er die mit laufenden Gewinnen sowie mit Gewinnen in der Zukunft im Rahmen des Verlustvortrages verrechnen. Das machen natürlich auch andere Unternehmen so, weil es nach der deutschen Steuergesetzgebung möglich ist. Die Betriebe pflegen diese Praxis so lange, bis ein Verlust vollständig verrechnet ist. In Bamberg ist Bosch das bedeutendste Unternehmen, das entsprechend der Steuergesetzgebung derzeit keine Gewerbesteuerzahlungen mehr leistet.

Bosch rechnet auch mit Stellenabbau

Wann es bei Bosch für die Stadt wieder etwas zu holen gibt, steht derzeit in den Sternen. Der Bamberger Großbetrieb macht der Stadt auch deshalb Sorge, weil er einen deutlichen Stellenabbau angekündigt hat. Mit rd. 7700 Beschäftigten ist Bosch derzeit Oberfrankens größter Arbeitgeber. Der Autozulieferer hängt aber stark am Verbrennungsmotor und in großen Teilen auch am Diesel. Die Entwicklung der „Dieselkrise“ wird also Auswirkungen für den Produktionsstandort Bamberg haben. Wie man hört, rechnet man in Werkskreisen damit, dass innerhalb der nächsten zehn Jahre zwei bis zweieinhalb tausend Arbeitsplätze abgebaut werden müssen.
Die Lücke die Bosch schon jetzt bei den Gewerbesteuer-Einnahmen reißt, wird sich vermutlich nie wieder im früher bekannten Rahmen schließen. Bosch war einmal der größte Gewerbesteuer-Zahler der Stadt.
27.11.18 Bilder: WeBZet; . Hinweis: Die WeBZet ist unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! erreichbar. Zu dem Artikel äußern können Sie sich anhand der Kommentarfunktion unten. Die Kommentare werden direkt freigeschaltet. Bitte beachten Sie die Richtlinien für Kommentare. > linke Spalte unter „Nachträgliche Kommentare“. NEU: Umsetzung der neuen EU-Datenschutzgrundverordnung > öffne Impressum l. Spalte ganz unten.