Der verkaufsoffene Sonntag in Bamberg. Diesmal ein Flop, weil er mitten im Sommerloch stattfand und eine Kombination mit dem Blues- und Jazzfestival ein besonderes Problem bewirkte.

Bambergern geht das „Gemöhr“ auf die Nerven

Zu befürchten war er, der Umsatzflop. Offenkundig ist, dass viele potenzielle Kunden auf Ferienreise sind und das Blues- und Jazzfestival für den Einzelhandel erfahrungsgemäß keinen besonderen Kundenstrom bewirkt. Im Gegenteil: Viele Bamberger scheuen die Innen- bzw. Einkaufsstadt, weil ihnen das durch viele auswärtige Besucher plus Touristen bescherte „Gemöhr“ auf die Nerven geht. Sie kaufen lieber woanders ein – besonders in dem Ort, wo mittlerweile Bambergs Citymanager auch seinen Wohnsitz hat. Er hält sich damit mutmaßlich seine Beziehungen zur Politik im Landkreis nachhaltig warm.
Zudem haben es die für den verkaufsoffenen Sonntag Verantwortlichen fertig gebracht, Bamberg an diesem Tag unsichtbar zu teilen. Bei dem verkaufsoffenen Sonntag gestern zeigten sich nicht wenige Menschen irritiert über eine unsichtbare Grenze durch die Einkaufsstadt. So waren zum Beispiel Läden in der Langen Straße geöffnet, während 50 Meter dahinter in den Theatergassen die Händler geschlossen halten mussten. Genauso war es in der Luitpoldstraße zwischen Luitpoldeck und Luitpoldbrücke, jenseits der Unteren Brücke und hinter dem Alten Rathaus. Auch dort blieben am verkaufsoffenen Sonntag die Läden zu. Für den/die unbedarfte/n Kunden/in war das nicht so leicht begreifbar. Nicht wirklich viele wussten, dass man zum Einkaufen am Sonntag einen von der Stadt Bamberg ausgegebenen Lageplan hätte haben sollen, um sich zurecht zu finden. Der Plan nennt die Straßennamen inklusive Hausnummern in deren Bereich verkauft werden durfte - exakt und im Wortsinn peinlich genau auf das Umfeld des Blues- und Jazzfestivals beschränkt.

Sonntags Einkaufen in Bamberg: Muss das sein?

Zu diesem Konzept kam es, weil eine sog. Allianz für den freien Sonntag grundsätzlich und landesweit gegen den verkaufsoffenen Sonntag kämpft. Diese Initiative, in der sich vornehmlich Gewerkschafter und Kirchen zusammengetan haben, stützt sich entscheidend auf ein Urteil des Bundesverfassungsgerichtes, in dem “ausdrücklich rein ökonomische Interessen für einen verkaufsoffenen Sonntag als nicht ausreichend“ bezeichnet werden. Die Allianz kämpft gegen den Verlust des Sonntags als abendländisches Kulturgut - und sieht in einem freien Sonntag ein Merkmal für Lebensqualität. Zudem habe sich das Argument, mit verkaufsoffenen Sonntagen ein Gegengewicht zum prosperierenden Online-Handel zu bilden, als falsch herausgestellt. In verschiedenen Untersuchungen habe sich gezeigt, dass verkaufsoffene Sonntage nicht für mehr Umsatz sorgen, sondern nur zwischen den Wochentagen umverteilen.
So war die Bamberger Innenstadt am Sonntag gut besucht - aber offensichtlich nicht wegen der verkaufsoffenen Geschäfte. Das Blues- und Jazzfestival hatte Einheimische und Touristen gelockt; der Umsatz in den meisten Läden hielt sich nach Augenscheinnahme stark in Grenzen. Dabei hatten etliche Läden ganz einfach geschlossen > Bild r. In bekannter Manier soll (laut FT v. heute) Festivalleiter und Citymanager Klaus Stieringer das diesjährige Blues- & Jazzfestival als das »bisher schönste mit Rekordbeteiligung« gepriesen haben. Für viele stellt sich mittlerweile aber die schlichte Frage: Sonntags Einkaufen in Bamberg: Muss das sein?
12.8.19 Bilder: WeBZet. Hinweis: Die WeBZet ist unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! erreichbar. Zu dem Artikel äußern können Sie sich anhand der Kommentarfunktion unten. Die Kommentare werden wegen Missbrauchs zurzeit nicht direkt freigeschaltet. Bitte beachten Sie die Richtlinien für Kommentare > linke Spalte unter „Nachträgliche Kommentare“. Impressum und EU-Datenschutzgrundverordnung r. Spalte ganz unten.