Stadtmarketing hat in Bamberg ein »Gschmäckle«

Was will die Stadt mit Stadtmarketing erreichen? Gelten nur die Interessen der Wirtschaft oder auch die der Innenstadtbewohner? Im Stadtrat wurde darüber ausgiebig diskutiert.

Das Agieren des Citymanagers wurde ausgeklammert

Folgt man den Darlegungen der beiden Vorsitzenden des Bambergs Stadtmarketing e.V., dann kann dieses in den vergangenen Jahren auf eine beeindruckende Arbeitsbilanz zurückblicken. 1. Vorsitzender Andreas Jakob und 2. Vorsitzender Mathias Baluses berichteten im Finanzsenat des Stadtrates (27.11.) über die verschiedenen Leistungen dieser Bamberger Einrichtung. Demnach soll die Vorzeigeveranstaltung „Bamberg zaubert“ jährlich rund 200 000 Menschen nach Bamberg locken. Jeder Besucher gibt dabei laut Stadtmarketing 26 € aus. Insgesamt habe der Verein jährlich eine Wertschöpfung von 12,8 Mio €. Dagegen erscheint der Zuschuss von 70.000 €/Jahr der Stadt Bamberg wenig. Allerdings stellt sich auch die Frage, warum Stadtmarketing überhaupt noch einen städt. Bezuschussung braucht.
Nach einem beeindruckenden Vortrag von Jakob und Baluses erkannten zwar alle Redner des Senats die Leistungen von Stadtmarketing an – einige bohrende Fragen wurden aber dennoch gestellt. Das war wesentlich auch auf den Antrag der CSU-BA-Fraktion zurückzuführen, in dem solche Fragen bereits schriftlich aufgegriffen worden waren > webzet-Bericht v. 11.10.20. Dabei spielte das umstrittene Agieren von Citymanager Klaus Stieringer eine Rolle. Die beiden Vereinsvorsitzenden klammerten diesen Punkt aber aus. Sie wollten über diesen Punkt nicht sprechen, da er sehr in den politischen Raum reiche. Ihr Credo: »Lassen Sie uns gemeinsam für den Wirtschaftsraum Bamberg kämpfen.«

»Wir wollen Kontrollfunktion ausüben, nicht Pauschalkritik«

In der Debatte lobte der erste Redner Wolfgang Grader, der finanzpolitische Sprecher von Grünes Bamberg, das Wirken von Stadtmarketing. Und das, obgleich sich die Bamberger Grünen (GAL) bisher als harte Kritiker darstellten. Immerhin meinte er: »Die Leistungen von Stadtmarketing sind durchaus beeindruckend, dennoch muss sich der Verein fragen, warum es immer wieder diese kritischen Diskussionen gibt.« Neu war diesmal, dass nicht von den Grünen, sondern von der CSU-BA-Fraktion der Anstoß für die Debatte ausging. Die finanzpolitische Sprecherin der Fraktion, Dr. Ursula Redler, arbeitete die von ihrer Fraktion gestellten Fragen ab. »Wir wissen die Arbeit von Stadtmarketing zu schätzen, wollen aber, dass vor der Entscheidung über künftige Fördergelder in manchen Dingen Klarheit herrscht«, sagte Redler. »Unsere Aufgabe ist, eine Kontrollfunktion auszuüben, nicht aber Pauschalkritik.« Die beiden Stadtmarketing-Vorsitzenden Jakob und Baluses hätten zwar etliche Fragen beantwortet: »einige Teilanträge (wohl zu Stieringer, webzet) aber nicht«. CSU-Fraktionsvorsitzender Peter Neller verlangte eine jährliche Evaluation, die Erarbeitung von Zielvereinbarungen und mehr Transparenz.
Ganz anders SPD-Sprecher Heinz Kuntke. »Stadtmarketing Bamberg ist ein Erfolgsmodell.« Den Förderzuschuss so bisher weiterhin für jeweils drei Jahren zuzusagen, halte er für richtig, »damit Stadtmarketing Planungssicherheit hat«
Eine Art Zusammenfassung gab Linke-Stadtrat Stephan Kettner: »Stadtmerketing hat in Bamberg ein „Gschmäckle“.«
Im Senat war man sich über die Zukunft und Leistung von Stadtmarketing weitgehend einig. Eine Entscheidung über die städtischen Fördergelder wird aber erst im Rahmen der Haushaltsberatungen getroffen.
2.11.20 Bilder: webzet. Hinweis: Die webzet-blog ist unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! erreichbar. Zu dem Artikel äußern können Sie sich anhand der Kommentarfunktion unten. Die Kommentare werden nach einer Überprüfung gemäß der Richtlinien für Kommentare (s. unten) freigeschaltet.