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WIRTSCHAFT - GEWERBEFLÄCHEN

Ein tabuisiertes Thema ist wieder aktuell

Interessieren sich Bürger/innen nur für das Handwerk, wenn sie im Notfall einen Handwerker brauchen? Auch Handwerksbetriebe wandern zusehends aus Bamberg ab.(125)

Mit unkonventionellen und experimentellen Ansätze neue Gewerbeflächen gewinnen

In Bamberg herrscht ein massiver Mangel an unbebauten Grundstücken für eine gewerbliche Nutzung, es droht eine weitere Abwanderung von Bamberger Unternehmen, deshalb müssen dringend Gewerbeflächen auf den Markt gebracht werden.” So lautet das Fazit des Wirtschaftsreferats in seinem ausführlichen Bericht zur Gewerbeflächenbedarf in Bamberg.> vgl. webzet-Vorbericht zur Vollsitzung des Stadtrats am 28.4.21. In der Debatte dieser Sitzung wurde zunächst auch von allen Fraktionen anerkannt, dass es tatsächlich einen Mangel an geeigneten Flächen für die Um- oder Neuansiedlung von Gewerbebetrieben gibt. Im Zuge dieser Feststellung flammten kurzzeitig auch die unterschiedlichen Sichtweisen zum Bürgerentscheid 2018 auf, in dem von einer großen Mehrheit der Bürgerschaft die Ausweisung von Gewerbeflächen im ehem. Militärbereich Muna abgelehnt worden ist.

Für die Stadtratsfraktion Grünes Bamberg meinte zunächst Andreas Eichenseher, dass es »zur Einschätzung des städtischen Potenzials, neuen Unternehmen Räume bzw. Flächen anbieten zu können, eine Darstellung der vorhandenen und potenziellen Flächen braucht. Durch die Darlegung mehrerer künftiger Szenarien für die Gewerbeflächenentwicklung soll eine sinnvolle und datenbasierte Grundlage zur weiteren Diskussion geschaffen werden. Auch durch die Förderung unkonventioneller und experimenteller Ansätze zur Gewinnung neuer Gewerbeflächen sieht Eichenseher großes Entwicklungspotenzial für den Mittelstand, für Start-ups und für die Schaffung von Co-Working-Spaces. Hier könnten etwa Hochbauten, aber auch die brückenartige Überbauung von Verkehrswegen oder Parkplätzen mit gewerblichen Immobilien möglich sein. »Mit neuen Ansätzen lassen sich neue Räume schaffen«, gab sich Eichenseher zuversichtlich.

Verseuchtes Gelände schützen und dafür wertvolle Ackerflächen opfern?

Namens der CSU/BA-Fraktion betonte deren Vorsitzender Peter Neller die Notwendigkeit der Gewerbesteuereinnahmen durch die Stadt, um auch kulturelle und soziale Leistungen weiterhin zu garantieren. Er warnte vor der Möglichkeit, dass die Stadt Hallstadt auf der Fläche des bisherigen Michelinwerkes neue Gewerbeflächen ausweist und bisher in Bamberg ansässige Betriebe dorthin abwandern werden. Neller bekräftigte die Notwendigkeit, dass die Stadt Bamberg auf dem ehem. Militärgelände Muna Gewerbeflächen ausweisen müsse. »Wir sind auch für ein Konzept “grüne Gewerbegebiete”, meinen aber, dass die Ausweisung von 20 ha nur das Mindestmaß sein sollte«. Neller sprach sich gegen die »Zweckentfremdung« von Gärtnerflächen aus. Es sei absurd, verseuchtes Gelände in der Muna schützen zu wollen und wertvolle Ackerflächen zu opfern.

Unterstützung erhielt Neller von Martin Pöhner (FDP), der das Thema Gewerbeflächen seit dem Bürgerentscheid 2018 »tabuisiert« sieht. Aufgrund der sich abzeichnenden Krise der Verbrennungsmotoren in der Autoindustrie müsse man aber Sorge für zukünftige Arbeitsplätze tragen.
Eine besondere Bemerkung machte SPD-Stadtrat Peter Süss zu dem Umstand, dass Handwerksbetriebe aus der Stadt abwandern wollen. Er sagte, dass »für viele Menschen Handwerksbetriebe nur dann interessant sind, wenn ein Handwerker in einem Notfall gebraucht wird«. Süss ist selbst Handwerker.
Der Stadtrat stimmte dem Anträgen der Verwaltung größtenteils zu. Auch der Antrag, Überlegungen für ein zertifiziertes Grünes Gewerbegebiet auf der Muna in der Größenordnung von ca. 20 ha weiter voranzutreiben, wurde angenommen. Der Vorschlag von Neller, hier »mindestens 20 ha« zu schreiben, wurde von der grün-roten Mehrheit abgelehnt. 
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29.4.21 Bilder: webzet (Titelbild ist Symbolfoto). Hinweis: Die webzet-blog ist unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! erreichbar. Zu dem Artikel äußern können Sie sich anhand der Kommentarfunktion unten. Die Kommentare werden nach einer Überprüfung gemäß der Richtlinien für Kommentare (s. unten) freigeschaltet.

Kommentare   
+2 # Hartman FMJ 2021-04-30 08:40
Wenn ein Herr Neller meint, die Muna wieder voll ins Spiel zu bringen, mit seiner "MINDESTENS 20 ha" Forderung, hätten wir uns den ganzen Zirkus 2018 sparen können. Was bringen Abmachungen oder der Konsens - sich auf 20ha und nicht mehr geeinigt zu haben, wenn diese hinterrücks schon wieder unterwandert werden.
Bekommt halt erst mal euren Leerstand unter Kontrolle bzw "an den Mann" - bevor unwiederbringlich abgeholzt wird...
Meine Herrn, das kann doch nicht so schwer sein...
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+4 # Sven K. 2021-04-30 11:53
Da tut jemand so aus, als wäre das so einfach "Leerstand unter Kontrolle" zu bringen. Das Problem ist doch nicht neu und der Druck wird immer größer. Als grgroße zusammenhängende Fläche gibt es nur die westliche Muna. Das "mind. 20 ha" verstehe ich als Ausblick in die Zukunft, als echte Reserve.
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+9 # Bamberger 2021-05-01 09:40
Warum die Fläche, gerade für Handwerksbetriebe, zusammenhängend sein muss, hätte ich gerne mal erläutert. Bringt es Dachdecker Huber etwas wenn neben ihm Kemptner Maier ansässig ist?
Eine zusammenhängende Fläche macht nur dann Sinn, wenn man ein Gewerbegebiet wie den Hafen schaffen möchte. Der Bedarf hierfür ist aber schlicht nicht gegeben.
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+8 # supi 2021-04-30 14:03
nun tatsache ist einmal, dass ein bürgerentscheid nicht ewig wirkt. tatsache ist auch, dss nicht eine bürgerinitiative, welche sich rein zufällig zusammengefunden hat, den ton angibt und die meinungsführerschaft für sich beansprucht. und tatsache ist auch, dass durch seine frühere nutzung das gelände hochgradig verseucht ist, mithin gibt es keinen grund für die stadt bamberg, dieses gelände zu erwerben, welches unter vielen aspekten einfach nicht nutzbar ist. man sollte das gelände sich selbst überlassen, im laufe der zeit wird es die natur richten.
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+9 # Klara 2021-05-01 13:21
Die Bürgerinitiative, die 7.000 Wählerstimmen bei der Petition gegen das Polizeigebäude im Hauptsmoorwald, 13.000 Wählerstimmen beim Bürgerbegehren und 35.000 Wählerstimmen beim Bürgerentscheid bekommen hat, hat deutlich mehr Zuspruch als jeder Stadtrat und sollte unbedingt ein Mitspracherecht haben. Warum sollte ein Wahlergebnis von 75Prozent plötzlich keine Gültigkeit mehr haben?
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+2 # supi 2021-05-01 15:41
weil nach der bayerischen gemeindeordnung die bindungswirkung eines bürgerentscheids zeitlich befristet ist.
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+7 # Hartman FMJ 2021-04-30 14:26
Hmm, ich lese das anders. So in der Art: wir haben uns zwar mit der BI und anderen zusammengesetzt, und uns auf 20ha UND NICHT MEHR geeinigt, davon wollen wir aber jetzt nichts mehr wissen. Wir brauchen MEHR, MEHR und NOCH MEHR...
:sad:
Wie gesagt, wenn solche Brüller kommen, dann hätte man sich das alles sparen können!
Und zum Thema Leerstand:
Ja, es macht Arbeit - und ja, es mag nicht einfach sein. Aber dafür werden die Damen und Herren bezahlt, es ist deren ihr Job solche Lösungen zu finden. Auch für die Natur und die Bürgerschaft!
Da muss halt auch mal die rosarote € & $ Brille hintenanstehen!
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+11 # Sven K. 2021-04-30 15:48
Wenn man sich die Mühe macht und liest, was im Sitzungsbericht der Verwaltung steht, dann wieß man, dass Bamberg in einer schwierigen Lage steckt. Wenn ich andererseits lese, welche Vorschläge Hr. Eichenseher unterbreitet, dann weiß ich, dass diese Leute Phantasten sind. Und: Wer nicht auf einen Arbeitsplatz im Gewerbe angewiesen ist, tut sich ohnehin leicht.
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+9 # GodFather 2021-05-01 18:15
Hier zeigt sich einmal mehr die ganze Malaise der Fehlanreize der Gewerbesteuer. Innerhalb der Citylimits: toll. Außerhalb: Katastrophe. Und offenbar ist man nicht in der Lage der Situation kreativ zu begegnen. Nein, man lässt mit sich machen und geht mal wieder in Konkurrenz zu Hallstadt. Statt sich dessen bewusst zu machen dass man im selben Boot sitzt und den strukturellen Wandel gemeinsam angehen könnte.
Nein, auf Teufel komm raus muss man Gewerbegebiete in die Citylimits pressen und schaut zu dass möglichst Hallstadt keine Neuansiedlung bekommt und das vorhandene Gelände in die Brache geht oder wohlmöglich umgewidmet/saniert oder sonstwas muss.
Rauft euch halt mal zusammen.
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