SCHLACHTHOF

Mit Großkunden Geld verdienen

Extrawurst für Großschlächter Tönnies. Warum muss der Großkonzern im Bamberger Schlachthof weniger zahlen als heimische Metzger? Hohle Sprüche zur “Regionalität”. Es geht um’s Geld.

Großkunde Tönnies sichert die Fixkosten des Schlachthofs

Die vor rd. eineinhalb Jahren ausgesprochenen Warnungen haben sich bewahrheitet: Der Großschlächter Tönnies gibt im Bamberger Schlachthof den Ton an. Niemand schlachtet in Bamberg mehr. So wie zu hören und zu lesen ist, liegt der Preis für Tönnies pro Schwein bei acht bis zwölf € – die hiesigen Metzger sollen rd. 26 € pro Tier berappen müssen. Warum ist das so? Zunächst ist Tönnies mit Abstand Nummer eins auf dem Markt. Dazu muss vll. auch wissen, dass der Konzern wegen schlechter Arbeitsbedingungen immer wieder in der Kritik stand (?)
Im Bamberger Schlachthof bekommt der Marktführer Mengen-Boni. Das begründet sich wesentlich darin, weil der hochtourige Betriebsablauf nur mit den gleichbleibenden Mengen der Schlachttier-Lieferungen aufrecht zu erhalten ist. Grundsätzlich gilt der Bamberger Schlachthof als abhängig von seinem Großkunden – und das wird vermutlich auch weiterhin so sein. Großkunde Tönnies sichert die Fixkosten des Schlachthofs.
Aber mit dieser krassen Benachteiligung der heimischen Metzger?

Versprechen um eine Mehrheit zu erhalten

In der Gründungsakte der Schlachthof GmbH steht das Ziel der Regionalität ganz vorne: die regionalen Metzger stärken, regionale Nahrungsketten erhalten, die regionale Warenströme sichern. Diese Sprüche waren vielleicht auch notwendig, um damals eine Mehrheit im Stadtrat zu erhalten.
Tatsache ist, dass es von Anfang an für den Schlachthof bzw. die Stadt um die “Wirtschaftlichkeit” ging - heißt: Was bleibt für die Stadt “hängen”? Heute stellt sich für die Stadtratsmitglieder die gleiche Frage wie im Jahr 2020 bei der Schaffung der Schlachthof GmbH auch: Mehr Schlachtleistung mit Großkunden und Geld verdienen? Oder: Verkleinern und rote Zahlen schreiben? Wahrscheinlich läuft es darauf hinaus, dass alles so bleiben soll wie es ist.
Interessant bei der Frage ist ein Blick zurück. Anlässlich der Schaffung der Schlachthof-GmbH hat die CSU/BA-Fraktion kritische Fragen gestellt und Widerstand geleistet - die Natur- und Tierschützer von Grünes Bamberg haben mehr oder weniger lautlos das Geschehen hingenommen.
Laut einem FT-Bericht (2.2.22) sagt jetzt Volt-Stadtrat Hans-Günter Brünker: “Es kann nicht sein, dass wir einen Schlachthof haben, der ganz klar einen Fokus auf Regionalität hat und dann die kleinen, regionalen Metzger für die gleiche Leistung deutlich mehr zahlen müssen als ein Großkunde“. Und die Hauptkritikerin in 2020, CSU-BA-Stadträtin Ursula Redler, mahnt wie damals: Diese Grundsatzfragen müssen soweit es möglich ist öffentlich besprochen werden.
Aber so ist es, wenn ein städt. Betrieb zur GmbH gemacht wird: Dann gibt es einen Aufsichtsrat mit Tantiemen aber keine öffentlichen Debatten mehr. Es sei denn, ein Durchstecher …
> Berichte der webzet-blog v. 29.9.2020 Mit schwerem Geschütz und v. 11.11.20 Schlachthof wird GmbH

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Kommentare   
+8 # supi 2022-02-06 19:24
nun wer sich schon mal mit dem GmbH-gesetz beschäftigt hat, vor allem mit der frage weshalb und warum ein kommunaler eigenbetrieb ohne not in eine gmbh umgewandelt wird, kommt schnell zu dem ergebnis, dass dies nur finanzielle gründe hat und sonst nichts, vor allem nichts mit regionalilitätzu tun hat. da haben unsere stadträte so einiges falsch verstanden oder mal wieder wie üblich von nichts eine ahnung gehabt.aber das ist ja nichts neues.
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+5 # Matthias Alt 2022-02-07 07:33
So ist es leider mal wieder dass dem Handwerk Prügel in den Weg gelegt werden, hier die Schlachtkosten.
Den Riesen aber ein lukratives Angebot gemacht wird. Klar braucht man den um den Schlachthof zu erhalten, man braucht ihn als Kunden und nicht als König im Schlachthof. Übrigens hat Regionalität nichts mit einer GmbH zu tun, wie SUPI schon geschrieben hat. Die kleine Menge an Schweinen, die wir noch schlachten, können jederzeit zu dem Dumpingschlachtpreis der dem Global Player gereicht wird an uns weitergegeben werden. Sieht man mal wieder, dass hier die Unterstützung durch den Stadtrat fehlt. Wie stehen die Stadträte Rudel und Kalb zu dem Schlachthof, sind die beiden doch auch im Lebensmittelhandwerk vertreten ?
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+4 # nachdenkerla 2022-02-07 21:47
Rudel war gegen die GmbH, der Kalb war zu feige, um für seine Innungskollegen zu kämpfen.
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+3 # Matthias Alt 2022-02-08 05:41
@nachdenkerla
Da haben Sie Recht. Als Michael Kalb noch Obermeister war, fragte ich ihn auf einer Innungsversammlung, ob er denn die Metzger und Handwerker im Stadtrat vertritt oder die Supermärkte. Es ging damals um die Ansiedlung der Rewe in der Wunderburg. Ich startetet damals eine Unterschriftenaktion von der Gereuth bis zum "Egelsee". Unterstützung von unserem damaligen Obermeister Kalb kam keine. Viele Betriebsinhaber gerade im Umfeld der heutigen Rewe bangten um Ihre Existenz.
So viel zum Einsatz für das Handwerk.
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+3 # supi 2022-02-08 17:02
genau das ist es, genau das trifft das problem. die wunderburg ist oder war gekennzeichnet durch eine vielfältige vor ort geprägte kleinteilige versorgungssituation. das wird durch supermarktketten vernichtet, den grimmer gibts schon nimmer
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