STÄDTISCHE  GMBH    

Wird der Schlachthof geschlachtet?

Meldungen der Stadt Bamberg müssen immer wieder hinterfragt werden. Die PM zum Abtritt des Geschäftsführers nach nur zwei Jahren, hat nur die Spitze eines Eisbergs berührt. Jetzt mehr.

Rechtsformänderung in eine GmbH hat die Situation nicht verbessert

In den vergangenen zwei Jahren war der ehem. städt. Schlachthof immer wieder in die Schlagzeilen geraten - wegen Corona. aber besonders wegen seiner Rechtsformänderung in eine GmbH. Nun geht der Betriebsleiter, zeitgleich wird gefordert, den Fleischbetrieb komplett zu schließen.
Der Bamberger Schlachthof scheint nicht zur Ruhe zu kommen. Wie so oft in heiklen Fällen, hat sich der Chefreporter des FT, Michael Wehner, in die Angelegenheit eingeschaltet (FT, 14.5.22) - und kräftig hingelangt.
Zunächst hat die Stadt Bamberg öffentlich verlautet (s. gestern), dass der bisherige Leiter des Schlachthofs, Jan Werle-Emler, seine Stelle auf eigenen Wunsch zur Verfügung stellt. Er sei zu der Erkenntnis gekommen, dass “sich seine strategischen Vorstellungen für den Schlachthof unter den derzeitigen Rahmenbedingungen nicht verwirklichen ließen", heißt es zur Begründung. Dahinter kann sich viel verbergen.
Ein kurzer Blick zurück: Im Zuge der Umwandlung zur GmbH - die nicht unumstritten war (ist) - haben Stadt und die neue Schlachthausleitung versprochen, bis Juli 2021 eine neue Strategie zu erarbeiten, um die schlechte wirtschaftliche Situation des Schlachthofes zu verbessern. Ein solches Konzept liegt nicht vor. Die Abtrittsbegründung des bisherigen Schlachthofchefs Werle-Emler “unter den derzeitigen Rahmenbedingungen” bekommt damit Inhalt.

Ein entsprechendes Bürgerbegehren angekündigt

Nun muss da schon vorher etwas durchgesickert sein, den die Stadträte Hans-Günter Brünker (Volt) und Jürgen Weichlein (BM) haben fast gleichzeitig mit der PM der Stadt einen Antrag gestellt, nachdem ihrer Meinung nach, der Schlachthofbetrieb geschlossen werden soll. Die hohen Summen, die für den Schlachthof Jahr für Jahr gezahlt würden, könne man dann für andere Investitionen frei machen. Zudem könnte die so freiwerdende Fläche für Wohnen und Gewerbe genutzt werden. Da zwei Einzelkämpfer im Stadtrat zwar kurzfristig Wellen schlagen können, aber in der Regel rasch wieder untergehen, haben die beiden verkündet, dass ein entsprechendes Bürgerbegehren bereits in Arbeit sei. Im FT wird Brünker zitiert: „Wir sind überzeugt, dass der Schlachthof wirtschaftlich keine Zukunft hat.“ Der Schlachthof habe schon vor der Rechtsformänderung Verluste von 2,2 Mio € produziert. Knapp eine Million soll 2021 noch hinzugekommen sein.
Noch gibt es für das Vorpreschen von Brünker und Weichlein keine Unterstützung. Die CSU/BA-Stadtratsfraktion hat zwar die Umgründung zur GmbH von Anfang an skeptisch gesehen und nachhaltig kritisiert, dass “erst im Sommer 2021 eine Strategiediskussion stattfinden” sollte (> webzet-Bablog v. 11.11.20) - die offenbar überhaupt erst in diesem Jahr in die Puschen kam, und ohne die gewünschten Ergebnisse blieb. Laut FT-Bericht ist die CSU/BA-Fraktion derzeit aber nicht bereit, den traditionsreichen Bamberger Schlachthof aufzugeben.
Allerdings: Es sieht tatsächlich so aus, als stecke der Schlachthof in einer schwierigen Lage. Man sollte sich aber nicht zu einer übereilten Notschlachtung hinreißen lassen. 

Geschrieben: mdwvBilder v. webzet (Titelbild ist Symbolfoto);  Webzet unter www.freie-webzet.de aufrufen und speichern!  >  STARTSEITE

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Kommentare   
+17 # Matthias Alt 2022-05-16 12:03
Für die Metzger ist die Idee von Brünker und Weichlein ein Stich in den Rücken. Ihr beiden schadet der gesamten Fleischwirtschaft der Innung Bamberg Stadt und Land. Das heißt, ihr bewirkt dadurch weitere Schließungen von Handwerksbetrieben. Die Preise werden durch den höheren Aufwand, zB. in Erlangen zu schlachten, steigen! Überall wird Regionalität gefordert. Meine beiden Herren, wenn das euer politischer Wille ist, unser Handwerk derart zu beschneiden, dann werde ich alle im Lebensmittelbereich Tätigen aufrufen, euch bei den nächsten Wahlen einen Denkzettel zu verpassen. Mit "alle" meine ich nicht nur unsere Mitarbeiter in den Metzgereien, sondern auch die Mitarbeiter in den Lokalen, Gasthöfen, die regionale Waren bei uns kaufen.

Übrigens, zieht die Verantwortlichen zur Rechenschaft welche durch Fehlinvestitionen Geld verbrannt haben. Das dürfte ja dem Aufsichtsrat der GmbH bekannt sein, um welche Summen, ich kann das hier nicht schreiben, es sich handelt. Die Misswirtschaft von unfähigen Menschen soll nun auf unserem Rücken ausgetragen werden. Hinzufügen möchte ich noch, dass kein Vertreter unserer Innung zu Gesprächen eingeladen wurde! So jetzt mal bitte darüber nachdenken, wenn es möglich ist, was sie hier für einen Unsinn anstoßen.
Mit freundlichem Gruß

Matthias Alt
Fleischermeister
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-1 # Bamberger 2022-05-17 08:32
Wieviel % der geschlachteten Tiere werden denn für Bamberger Metzger geschlachtet und wieviel % für Großbetriebe wie Tönies?
Einen defizitären Betrieb für Externe zu unterhalten, die sich damit die Taschen füllen, ist sicherlich keine besonders gute Verwendung von Steuergeldern.
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