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     MOBILES SCHLACHTEN

Mehr Tierwohl, aber teurer

Für Bamberg ein interessantes Thema. Die offenen Fragen zur Zukunft des Schlachthofs befeuern die Idee, dass nicht das Tier zum Schlachthof, sondern der Schlachthof zum Tier kommen soll.

Mobiles Schlachten auf Bauernhöfen

Die Idee wird bei Geflügelschlachtung seit eineinhalb Jahren angewandt. Von BR24 (5.1.2023) wurde von einem Modellversuch in Rehau im Landkreis Donau-Ries berichtet, bei dem ein kleines Unternehmen mit dem passenden Namen "Raus aus den Federn" ein Schlachtmobil für Geflügel anbietet: Mobile Schlachtung direkt auf dem Bauernhof. Im Prinzip könnte dieses Modell auch für Schweine und Rinder gelten.

Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) soll sich bislang positiv für die Idee ausgesprochen haben, die Schlachtung von Tieren direkt auf den Bauernhöfen statt des stationären Schlachthofes vorzunehmen. Zu den Zeitungen der Funke Mediengruppe hat er gesagt, mit dem mobilen Schlachten "sollen lange Transportwege zu den Schlachthöfen verringert und der Tierschutz verbessert werden." Kleinere Unternehmen oder Start-Ups sollen dafür vom Bundes-Landwirtschafts-Ministerium finanziell gefördert werden.
In dem BR24-Artikel wird ausgeführt, dass bei der mobilen Schlachtung dieselben strengen Hygieneregeln wie in Schlachthöfen gelten. Insgesamt gebe es laut dem Veterinäramt des Landkreises Donau-Ries aber weniger Vorschriften.

Stresswerte der Schweine vor der Schlachtung so niedrig wie auf der Weide

Aktuell dürfte allerdings für die meisten Schweine- und Rinderhalter das mobile Schlachten keine Alternative sein, heißt es in dem Artikel weiter. Nach den aktuellen EU-Regeln dürfen pro Schlachtvorgang höchstens drei Rinder oder sechs Schweine auf einem Bauernhof geschlachtet werden. Schlachten auf dem Bauernhof komme so pauschal teurer als im Schlachthof. Das Bundes-Landwirtschafts-Ministerium will sich “gegebenenfalls dennoch auf EU-Ebene dafür einsetzen, die Regelungen weiter zu flexibilisieren.

Bislang habe es in Bayern einzelne Beispiele für mobiles Schlachten gegeben. So wie der Schlachtanhänger für Freilandschweine eines Unternehmers aus dem niederbayerischen Landkreis Rottal-Inn. Dort konnte 2019 in einer Untersuchung der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität gezeigt werden, dass die Stresswerte der Schweine kurz vor der Schlachtung genauso niedrig sind wie im Ruhezustand auf der Weide.

Wirtschaftlich war die Schlachtung der Schweine auf der Weide für den Unternehmer damals aber noch nicht. Auch weil die Tiere in dem Anhänger auf der Weide nur getötet wurden – die Zerlegung findet in extra gebauten Räumlichkeiten auf dem Hof statt. Aber vielleicht tragen die Pläne von Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir dazu bei, Geschäftsideen zu finden, die genau das schaffen: Mobiles Schlachten tiergerecht und bezahlbar zu machen.

Geschrieben: BR24-mdwvBilder v. webzet (Titelbild ist Symbolfoto); 

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der wechselbalg
ja ja jetzt wird sie wieder propagiert die mobile hausschlachtung, gar als das ultimative non plus ultra. dabei hatten wir das alles schon mal. wie heisst es so schön *vorwärts nimmer, rückwärts immer*
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Bewertungsbilanz 16.01.23: +1 / 1-

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CFRA2
Ich selbst war in jüngsten Jahren (16?) bei einer Hauschlachtung bei der Kati-Bräu in Heckenhof dabei. Erst hab ich die noch lebende Sau gestreichelt. Danach wurde sie mit einem Bolzenschuß getötet, enthaart, aufgebrochen und danach (im Freien) an der Scheunentür zum Zerlegen aufgehängt. Nach der Fleischbeschau habe ich auch fleißig das Fleisch (nach Anleitung) mit kleingeschnippelt.
Und geschmeckt hat es, dann gekocht, hervorragend.
ABER: Dies ist leider alles wegen der EU nicht mehr erlaubt. Es gibt jetzt einen Schlachthofzwang! Und würde es den Bamberger Schlachthof nicht mehr geben, muß jetzt die noch lebende Sau 100te km zu einem anderen gefahren werden und die geschlachteten Teile wieder zurück! Und da wollen die Grünen CO2 einsparen!
Also lasst alles so wie es ist, denn es kann nur schlechter werden.
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Bewertungsbilanz 14.01.23: +13 / 1-

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Bamberger
Der Vorsitzende der Initiative für den Erhalt des Schlachthofes ist ein in Hessen sitzender Fleischhändler, der hierher seine Tiere bringen lässt. Soviel zu kurzen Strecken fürs Schlachten.
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Bewertungsbilanz 14.01.23: +3 / 2-

-1
der wechselbalg
na es ist doch völlig egal woher der vorsitzende der initiative kommt. es geht nur darum denen in der alten seilerei mal zu zeigen wie und wo es lang geht, also der hammer hängt.
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Bewertungsbilanz 18.01.23: +0 / 0-

0
CFRA2
Er weiß halt, welcher Schlachthof besonders gut ist!
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Bewertungsbilanz 15.01.23: +5/ 0-

6
Eisenbahner
Bei dem Bürgerentscheid zum Erhalt der des Hauptsmoorwaldes kamen die meisten PRO Stimmen auch aus aller „Herrenbundesländer“!
So ist das halt heute, im digitalen Zeitalter.
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Bewertungsbilanz 15.01.23: +6 / 2-

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Werner
ich glaub ich spinn...mobiles schlachten! Das ist alter Wein in neuen Schläuchen und nicht anderes als eine dumpfe Wortkreation von einer Praxis, die es schon lange vor dem kleinen Cem gab - es nannte sich Hausschlachtung! Der Metzger kam ein Winterhalbjahr zum Bauern, ebenso der staatlich bestellte Fleischbeschauer und zwei Tage lang war Schlachtfest angesagt, von dem auch die Nachbarn durch das Austragen von frischer Kesselsuppe mit Einlage was hatten.Es wurde fast alles verwertet und nur die Sau geschlachtet, die man auch für die Selbstversorgung benötigte Dann kam die EU und sagte: "des derft ihr fei nimmer". Die Räumlichkeiten hatte eh jeder, der Hausschlachtungen durchführte, ebenso Kessel und bibapo...so neu ist die Idee also nicht, sondern war über Generationen hinweg gelebte Praxis!
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Bewertungsbilanz 16.01.23: +27 / 1-

26
Bergradfahrer
Hausschlachtung, genau. Das war vor Brüsseler Regelungswahn und Lobbydiktat eine gute Sache. Niemand, den ich kenne, ist an Trichinen oder schlechter Wöschd erkrankt oder verendet. Ganz im Gegensatz zu den sich häufenden Produktrückrufen vor allem bei Wurstprodukten. Die Verwertung war auch sehr vollständig, die Tötung nur mit wirklich kurzer und wenig intensiver Stressphase verbunden, und der Metzger kam zu Fuß drei Höfe weiter.
Ich habe meine ersten Kenntnisse in Anatomie als Kleinkind vom Metzger draußen im Hof erhalten, geholfen und habe damit früh gelernt, was es in letzter Konsequenz bedeutet Fleisch essen zu wollen. Ist auch gar nicht so verkehrt, das zu wissen.
Rückblickend ist mein "Gewissen" bei solchen Schlachtungen völlig unbelastet, unsere großen Schlachthöfe und die weiten Transportstrecken hingegen vergällen schon a weng die Kauflust an Produkten aus Großproduktion. So ein Metzger-Revival wäre schon gut sowohl für die Qualität als auch letztlich die Menge konsumierten Fleisches und somit auch des daran hängenden CO2, Gülle usw.
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Bewertungsbilanz 13.01.23: +14 / 1-

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gablmann
@Werner
Super! Genauso ist es und so war es und das war gut so.
Wie schnell sich doch die Ansichten ändern.
Ötzi nimmt plötzlich das Wort "schlachten" in den Mund, Dr. Hofreiter spricht begeistert von "Kampfpanzern".
Offensichtlich haben die Doldis kapiert, dass Ideologien mit der Wahrheit wenig zu tun haben.
Ich belasse es dabei um "geändert von Webzet" zu vermeiden.
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Bewertungsbilanz 13.01.23: +15 / 2-

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