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     WIRTSCHAFT

Ein Jahr Bewährung für den Schlachthof

Eigentlich sollte die Entscheidung über den Schlachthof im Januar 2023 getroffen werden. Jetzt soll erst 2024 entschieden werden - auf der Grundlage eines noch zu entwickelnden Zukunftskonzepts.

„Wir haben einen Plan“

Jetzt kommt es auf ein Jahr auch nicht mehr an. Der Bamberger Schlachthof ist 120 Jahre alt und doch hochmodern. „Wir haben einen Plan“, waren die ersten Worte von Oberbürgermeister Andreas Starke zu Beginn einer Pressekonferenz zur Zukunft des Schlachthofs. Die ursprünglich für Januar 2023 angekündigte Entscheidung über die Zukunft des Schlachthofs soll erst im nächsten Jahr fallen. Bis dahin kann der Bamberger Traditionsbetrieb wieder Tritt fassen - nach den Krisen der vergangenen drei Jahre: Corona, Schweinepest, Ukrainekrieg, Inflation. Kurz vor der Pressekonferenz hatte der Aufsichtsrat der Schlachthof GmbH getagt und der Stadt zwei Aufträge erteilt. OB Starke, der auch Chef des Aufsichtsrats ist, berichtete über den gefassten Plan.

Zusammen mit Starke berichteten auch Wirtschaftsreferent Stefan Goller und der Geschäftsführer der Schlachthof GmbH, Julian Schulz. Im vergangenen Jahr wurden in Bamberg 42.000 Rinder und 288.000 Schweine geschlachtet. Die Geschäftszahlen zeigen nach den schwierigen Jahren 2021 und 2022 wieder nach oben. Es bestehe berechtigte Hoffnung, dass sich die wirtschaftliche Situation wieder dauerhaft stabilisiere. Auf dieser Basis wolle man 2023 den Schlachthof fortführen und die Zeit nutzen, um ein “tragfähiges, seriöses und abgestimmtes Zukunftskonzept zu entwickeln“, wie Starke sagte. So lange dies nicht steht, sollen in dem Betrieb nur zwingende Investitionen in Höhe von rd. 80.000 € vorgenommen werden.

Schlachthof für eine Region im Umkreis von 150 km

Auf sicheren Beinen steht der Schlachthof mit diesem Plan noch nicht. Ob der Schlachthof tatsächlich eine gesicherte Zukunft hat, darauf wollte sich Starke nicht festlegen. Er geht aber davon aus, dass der Stadtrat als Gesellschafter in seiner Vollsitzung am nächsten Mittwoch nicht nur dem „Übergangsjahr 2023“ zustimmt, sondern auch einer 45.000 € teueren Machbarkeitsstudie, mit der alternative Konzepte zum Schlachthof und dem umfassenden 4,5 ha großen Quartier entwickelt werden sollen. Dabei gehe es nicht nur um den Schlachthof an sich, sondern auch um tausende Bauern, Klein- und Kleinstbetriebe in der mit 150 km Radius umrissenen Region. Schlachthof-Geschäftsführer Julian Schulz wies darauf hin, dass alle Tiere - auch die der Großschlachter - aus diesem Bereich kämen und nicht wie manchmal behauptet wird, quer durch die Republik gefahren würden.

Auf Nachfrage räumte Wirtschaftsreferent Stefan Goller ein, dass die Stadt Verbindlichkeiten in Höhe von 2,3 Mio € zurückstellen muss. Auch Zukunftsinvestitionen in Höhe von bis zu vier Mio € seien in den nächsten Jahren erforderlich, sagte Geschäftsführer Schulz. Doch OB Starke zeigte sich zuversichtlich, dass es durch weitere Verhandlungen mit den Großkunden Tönnies und Vion gelingen könnte, auch diese Kosten zu stemmen - wenn der Betrieb erst wieder richtig läuft.

Der Stadtrat als Gesellschafter wird sich nächste Woche mit dem Thema beschäftigen. Ob es wie in den vergangenen Jahren wieder zu (fast) einstimmigen Beschlüssen kommt, kann allerdings bezweifelt werden.

Geschrieben: -mdw; vBilder v. webzet (Titelbild ist Symbolfoto); 

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der wechselbalg
noch ein weiteres jahr, des macht sie fertig in der alten seilerei, erba usw und wo sie noch sind die neuen grün-alternativen wohnviertel, gscheit recht, halt nicht geguckt
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CFRA2
Wenn es in der letzten Zeit Probleme, wie: "Corona, Schweinepest, Ukrainekrieg, Inflation" gab, gibt es sicher irgendeine finanzielle Hilfe von Staat oder EU. Dies sollte erst mal abgeklärt werden.
Daß die neuen Nachbarn (Erba-Gelände) nicht wußten, wo sie hinziehen bzw. investieren, ist deren alleinige Schuld. Auf diese braucht man keine Rücksicht nehmen.
Ich jedenfalls möchte den Schlachthof nicht missen, denn dort kann man noch günstig frisches Fleisch, ohne lange Transportwege (Tierwohl und CO2) einkaufen.
Wer diesen abschaffen will, wird dann nur noch in Massen industriell abgepacktes Fleisch in den Supermarktregalen bekommen. Nicht mit mir!
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Bamberger
"Dabei gehe es nicht nur um den Schlachthof an sich, sondern auch um tausende Bauern, Klein- und Kleinstbetriebe in der mit 150 km Radius umrissenen Region."

Ich verstehe das schon richtig. Die Stadt soll den Schlachthof mit 1 Mio. EUR bezuschussen. Profitieren tun davon Bauern. Wie viele der Bauern sitzen in der Stadt? Wieso bezuschusst nicht der Landkreis dann den Schlachthof?

150km Radius ist übrigens: Wolnzach hinter Ingolstadt, Frankfurt, Zwickau.

Ja, nicht ganz durch die Republik. Aber man deckt mit einem Radius von 150km ein Gebiet ab, das 70.000km² hat. Eine Fläche fast so groß wie Österreich.
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