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„Protestzug gegen Massenlager“

Wer die Anlage kennt, insbesondere die ehem. US- Wohnhäuser, der staunt über geäußerte Kritikpunkte. Am Wochenende war wieder ein Protestzug gegen das Bamberger Ankerzentrum unterwegs.

Die ehem. amerikanische Flynn-Area galt einst als Mustersiedlung

„Protestzug gegen Massenlager“ lautete die Schlagzeile im FT (10.9.18): Berichtet wurde über den Demonstrationszug und über die angebliche Situation in der Anlage. 

Noch vor drei Jahren galt die ehem. amerik. Flynn-Area als Mustersiedlung. Großzügige Grünanlagen, Riesen-Kinderspielplätze und geräumige Wohnungen 1a-in Schuss. Etliche Bamberger hatten sich die Wohnungen angesehen und erkannten, das wären gut geeignete Wohnungen auch für einheimische Familien mit Kindern. Es kam anders. Erst versuchte die „Stadtspitze“ die Wohnanlage gleich aus der Planung zu streichen und als mit Schadstoffen verseucht darzustellen. Nachdem diese Absicht erfolglos geblieben war, bot sich die Gelegenheit, die Häuser dem Freistaat Bayern für eine Flüchtlingsunterkunft anzubieten. Zunächst sollten bis zu 4.500 Geflüchtete untergebracht werden, später einigte man sich auf Druck aus der Bevölkerung - seitens der Stadt - maximal 1500 Menschen zu akzeptieren.

Erst ARE, dann AEO, jetzt Ankerzentrum

Was einstmals ARE und AEO hieß, heißt nun Anker-Zentrum. Für die Menschen im Flüchtlingslager änderte sich dadurch wenig. Was blieb, waren die Klagen über die angeblichen Verhältnisse in der Einrichtung: Die Menschen würden dort auf engstem Raum leben. Türen lassen sich nicht verschließen. Aus Angst vor Abschiebungen könne man nicht schlafen, was zu Retraumatisierungen führe. Durch die Sicherheitskräfte vor Ort käme es immer wieder zu Übergriffen. In Bamberg sei die Gewalt besonders systematisch (FT-Bericht).
Im Bamberger Stadtrat wird regelmäßig über die Situation im Ankerzentrum berichtet. Die verschiedenen Fraktionen nehmen mehr oder weniger die Möglichkeit wahr, entsprechende Fragen zu stellen. Geantwortet wird in der Regel von Vertretern der Behörden und Organisationen, die Einblick in die Anlage haben. Dass dort nicht alles so ist, wie es sich z.B. die Demonstranten des jüngsten Protestzuges wünschen oder vorstellen, bestätigt sich immer wieder. Andererseits wird der Einsatz der deutschen Ordnungs- und Hilfsorganisationen als insgesamt richtig empfunden, zumal sich die – auch jetzt wieder geäußerten - Kritikpunkte zum Teil als nicht , zum Teil als wenig berechtigt erweisen.
Eine Demonstration ist ein Grundrecht und bedarf auch keiner inhaltlichen Begründung. Dies ist gut so und Teil des Rechtsstaats. Sie kann nur in engen Grenzen verboten oder eingeschränkt werden, soweit dies zur Abwehr von Gefahren für die öffentliche Sicherheit oder Ordnung erforderlich ist. Unmittelbar Beeinträchtigte können das aber anders sehen: In Bamberg-Ost gilt das z.B. für die Nachbarn und Weganrainer, die auch über das Ankerzentrum nicht glücklich sind. Ihren Wohnbereich zum Aufmarschgebiet zu machen, macht die Situation nicht besser.
11.9.18 Bilder: WeBZet. Hinweis: Die WeBZet ist unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! erreichbar. Zu dem Artikel äußern können Sie sich anhand der Kommentarfunktion unten. Die Kommentare werden direkt freigeschaltet. Bitte beachten Sie die Richtlinien für Kommentare. > linke Spalte unter „Nachträgliche Kommentare“. NEU: Umsetzung der neuen EU-Datenschutzgrundverordnung > öffne Impressum l. Spalte ganz unten.