Bamberg will Moria-Flüchtlinge aufnehmen

Wenn es um Appelle an die Weltgerechtigkeit geht, dann nimmt sich der neue Stadtrat besonders viel Zeit. Dabei ist man sich inhaltlich oft weitgehend einig.    

                  Es kann sich um 0 bis 5 Geflüchtete handeln

Schon im Juli vergangenen Jahres hat die Vollsitzung des Stadtrats den "Bamberger Appell zur Aufnahme von aus Seenot geretteten Menschen aus dem Mittelmeerraum" beschlossen. Auf dieser Basis hätte eigentlich die Stadtverwaltung von sich aus die Aufnahme eines Anteils von Flüchtlingen von den griechischen Inseln erklären können. Es wären ja auch nicht so viele, wenn es z.B. um einen angemessenen Anteil von 139 Menschen geht, die auf die aufnahmebereiten deutschen Städte verteilt werden sollen. Aber dann hätte es nicht weiterer Reden im Bamberger Stadtrat gebraucht, die manchen Rednern besonders wichtig sind. Zum Thema ist das durchaus verständlich, aber es ist eigentlich nicht Aufgabe der Institution, für die diese Redner gewählt worden sind. Da sollte man sich für andere Themen Zeit nehmen und die Meinungsbekundungen an die Weltöffentlichkeit den Basisorganisationen vor Ort überlassen. Im Bamberger Stadtrat sieht es derzeit aber anders aus.

"Bamberger und Bambergerinnen nehmt selbst Flüchtlinge auf!"

Auf einem Antrag von BaLi und „Die Partei“ hin, schrieb die Stadtverwaltung zunächst eine ordentlich lange Antwort, was ihr nicht bei allen Antragsthemen möglich erscheint. Die Kernaussagen waren dafür nicht so überraschend: „Die Stadt Bamberg bekennt sich zu ihrer lokalen Verantwortung in einem vereinten Europa und befürwortet die Aufnahme von Flüchtlingen im Rahmen der aktuellen Situation. Der Oberbürgermeister wird beauftragt, der Regierung von Oberfranken und der bayerischen Staatsregierung den Aufnahmewillen im Rahmen des gefassten Stadtratsbeschlusses zu bekunden.
Damit sollte es eigentlich gewesen sein.
Wenn nicht die Bekundungen gegenüber der Weltöffentlichkeit so zwingend wären. Redner aller Fraktionen und Organisationen meldeten sich zu Wort. »Bamberg hat Platz«, und man wolle dem Willen der Stadt für humanes Handeln Ausdruck geben und bekräftigen, sagten die Sprecher/innen von Grünes Bamberg, SPD, Volt und der Linken. Bekannt voluminöse Reden hielten der Antragsteller Heinrich Schwimmbeck und SPD-Fraktionssprecher Klaus Stieringer. Der Antrag wäre sicher schon vorher durchgegangen, der BaLi-Redner musste halt nochmals wortreich erläutern. Da langte Klaus Stieringer schon anders zu. Sein Aufruf an die Bamberger Bevölkerung, Menschen aus dem abgebrannten Lager Moria auf der griechischen Insel Samos aufzunehmen.
Diese Feuerrede veranlasste Norbert Tscherner (BBB) zu der Aufforderung, nicht nur Appelle zu formulieren, sondern selbst die Brieftasche aufzumachen und zu helfen. „Dann ziehe ich den Hut.“ Der zur Abstimmung stehende Antrag wurde auch von der CSU-BA unterstützt. Fraktionschef Peter Neller wies allerdings darauf hin, dass die Verteilung der Flüchtlinge in Deutschland nicht Sache der Kommunen ist. »Dieser Beschluss schadet nicht, man kann ihm nicht widersprechen, aber effektiv bewirken wird er auch nichts.«
Dagegen stimmten die BBB-Fraktion und die AfD.
1.10.20 Bilder: webzet. Hinweis: Die webzet-blog ist unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! erreichbar. Zu dem Artikel äußern können Sie sich anhand der Kommentarfunktion unten. Die Kommentare werden nach einer Überprüfung gemäß der Richtlinien für Kommentare (s. unten) freigeschaltet.

Kommentare   
+21 # Eisenbahner 2020-10-02 08:01
Gut, zu SEDPDSDie Linke Schwimmbeck schreibe ich jetzt nichts, obwohl es ja sein Ex-Parteivorsitzender anders sieht!
Zu Stieringer, soll er doch selbst mit gutem Beispiel vorangehen!
Weil es gerade so schön passt: er möchte wohl in diesem Fall das St. Florians Prinzip anwenden!
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+19 # Mireille 2020-10-02 11:20
Also Entschuldigung, wenn ich das jetzt so direkt sage! Wer hier so laut herumschreit, sollte mit gutem Beispiel vorangehen! Und eine gute Brandversicherung haben. Das wäre doch mal ein Zeichen für die Leute, dass die Politiker auch hinter dem Mist stehen, den sie verzapfen. Selber wollen sie nämlich nichts dafür tun. Das ist aber nur meine persönliche Meinung.
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+26 # Patrickus 2020-10-02 12:18
Die von Ideologie gedrängten Gedanken lassen sich leicht hinausposaunen, bei Sachaufgaben wie Bau-, Finanz-, Kultur- und vielen anderen Fragen müsste man meist hart arbeiten. Aber diese Schnapsnasen sind halt gewählt worden!
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-30 # Ecker 2020-10-02 12:48
Es sind Artikel wie diese, die mich zunehmend an der webzet zweifeln lassen: Der Artikel kommt auf den ersten Blick recht nüchtern und objektiv daher, aber wenn man zwischen den Zeilen liest, dann fällt die abfällige Haltung gegenüber dem berichteten Vorgang schon ziemlich deutlich auf.

Was ist denn jetzt genau so falsch daran, dass man sich im Stadtrat größtenteils einig ist und warum sollte man sich nicht auch mit entsprechenden Redebeiträgen erklären dürfen?

Ja, es gibt sicher auch viele andere Themen, denen man gerne auch so viel Zeit widmen darf. Trotzdem ist das kein guter Grund auf einem Beschluss so herumzureiten. Schließlich kann man auch stolz darauf sein, dass sich eine Stadt ihrer Verantwortung in der Welt bewusst wird.

Stattdessen greift der Artikel in die rhetorische Schublade und betitelt die Reden als "bekannt voluminös", "nochmals wortreich", "Feuerrede" und dass man "anders zugelangt" hätte - was die Thematik fast ins Lächerliche zieht.

Ob das Absicht ist, oder nicht spielt fast schon keine Rolle. Klar ist allerdings, was das für Meinungen erzeugen wird. Dafür langt auch schon der Blick in die Kommentare, in denen man "eine gute Brandversicherung" wünscht.
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+15 # supi 2020-10-02 16:51
was gibt es an dem beitrag auszusetzen ? er spiegelt nur die realität wieder, will heissen, im gremium sitzen viele die sonst nicht den mund aufbekommen, gar die zähne auseinander kriegen, aber ab und an zur höchstform auflaufen wollen, sich an ihrer eigenen rede selbst begeistern, für galerie und schaufenster gross aufsprechen, bei genauem hinsehen aber leider nur heisse luft produzieren, wären sie nur sonst so agil
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-16 # Humsera 2020-10-03 10:36
Sie haben vollkommen recht!
Es häufen sich die mehr als geschmacklosen Beiträge.
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-29 # Bergradfahrer 2020-10-03 12:12
Stimmt, a weng eklig ist das schon.Vor allen Dingen ja nur durch reine Xenophobie erklärbar.
Das Gelaber um das Geld. Gerade so als machten ein paar Leute das Kraut noch Fett. Es wurde in einer Überreaktion die komplette Volkswirtschaft mit Vollgas gegen die Wand gefahren. Dagegen sind die Kosten für ein paar Flüchtlinge doch gar nix. Die fielen früher wirtschaftlich nicht ins Gewicht und jetzt erst recht nimmer.
Warum und in welche Richtung hier agitiert wird, bleibt interessant zu beobachten.
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+21 # merci 2020-10-02 14:02
Interessant ist ja auch, dass die Grünen eine namentliche Abstimmung verlangt haben. Wahrscheinlich um später die Gegner des Antrags diffamieren und verächtlich machen zu können. Hoffentlich erinnern sich die anderen Fraktionen bei einer passenden Abstimmung daran und zahlen es den Grünen mit gleicher Münze zurück.

Aber ein Gutes hat die namentliche Abstimmung dann ja doch, denn jetzt weiß man, wem genau zusätzliche Flüchtlinge zu verdanken wären und wer alle anfallenden Rechnungen übernehmen darf. Hoffentlich stehen die Antragssteller und die Befürworter dann auch zu Ihrer Verantwortung und tragen die Konsequenzen, statt sie auf die Öffentlichkeit abzuwälzen. Ich erinnere hier nur an die vielen persönlichen Flüchtlingsbürgschaften, für deren Kosten dann der Steuerzahler statt der Bürgen aufkommen durfte.
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-3 # supi 2020-10-02 19:11
ja ja so hat jedes ding seine gute und seine schlechte seite
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+24 # CFRA2 2020-10-02 17:04
Da "es ... sich um 0 bis 5 Geflüchtete handeln" kann tendiere ich eher für 0 (Null). Denn wenn Bamberg dieses Zeichen in die Welt heraus sendet, daß wir jemanden, nur weil es wo gebrannt hat, aufnehmen werden, ist dies doch nur eine Aufforderung noch mehr Flüchtlingslager, auch selbst, anzuzünden
Das rot-rot-grün alles versucht um uns zu schaden ist ja bekannt, aber das "Die Partei" dafür stimmt, sollte diesen doch zu erkennen geben, das dies doch reine Satire ist!
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+10 # Ines 2020-10-06 18:14
Soll doch der Herr Stieringer auch persönlich Fluechtinge in sein Haus aufnehmen. Wenn man große Töne spucken kann.
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+4 # supi 2020-10-07 17:45
nun diejenigen die immer am lautesten schreien, bringen eigentlich gar nichts zu wege, dies gilt auch für besagten hochtöner und insoweit läuft es natürlich schlecht für dich um nicht zu sagen sehr dumm, der schreit zwar, aber wenns drauf ankommt, sollst du sie aufnehmen und auch noch kostenmässig aufkommen, denn mit diversen steuersparmodellen kannst halt net mithalten.
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