ANKERZENTRUM

Nicht in Stein gemeißelt!?

Man muss sich darum kümmern. Die Flüchtlingseinrichtung (AEO) in Bamberg-Ost soll im Jahr 2025 aufgelöst sein/werden. Neuerdings hört man aus München: Das sei nicht in Stein gemeißelt.

Wer weiß, wie sich die Flüchtlingsströme weiter entwickeln

In der ehem. US-Flynn-Siedlung mit ihren 25 (!) großen Wohnblocks hat die US-Regierung in den Jahrzehnten vor 2014 für ihre Soldaten 402 Wohnungen mit einer Größe von 84 bis 103 Quadratmetern errichtet und unterhalten. Derzeit wird ein Teil davon von den Bewohnern der Aufnahmeeinrichtung Oberfranken (AEO) genutzt. Laut einer Vereinbarung, die Stadt und Freistaat Ende 2015 getroffen haben, soll Ende 2025 endgültig Schluss mit der AEO sein.

Doch mittlerweile machen sich Zweifel breit. Schon in einer Sitzung des städt. Konversionssenats 2017 wurde gesagt, dass man spätestens „2023/2024 einen Pflocken reinrammen” und zumindest eine Planung erstellen müsse.
Passiert ist seitdem nichts. Obgleich man sich nicht Zeit bis zum letzten Drücker lassen sollte. Vor wenigen Wochen waren die Stadtrats-Mitglieder Karin Einwag, Ursula Sowa (beide Grünes Bamberg) und Stefan Kuhn (CSU/BA) nach München gefahren, um mit Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) über die Zukunft der AEO zu sprechen. Laut FT (v. 24.2.21) soll dabei Herrmann gesagt haben: Die Auflösung 2025 sei nicht in Stein gemeißelt. Als Begründung gab der Minister an, man könne nicht wissen, wie sich die Flüchtlingsströme weiter entwickeln würden.

Klar erkennbare Ansätze einer Gut- und Böse-Diskussion

Wie kommt eigentlich der Minister zu so einer Aussage? Zunächst erscheint sie real, weil wirklich niemand weiß, wie sich - vielleicht urplötzlich aufgrund eines bisher schwelenden Konflikts - wieder viele Menschen auf den Weg nach Europa/Deutschland machen. Das ist eine Sache der “großen Politik”. Eine Sache der Stadt Bamberg ist es zurückzublicken, wie denn die Verhandlungen vor gut fünf Jahren gelaufen sind. Zwangsläufig haben der damals in Bamberg anwesende Innenminister Herrmann und die damalige Sozialministerin Emilia Müller mitbekommen, wie kritische Worte aus der benachbarten Bürgerschaft und im Bamberger Stadtrat abgebügelt worden sind. Keine demokratisch-bürgerorientierte Diskussion, sondern schon klar erkennbare Ansätze einer Gut- und Böse-Diskussion. Der Eindruck der Minister/in musste sein, die Bamberger können es gar nicht erwarten, den Zuschlag für die Aufnahme- und Rückführung-Einrichtung zu bekommen (damals ARE genannt). Alternativen konnten in der öffentlichen Sitzung nicht mal angesprochen werden.

Freilich ist es nicht gut, wenn jetzt oder in vier Jahren die Staatsregierung erkennen lässt, dass die Bamberger Einrichtung entgegen der Absprache nicht geschlossen wird. Aber in der Politik wird oft anders abgewogen. Da zählt die Macht des Faktischen. Was auch 2015 von Skeptikern schon gesagt wurde: Diese Einrichtung ist für die Staatsregierung einfach schwer zu ersetzen. Andere Städte werden sich mit Händen und Füßen dagegen wehren. Es sei falsch gewesen “Hurra” zu rufen und gleich 4500 (!) Geflüchtete "zur Vorsortierung" aufzunehmen. Die Stadt Bamberg hätte ihren Beitrag zur Flüchtlingskrise - so wie andere Städte - auch anders leisten können. Von 1500 Flüchtlingen mit einigermaßen absehbaren Status war ursprünglich die Rede.

Jetzt ist es ähnlich. Wenn es aus Bamberg keinen entschlossenen Widerstand gibt, wenn keine Alternativen erarbeitet werden, dann droht die AEO noch lange Zeit in der Stadt zu bleiben. Dabei hätte die Wohnsiedlung Flynn-Area ein Segen für viele Bamberger/innen sein können.
8.3.21 Bilder: webzet (Bild der Titelleiste ist Symbolfoto). Hinweis: Die webzet-blog ist unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! erreichbar. Zu dem Artikel äußern können Sie sich anhand der Kommentarfunktion unten. Die Kommentare werden nach einer Überprüfung gemäß der Richtlinien für Kommentare (s. unten) freigeschaltet.

Kommentare   
+28 # Hartman FMJ 2021-03-08 12:18
Fähnchen im Wind.
Soll das wohl das 2. Zirndorf werden?
Was das bedeutet wissen wir alle.
Ich finde es nur zum :-x :-x :-x
wenn Absprachen nicht eingehalten werden.
Wie viele sollen noch nach Deutschland kommen, bzw. hier landen? Die blockieren doch auf ewig alles!!!
Antworten | Dem Administrator melden
+19 # supi 2021-03-08 15:42
Die blockieren doch auf ewig alles!!!

was den bamberger wohnungsmarkt anbelangt, ist das gewollt.
Antworten | Dem Administrator melden
+52 # Alfred E. Neumann 2021-03-08 16:43
Eine typisch Bamberger Tragödie.

Die Bürgerschaft wurde vor 2015 für blöd verkauft - die Wohnblocks seien schadstoffbelastet. Dass bis eben noch amerikanische Familien darin wohnten, interessierte niemand. Dass kurz darauf Flüchtlinge dort untergebracht wurden, ebensowenig. Achja, und Bundespolizisten.

Da hat sich die Stadtspitze wohl etwas verzockt bei dem Ansinnen, den Preis drücken zu wollen. Plötzlich hatte der Bund Verwendung für die Gebäudlichkeiten.

Minister Herrmann freut sich sicherlich bei jedem Besuch in Bamberg, wenn ihm die Rettungsringe mit den Bannern "sicherer Hafen" entgegen wehen. Argumentativ kann man ihm gar nicht besser in die Hände spielen. Wieso sollte eine Stadt, die sich damit rühmt, mehr Flüchtlinge als nötig aufzunehmen (auch an so prominenter wie kostspieliger Stelle wie der ehemaligen Jugendherberge Wolfsschlucht) plötzlich eine Kehrtwende ihrer Politik vollziehen?

Wie schon mehrfach hier angemerkt, spielen die Insassen der AEO in der Lebenswirklichkeit derer, die immer mehr Flüchtlinge aufnehmen wollen offensichtlich keine übergeordnete Rolle.

Wer wie die Anwohner im Bamberger Osten oder an den Hauptverkehrsachsen in die Stadt täglich die Freude vieler Begegnungsmöglichkeiten hat, kann seinen Horizont gehörig erweitern.

Ich für meinen Teil weiß, wo ich Drogen kaufen könnte. Ich weiß auch, dass zwar alle Fußballplätze gesperrt sind, aber ich kann trotzdem jeden Tag bei ausgiebigen Spielen mit Tagesfreizeit gesegneter Erwachsener zuschauen. Dort gewinne ich auch einen Eindruck, wieso die Zahl der Corona Infektionen nicht zurück geht.

Und nein, das hat nichts mit der Sprachbarriere zu tun. Handys, Kleidung, Drogen und Geld finden auch ihren Weg über die Sprachbarriere.

Bamberg zahlt einen noch viel höheren als den offensichtlich erkennbaren Preis für seine "Gastfreundschaft".

Damit muss Schluss sein. Jetzt.
Antworten | Dem Administrator melden
+24 # gablmann 2021-03-08 19:13
Tja, saudumm gelaufen.
Warnungen und kritische Stimmen wurden nicht ernst genommen sondern - ja fast - als rechtsorientierte Äußerungen gewertet. Nichts gegen Gutmenschen und humanitäre Hilfe, trotzdem haben die Stadtspitze und die meisten Stadträte ohne Weitblick gehandelt.
Die Eröffnung der Sandkerwa war damals wohl wichtiger.

Und noch saudümmer ist die Tatsache, dass es sich um eine Vereinbarung zwischen dem Freistaat und der Stadt Bamberg handelt. Kein Vertrag- bloß eine Vereinbarung!!!
Den Unterschied hätte ein OB als Volljurist und Formulierungskünstler erkennen und verhindern müssen.

Verkauft hat er den Deal wie einen 6er im Lotto.

So naiv wie der Bay. Innenminister manchmal rüberkommt, blöd ist er nicht wie man sieht.
Die "Vereinbarungsgestalter" haben sich ordentlich verarschen lassen (wollen?).
Und jetzt? Jetzt mucken die GRÜNEN auf die am lautesten Juhu riefen. Frau Sowa macht a weng auf MDL-pimperlawichtig, hat aber unter Söder und Herrmann gar nichts zu melden. Darum war wohl Herr Kuhn als CSU-ler dabei, als Audienzgarantie.

Jetzt ham mer den Salat.
Antworten | Dem Administrator melden
+31 # Korbinian 2021-03-08 21:02
Auf alle Fälle gut, wenn Bamberger Stadträte über den tellerrand schauen und nicht nur Skandale aussitzen. Mit Sowa, Kuhn und Einwag war die Stadt doch gut repräsentiert in München: Kuhn als Türöffner, Sowa als die Weltverbesserin und Einwag als Bürgervertreterin, die mit der Bürgerinitiative das Polizeigebäude im Hauptsmoorwald verhindert hat. War ja damals schon beschlossen von Starke und Herrmann und die BI hat dann in München protestiert und Herrmann hat nachgegeben. Vielleicht geht es mit der AEO genauso.
Antworten | Dem Administrator melden
+7 # gablmann 2021-03-08 22:25
Träum weiter Korbinian.
"Mit Sowa, Kuhn und Einwag war die Stadt doch gut repräsentiert ..." (Hihi)
An Pfeiferdeckel bewirken Stadträte aus Bamberg im Maximilianeum, in der Zeitung stehts halt. Mehr nicht.

Da muss schon der OberKappo selbst hinfahren - und was da rauskommt steht oben schon.
Der 2. Ex CSU- Bürgermeister konnte wenigstens noch behaupten dass er Einfluß in München hat.

Auch Pfeiferdeckel: Das war die "lange" Leine vom OB. Der Master of Desaster.
Antworten | Dem Administrator melden
+24 # Alfred E. Neumann 2021-03-09 09:40
@gablmann

Wie Korbinian schon schreibt - bereits die BI "Hauptsmoorwald" hat mit Besuchen in München etwas bewirkt.

Wichtig ist doch, dass sich jemand für die Belange der Bamberger einsetzt. Auch derer, die im Osten wohnen.

Ich bin froh, dass neben dem ganzen "Fahrrad" und "wir sperren die Innenstadt" auch tatsächlich konstruktive Sachpolitik gemacht wird. Und das noch über die Parteigrenzen hinweg.
Antworten | Dem Administrator melden
0 # supi 2021-03-09 16:21
die BI hat mit besuchen in münchen gar nichts bewirkt, die kann nicht mal bei grün gerade über den zebrastreifen laufen. bewirkt hat der bamberger bürger per bürgerentscheid etwas und den irrsinn mit gewerbeflächen gestoppt.
Antworten | Dem Administrator melden
+17 # gablmann 2021-03-09 17:00
ok Herr Alfred E. Neumann,
so kann man das auch betrachten, seh ich ein.
Ohne die drei Stadträte wäre das ja auch nicht öffentlich geäußert worden. (Whistleblower quasi...) ;-)
Die Oberen werden es bestimmt gewußt haben.
Das Schlimmste ist aber, dass man sich nicht mehr auf eine (schriftliche) Zusage verlassen kann. Noch dazu von einem christsozialen Herrn Minister.
Wer Charakter hat dem genügt ein Handschlag und die Sache ist geritzt. Naja, früher war halt alles besser :sad:
Antworten | Dem Administrator melden
+25 # merci 2021-03-09 09:45
Das im Jahr 2025 Schluss ist mit dem Ankerzentrum hat doch von der Bevölkerung sowieso niemand geglaubt. Da wusste doch jeder, dass diese Vereinbarung nicht das Papier wert ist, auf dem sie geschrieben steht. (Gibt es überhaupt was schriftliches?) Das sollte doch nur die Bevölkerung und ggf. den Stadtrat ruhig stellen. Naiv wer daran geglaubt hat.
Mittlerweile wären ja in Bamberg schon viele Menschen einverstanden, wenn zumindest eine Reduzierung auf 1000 Plätze erfolgt und die frei werdenden Wohnungen, Flächen und Infrastruktur für die Bevölkerung bereitgestellt und sinnvoll genutzt werden könnten. Aber der Zug ist ohnehin abgefahren. Alles was das Ankerzentrum freigeben würde, würde ohne Umschweife sofort die Bundespolizei einziehen, belegen und somit der Bevölkerung vorenthalten. Die Bundespolizei ist bei Flächenfreigaben für die Bamberger Bevölkerung sogar noch schlimmer und uneinsichtiger als die Betreiber des Ankerzentrums! (z. B. Verbindungsweg zum Golfplatz, Bolz- und Spielplatz Kastanienstraße)
Man kann mittlerweile fast nur noch resignieren vor soviel Unfähigkeit und Ignoranz bei allen handelnden Beteiligten. Aber die Hauptschuld trägt OB Starke, dicht gefolgt von der damaligen Stadtratsmehrheit. (Ist eigentlich irgendwo definiert, dass die Abkürzung OB für Oberbürgermeister verwendet wird oder kann das auch für Oberbetrüger stehen? Würde ja gut passen.)
Antworten | Dem Administrator melden
+26 # cunningham 2021-03-09 13:59
Na klar bleibt die AEO dauerhaft in Bamberg. :-)
Unser OB hat diesen Lottogewinn mit viel Mühe an Land gezogen. Die Stadtspitze bekräftigt außerdem immer wieder, dass wir viel Platz haben, und Bamberg ein sicherer Hafen für alle Flüchtlinge dieser Welt ist. Also: Hoffentlich kommen noch viele Zehntausend mehr, dass die Stadt schön bunt bleibt.
Antworten | Dem Administrator melden
+22 # Eisenbahner 2021-03-09 17:20
Vor allem im Hain müsste Platz sein, da gibt ja viele von der #ichbinhier und #wirhabenplatz Fraktion. Die haben zwar keine Parkplätze, wie wir seit der Moscheesache wissen, aber das dürfte mit der Klientel aus dem Ankerzentrum ja kein Problem sein!
Antworten | Dem Administrator melden
Kommentar schreiben