CORONA / SICHERHEIT

Die Polizei soll´s richten

Brennpunkt Untere Brücke. Auch nach einer langen Debatte konnte der Stadtrat sich nicht zu eigenem Handeln durchringen. OB und Bürgermeister fanden keine Mehrheit.

Brücke an zehn Tagen zwischen 17 und 23 Uhr sperren

Stefanie W. kam zu ihren Eltern und erzählte, dass sie gerade an der Unteren Brücke vorbeigekommen sei und dort viele junge Leute sah, die ohne Rücksicht auf Abstand und Maske feierten. Sie frage sich, warum sie eigentlich noch eine Maske tragen soll, wenn sie durch die Schutzbereiche der Stadt gehe.
Diese Betrachtung und Verärgerung anderer über das Treiben auf der Unteren Brücke in Bamberg ist in der Stadtratsdebatte einer Mehrheit offensichtlich entgangen. Aus ihren Reden konnte man mehr die Sorge entnehmen, dass die Feiernden sich gegenseitig mit Corona ansteckten. Wenngleich die gleichen Redner (ohne -in) bekräftigten, dass die Ansteckungsgefahr im Freien noch am wenigsten besteht - und deshalb das Treiben an den diversen Orten der Stadt nicht ...
Oberbürgermeister Andreas Starke und sein Bgm Jonas Glüsenkamp warben dafür, der Empfehlung des Corona-Krisenstabes zu folgen und die Untere Brücke über Pfingsten für zehn Tage zwischen 17 und 23 Uhr konsequent zu sperren. Alle anderen Maßnahmen seien bisher erfolglos geblieben, im Gegenteil, die Ordnungs- und Hilfskräfte seien Pöbeleien und Tätlichkeiten ausgesetzt. Es müsse ein Zeichen gesetzt werden.

»Eine Sperrung ist das falsche Signal an die jungen Menschen«

Stadtrat Michael Schmidt von Grünes Bamberg bestätigte als Nachbar zur Unteren BRücke das Fehlverhalten der Feiernden. Allerdings sei das kein neues Phänomen. Andererseits hätte er es nicht für möglich gehalten, dass »mitten in der Welterbe-Stadt eine No go-Area geben soll«. Die Leute würden dann halt auf andere Plätze ausweichen. Schmidt fragte, ob dann nicht auch andere Orte »wie Schulhöfe oder Schulbusse« gesperrt werden müssten. Statt mit Sicherheitsdiensten, sollte das Problem mit Mediatoren gelöst werden. Er plädierte dafür, den Vorschlag der Verwaltung abzulehnen.
Anders Peter Neller, der Vorsitzende der CSU/BA-Fraktion. Aus seiner Sicht sei das Verhalten der Gesetzesbrecher ein No go. Sie setzten damit ein negatives Zeichen für die Stadtgesellschaft, besonders für die Menschen, die sich an die Regeln halten bzw. halten wollen. Neller erinnerte, dass der Oberbürgermeister aufgezählt habe, welche anderen Maßnahmen man schon versucht habe. »Mit einem Meditationszirkel wird man uns auslachen«. Seine Fraktion stimme dem Ansinnen des Krisenstabs zu, sei aber auch zu sinnvollen Kompromissen bereit.
Namens der SPD-Fraktion erklärte Fraktionsvorsitzender Klaus Stieringer, dem Verwaltungsvorschlag nicht zu folgen. »Eine Sperrung ist das falsche Signal an die jungen Menschen« betonte Stieringer. »Man sollte Sozialarbeiter einsetzen, bevor man Polizei schickt«, meinte Stieringer. Ein Vertreter des Jugendamts im Krisenstab wäre angebracht.
Ein Untergangsszenario der Demokratie malte BBB-Vorsitzender Norbert Tscherner, um dann aber gegen den Verwaltungsvorschlag zu stimmen.
FDP-Stadtrat Martin Pöhner versuchte, wie andere Redner auch, Kompromissideen einzubringen, die aber später wie andere auch, keinen Widerhall fanden.
Bgm Jona Glüsenkamp versuchte nochmals die Situation und die Notwendigkeit der Sperrmaßnahme zu erklären: »Es muss sicht- und spürbar werden, dass Regelverstöße nicht akzeptiert werden.«
OB Starke schlug eine Sitzungsunterbrechung vor, die dann rd. 20 Min. dauerte. Zusammen mit den Fraktionsvorsitzenden sollte eine Lösung gefunden werden. Ein Konsens war aber offensichtlich nicht möglich. Starke schlug in seiner Eigenschaft als Ratsvorsitzender und Verwaltungschef schließlich vor, nur am Pfingstwochenende zu sperren. Danach soll unverzüglich mit dem Ältestenrat und Polizeivertretern das Ergebnis besprochen werden. Er stellte den Antrag, »der Stadtrat empfiehlt der Verwaltung die erforderlichen Maßnahmen zu treffen.« Der Vorschlag wurde wesentlich von der grün-roten Mehrheit abgelehnt.

So bleibt die Problembewältigung weiterhin der Polizei überlassen.
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Kommentare   
+25 # cityman 2021-05-20 17:56
Ja, im Freien ist die Ansteckungsgefahr nicht so hoch, aber nur mit bekannten Sicherheitsabstand, und der wird auf der Unteren Brücke nicht eingehalten. Man sitzt Schulter an Schulter, umarmt sich usw. Ist das Provokation? Mensch, da haben Andi und Glüsi mal übereinstimmend Recht, macht rot-grün nicht mit. Die sollten sich mal ein persönliches Bild machen und mit den Brücknern einen saufen, ABER OHNE MASKE UND ABSTAND. Dann schauen mer mal.
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+13 # CFRA2 2021-05-21 06:12
Daß die Grünen nichts gegen ihre eigene, dort sitzende, Wählerklientel unternehmen werden, war ja klar.
Und für alle anderen hätte sich dann der Eindruck der ewigen "Verbots-" Partei nur noch verstärkt.
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+13 # ThoMü 2021-05-21 11:43
Diejenigen, die die Aufgabe jetzt wieder der Polizei überlassen sind oft die ersten, die dann vom Polizeistaat plärren.
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+1 # Alex 2021-05-24 10:37
Gab es da nicht mal eine Partei, welche die Abschaffung der Polizei forderte ? Wie hieß dich doch gleich wieder ? Irgendwas mit G...
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+20 # cunningham 2021-05-21 13:35
Hier werden alle Prinzipien der Rechtsstaatlichkeit aufgegeben.

Wenn ich alleine ohne Maske durch die Stadt laufe, wird das mit einem Regelsatz von 250€ geahndet.
Auf der unteren Brücke wird weder Abstand noch Maskenpflicht beachtet. Dieser Zustand besteht mittlerweile seit Wochen (!), und wird von den Verantwortlichen bewusst ignoriert. Stieringers Vorschlag, sich dem Ganzen mit Sozialarbeitern zu nähern, ist peinlich. Die Stadtspitze handelt hier bewusst grob fahrlässig. Der Leiter Ordnungsamt bzw. der OB hätten schon vor Wochen wirksame Sofortmaßnahmen ergreifen müssen. Ein Beschluss des Stadtrates wäre wegen Gefahr im Verzug überhaupt nicht notwendig gewesen. Dieses Stadtrats-Palaver ist lächerlich.
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+11 # supi 2021-05-21 14:44
aber rumlabern tun sie doch gerne, ist eigentlich das einzige, was sie perfekt beherrschen und ansonsten immer schön schlau daher reden, aber die verantwortung anderen zuschieben.
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+22 # Klara 2021-05-21 14:45
Sozialarbeiter zur Durchsetzung von Gesetzen? Die können dann nachts um 2 den Gesprächsstab herumreichen und ergebnisoffen mit den Pandemieignoranten auf der Brücke diskutieren, ob man sich an Gesetze hält oder sich eher nicht so danach fühlt. Wenn ich die webzet richtig verstanden habe, gab es auch ein paar Vernünftige von Rot-Grün. Immerhin.
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-27 # Bergradfahrer 2021-05-21 16:13
Passiert doch nix, lasst doch endlich mal die Menschen in Ruhe!
Es stört allein der Müll, ansonsten passiert absolut gar nichts.
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+12 # cityman 2021-05-21 18:41
Muss denn erst was passieren? Schon mal was von sinnvoller Vorbeugung gehört? Gerade die ist in der jetzigen Coronazeit bewiesener Maßen das A und O. Wenn was passiert ist, geht es mit der Notbremse wieder los und das trifft dann auch wieder die Vernünftigen. Also Radler, mal logisch denken!
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-17 # Bergradfahrer 2021-05-22 09:53
Und was soll denn konkret passieren? Die Brücke bricht zusammen? Das Schlimmste wäre ein übermotivierter Einsatzleiter, der sich von Dilettanten (Lokalpolitikern) dazu drängen ließe mit einer großen Einheit räumen zu wollen. Das wäre echt gefährlich mitten im Fluss und auf dem engen Raum. So etwas kostet Leben. Darum fährt man da auch vorbei.
Die "Infektion" im Freien, die Infection-Fatality-Rate und deren Altersverteilung brauchen wir nimmer zu diskutieren, das Thema ist erledigt. Grundlage und Sinn der "Notbremse" brauchen wir genauso wenig zu diskutieren wie Astrologie oder Chakrenarbeit. ;-)

@Werner, gute Idee.
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+1 # cityman 2021-05-24 12:46
Sorry WebZet, 3. Kommentar: Bergradfahrer, was konkret passieren kann, ist nun bewiesen! Mal die Presse zur Brust nehmen, Sonntag früh, 200 - 300 Personen beim Schlägern, Saufen, Klauen usw. KLASSE! Und jetzt noch Corona?
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-6 # Werner 2021-05-21 22:57
Des Fensterla ist noch da und ich hab an Durscht. Ich erinnere mich, dass Sie a Leberkaswecklsa 4 all mitbringa wollt‘n, auch wenn Sie doch kein Brückenbürgermeister geworden sind
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+10 # Es Reicht 2021-05-24 15:38
Dass überhaupt der Stadtrat gefragt wird verstehe ich nicht. Das Umsetzen und Durchsetzen von Hygienemaßnahmen kann und darf nicht vom Placet eines Kommunalparlaments abhängen.

Und die Entwicklung der letzten Tage zeigt doch, dass es schon "zehn NACH zwölf" ist.

Das links-grüne (Entschuldigung!) Geschwätz davon, dass es keine "No-Go Areas" geben soll, zeigt doch, wie wenig Hr. Schmitt die Situation einschätzen kann.

Entweder, er schafft es nicht, sich gedanklich so weit aus seiner Sozialisation zu lösen um eine umfänglichere Sicht von außen auf die Fakten zu gewinnen - oder er ist dazu schlichtweg geistig nicht in der Lage.

In beiden Fällen ist er als Stadtrat eine Fehlbesetzung. Dass aufgrund der Pandemie die Gastronomie, der Einzelhandel und über lange Zeit auch die Schulen "No-Go Areas" waren und sind scheint an ihm jedenfalls spurlos vorüber gegangen zu sein.

Für die Vertretung einer Stadtgesellschaft braucht es einen weiter gefaßten Blick auf die Dinge als durch die Scheuklappen der alternativen "Kultur". Wenigstens einzelne grüne Stadträte scheinen gedanklich nicht nur um Gendern, Fahrradfahren und Umsonstkultur zu kreisen...
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-5 # Lichtfetzen 2021-05-25 17:39
...das überhaupt jemand im Ernst glaubt, die Infektionszahlen könnten explodieren weil ein paar Leute im Freien rumsitzen ist schon erstaunlich. Selbst Herr Spahn sagt doch schon das das Risiko um den Faktor 10 geringer ist. Und die Kollegen von Infranken.de machen aus fünf Leuten die einen zusammenschlagen eine "Massenschlägerei". Man hat das Gefühl jeder will der Korrekteste sein hier, von der unteren Brücke aus wird die Menschheit nicht zugrunde gehen, aber bitte sperren oder am besten sprengen!
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