CORONA-PANDEMIE / FAMILIE

Die schwächsten Opfer des Corona-Lockdowns

Nun ist es durch Zahlen belegt: Im Corona-Jahr 2020 kam es zu deutlich mehr Fällen von Kindeswohl-Gefährdungen. Ein Hinweis, dass Kitas und Schulen offen bleiben müssen.

Jedes dritte betroffene Kind jünger als 5 Jahre

Wie das Statistische Bundesamt Destatis veröffentlicht hat, haben die Jugendämter in Deutschland 2020 bei über 60.600 Kindern und Jugendlichen eine Kindeswohl-Gefährdung festgestellt. Im Corona-Jahr 2020 haben die Kindeswohl-Gefährdungen damit den höchsten Stand seit Einführung der Statistik erreicht. Bereits in den beiden Vorjahren war die Zahl der Kindeswohlgefährdungen deutlich - und zwar um jeweils 10 % - gestiegen.
Neben einer zunehmenden Sensibilisierung der Bevölkerung für den Kinderschutz, können im C-Jahr 2020 auch die Belastungen von Familien infolge der Lockdowns und der Kontaktbeschränkungen ein Grund für die Zunahme gewesen sein. Gleichzeitig ist nicht auszuschließen, dass ein Teil der Fälle, etwa aufgrund von vorübergehenden Schulschließungen, unentdeckt geblieben ist. Die Behörden können nur solche Fälle zur Statistik melden, die ihnen bekannt gemacht wurden, wobei auch diese Zahl gewachsen ist.

Von den betroffenen Kindern war jedes zweite Kind jünger als 8 Jahre, jedes dritte jünger als 5 Jahre. Die meisten der Kinder mit einer Kindeswohlgefährdung wiesen Anzeichen von Vernachlässigung auf (58 %). Bei rd. einem Drittel aller Fälle wurden Hinweise auf psychische Misshandlungen – beispielsweise in Form von Demütigungen, Einschüchterungen, Isolierung und emotionale Kälte – gefunden. In etwas mehr als einem Viertel der Fälle gab es Indizien für körperliche Misshandlungen und bei 5 % Anzeichen für sexuelle Gewalt. Mehrfachnennungen bei der Erfassung waren hierbei möglich.

Weniger Hinweise von Schulen, aber deutlich mehr aus der Bevölkerung

Mehr als ein Viertel der Gefährdungseinschätzungen wurden im Jahr 2020 von der Bevölkerung - also Verwandten, Bekannten, Nachbarn oder anonym - angeregt. Fast ebenso häufig kamen die Hinweise auf eine mögliche Kindeswohlgefährdung von Polizei oder Justizbehörden. Mit Abstand folgten Einrichtungen und Dienste der Kinder- und Jugendhilfe oder Erziehungshilfe (13 %) sowie Schulen (10 %). In rund jedem zehnten Fall hatten die Familien selbst, also die betroffenen Minderjährigen oder deren Eltern, auf die Gefährdungssituation aufmerksam gemacht.
Knapp jeder dritte Verdacht auf eine Kindeswohlgefährdung wurde später durch die Jugendämter bestätigt. In etwa einem weiteren Drittel der Fälle stellten die Behörden zwar keine Gefährdung, wohl aber weiteren Hilfebedarf fest und ebenso in rund einem Drittel der Fälle erwies sich der Verdacht als unbegründet.

Fachleute hatten im Vorfeld der Corona-bedingten Lockdowns davor gewarnt, dass insbesondere durch die Schul- und Kita-Schließungen Kinderschutzfälle unentdeckt geblieben sein könnten. Die neuen Ergebnisse scheinen diese Annahme, zumindest für den Bereich Schule, zu stützen.
Andererseits scheint die Bevölkerung im C-Jahr 2020 erheblich wachsamer geworden zu sein: Gegenüber dem Vorjahr sind die Hinweise von Verwandten, Bekannten, Nachbarn und anonymen Melder/innen um 21 % angestiegen.

Weiterführende Informationen zu den Themen „Kinderschutz und Kindeswohl“ sind auf der neuen Themenseite im Internetangebot des Statistischen Bundesamtes verfügbar.

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