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Ausstellung des Kunstvereins Bamberg
ZEITREGEN
Bettina Scholz und Jochen Plogsties
 bis 29. Mai 2022
Kunstraum Kesselhaus Untere Sandstraße 42 (Eingang am Leinritt) 96047 Bamberg
Öffnungszeiten: Fr 15-18 Uhr, Sa-So 11 – 18 Uhr
Eintritt frei!

Zeit und Regen, beide können sowohl heftig als auch zärtlich sein. Beide sind immer Anlass für Veränderungsprozesse. Verwandlung, Wahrnehmung und die weltverändernde Kraft der Fiktion sind die Themen, um die die Ausstellung Zeitregen kreist. Die Bilder von Jochen Plogsties und Bettina Scholz ermöglichen uns sekundenschnelle gedankliche Sprünge in verschiedene Zeiten und Epochen.

Die stark farbigen Glasbilder und rätselhaften Objekte von Bettina Scholz scheinen die visuellen Ideen des Abstrakten Expressionismus mit sakralen Bildentwürfen und ScienceFiction Szenarien zu kreuzen. Ihre Inspirationen aus Literatur, Mythologie, Film und Musik bezeichnet sie als Wahlverwandtschaften, als ein geistiges Kollektiv, das ihre eigene Arbeit wie eine Familie begleitet oder sogar bedingt. So finden fratzenhafte Wasserspeier, die geisterabwehrend auf den Dächern der gotischen Kathedralen sitzen, ebenso Eingang in ihre Bilder, wie Gedichte von Gertrude Stein oder elektronische Musik aus der Clubkultur der Großstädte. Für die Ausstellung in Bamberg formte sie Blattmasken aus Ton, die Bezug nehmen zu der berühmten Blattmaske des Bamberger Reiters, aber auch zur zeitgenössischen Fantasy wie der Serie „Game of Thrones“.

Jochen Plogsties Malerei reist ebenso durch Zeit und Raum, mit augenscheinlich anderen Mitteln. Er malt Bilder von Bildern – seine Quellen sind altmeisterliche Ikonen, Hauptwerke verschiedenster kunsthistorischer Epochen oder Darstellungen aus Magazinen. Seine Malerei hat eine offene, durchlässige Struktur, in der wir immer nur fast etwas greifen können, das dann im nächsten Moment wieder zu verschwinden scheint. „Eine Frau sitzt mit aufrechter Haltung in einem Säulengang. Das grüne Kleid fließt an ihrem Körper herab, das Gesicht nur skizzenhaft, aber ihre stolze Ausstrahlung wirkt mit ganzer Kraft. Es ist das Bild einer Königin. Auf einer anderen Leinwand wölbt sich eine Holzbrücke im grünen Farbenmeer. Darunter Seerosen, Flecken in pulsierendem Bunt. Was sehen wir, was haben wir wiedererkannt? Greta Thunberg und Monet? Es sind Affekte mit denen Jochen Plogsties spielt – bewusste Assoziationen. Die Vorbilder (…) sind Anleihen, die in etwas Eigenes, vollkommen autarkes verselbständigt werden. Die erste Impression wird zur Auflösung getrieben und in verschiedene Ebenen des Raums, der Zeit und des Seins aufgefächert.“*

Als Antipoden treffen die künstlerischen Positionen von Bettina Scholz und Jochen Plogsties in Zeitregen aufeinander. Gegensätzlicher kann die Wahl der malerischen Mittel kaum sein. Es verbindet sie jedoch ein assoziativer Umgang mit Realität, in der Zeit und Raum nicht linear erscheinen und in der Ur-Altes mit ganz Neuem gleichzeitig gedacht werden kann.
*Textauszug Laura Gerstmann

Bettina Scholz wurde 1979 in Neuruppin/Brandenburg geboren; sie lebt und arbeitet in Berlin. Von 2006 -2012 hat sie Malerei/Freie Kunst an der Kunsthochschule Berlin Weissensee und am Chelsea College of Art in London studiert und 2012 als Meisterschülerin in der Klasse von Antje Majewski abgeschlossen. Ihre Arbeiten wurden in den letzten Jahren u.a. in der Kunsthalle Rotterdam, den Deichtorhallen Hamburg, dem Künstlerhaus Bethanien Berlin und bei SETAREH Düsseldorf gezeigt. Sie sind in der Sammlung Wemhöner Berlin vertreten, sowie in Privatsammlungen in Deutschland und Europa. Seit November 2021 ist Bettina Scholz Professorin für Malerei an der Alanus Hochschule/ Studienzentrum Mannheim.

Jochen Plogsties wurde 1974 in Cochem an der Mosel geboren; er lebt und arbeitet in Leipzig. Von 1999 bis 2003 studierte er Malerei bei Friedemann Hahn an der Kunsthochschule Mainz, von 2003 bis 2006 bei Arno Rink an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. 2008 beendete er sein Meisterschülerstudium bei Neo Rauch. 2009 hatte er ein Stipendium am ISCP in New York. 2011 erhielt er den Kunstpreis der Leipziger Volkszeitung begleitet von einer Einzelausstellung im Museum der bildenden Künste, Leipzig. Weitere wichtige Einzelausstellungen: 2014 „Küsse am Nachmittag“ in der Kestnergesellschaft, Hannover. 2018 „Only Lovers Left Alive“ im Collectors Room, Hamburg. 2019 „Yang Chen“ im Brandenburgischen Landesmuseum für Moderne Kunst, Frankfurt an der Oder. 2021 „Vor Tizian nach Monet“ in der MEWO Kunsthalle in Memmingen.

weitere Informationen https://www.kunstverein-bamberg.de/ 

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