Bürgerschaft leidet unter falschen Prioritäten

Die Lage ist ernsthaft und schwierig. Pünktlich zu den Haushaltsberatungen kirscht es laut im Rathaus. Es geht um Personalmangel und mangelnde Wertschätzung der “Bodentruppen”. 

Und immer noch mehr spezielle “Freiwillige Leistungen” 

Im Maschinenraum des Rathauses knirscht es. Die Unzufriedenheit des Personals hat sich im Sommer in der Mitarbeiterbefragung der Verwaltung mit der Note 4,21 eindrucksvoll bestätigt geäußert

Das könnte der künftige Bamberger Ordnungsdienst sein.

Im Umfeld der Vorstellung des Entwurfs für den Stadthaushalt 2024 in den vergangenen Tagen war von beabsichtigten neuen Planstellen zu hören, die bereits Anlass zu deutlicher Kritik gaben. So lässt sich die Stadt rd. 45.000 €/a die halbe Stelle einer wissenschaftlichen Mitarbeiterin kosten, die die Errichtung eines neuen städt. Museums auf dem Michelsberg erforschen soll. Ein neues Museum, das wohl ein Millionenprojekt werden soll.

Fast zehnmal so viel – rd. 400.000 € – kann die Einrichtung eines Kommunalen Ordnungsdienstes kosten. Die Idee wurde in den Krawallzeiten auf der Unteren Brücke geboren. Eigentlich eine grüne Idee, für die sich  jetzt auch die CSU-Fraktion stark macht und die neue Truppe der städt. Ordnungshüter gar auf acht Personen aufstocken will.

Langjähriges Organisationsversagen und ein irregeleitetes Werteverständnis

Besonders delikat: Der geplante Kommunale Ordnungsdienst ist eine rein freiwillige Leistung. Wegen der grundlegend desolaten Haushaltssituation der Stadt Bamberg hat die Regierung v. Ofr. schon mehrmals vor der Bewilligung weiterer freiwilliger Leistungen gewarnt. Macht nix.
Dem Vernehmen nach hat der Gesamtpersonalrat der Stadt einen Brandbrief an OB und Bürgermeister geschrieben, in dem kritisiert wird, dass auf der einen Seite  öffentliche Mittel in freiwillige Leistungen fließen, während es auf der anderen Seite bei Pflichtaufgaben an allen Ecken und Enden knirscht.

In der Gesamtbetrachtung knirscht es vor allem im Maschinenraum des Rathauses. Die von der Rathausspitze ausgedachte Haushaltskonsolidierung soll weitergehen. Heißt: Die strikte Stellenplanbewirtschaftung, das notorische Einziehen und Nichtbesetzen von Planstellen, der Sparkurs auf dem Rücken der Rathausmitarbeiter und der Bürger gehen weiter.

Erinnerung an die Boni-Affäre.

Bei der Bamberger Stadtverwaltung fehlen nicht “Großkopferte”, sondern jene Fachkräfte, die für das Funktionieren des Gemeinwesens  wichtig sind. Dabei ist die Erzählung  vom Personalmangel nur ein Teil der Wahrheit. Die Personalflucht aus dem Bamberger Rathaus muss ja Gründe haben. Etwa, weil hinter der Ausdünnung von Arbeitskräften ein langjähriges Organisationsversagen und ein irregeleitetes Werteverständnis (Boni-Affäre) steckt , das sich jetzt rächt. Viel zu oft standen theoriebeladene akademische Berufe im Mittelpunkt, viel zu lange wurden praktische Fähigkeiten vernachlässigt, durch prekäre Entlohnung kaputtgespart oder durch andauernde Überlastung zermürbt. (Die letzten Zeilen sind einem Kommentar des FT-Chefreporters Michael Wehner entnommen.)

Geschrieben: -mdw; veröffentlicht: 28.11.23; Bilder v. webzet (Titelbild ist i.d.R. Symbolfoto); BildNw:

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9 Gedanken zu “Bürgerschaft leidet unter falschen Prioritäten

  1. “rd. 400.000 € – kann die Einrichtung eines Kommunalen Ordnungsdienstes kosten”
    Super, die Abschnittsbevollmächtigten kommen zurück!

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      1. Die sog. Blockwarte waren im Nationalen Sozialismus, im real existierenden hießen sie Abschnittsbevollmächtigte, im Neosozialismus queer-ökologisch-gesundheitlicher Prägung sind das Ordnungsdienste. Im Grunde prekär Beschäftigte im hoheitlich-juristischen Graubereich.
        Der Abschnittsbevollmächtigte war hingegen ein echter Polizist, der Blockleiter kam lediglich aus der Partei und war in dieser angesiedelt. Letzerer musst z.B auch kontrollieren, ob jede Familie eine Hakenkreuzfahne besaß. Wann der Kommunale Ordnungsdienst meinen Nichtbesitz von Israel-, Ukraine- und Regenbogenfahnen ahndet, ist eine Frage der Zeit. 😉

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  2. Nach den von der Webzet genannten Zahlen aus dem Haushaltsentwurf wachsen die Personalausgaben gewaltig. Die Frage ist nur, wo diese Mehrausgaben hingehen. Vielleicht ist es wirklich so, dass es im Rathaus viele Häuptlinge und wenig Indianer gibt.

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  3. Das Grundproblem besteht auch in anderen Kommunen. Der Wettbewerb um Sekretariats- und Verwaltungspersonal bis zur dritten Qualifikationsebene ist hart. Der Markt quasi leer. Dann fehlt Personal, das bestehende kommt immer mehr ans Limit, der Unmut wird größer, und der Teufelskreis ist perfekt. In jeder Kommune gibt es spezielle Geschichten, am Ende ist es jedoch die demografische Entwicklung, um die es geht.

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    1. Der Markt ist wirklich leer?
      Aktuell haben wir offiziell ca. 2,6 Mio Arbeitslose, d.h. realistisch ca. 4 Mio.
      Dazu unzählige unserer ausländischen “Fachkräfte”!
      Sollte man vielleicht mal hinterfragen, was hinter dem so gern für alle möglichen Misstände genannten sog. Fachkräftemangel steckt?
      Könnte es vielleicht sein, dass die Arbeitgeber immer noch auf einem sehr hohen Ross sitzen?

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      1. Dieses Thema ist komplex. Wenn Menschen statistisch zur Verfügung stehen, heißt das nicht, dass das zum beiderseitigen Bedarf passt. Auf beiden Seiten lässt sich nichts erzwingen.

        Es stimmt, dass Arbeitgeber immer noch auf einem hohen Ross sitzen. Sie machen allenfalls minimale Zugeständnisse, fallen ansonsten eher mit dem Herziehen über bestimmte Generationen auf. Große Klasse. Sie erwarten, dass die Leute ein bisschen Obstkorb, ein bisschen Fitnessstudio-Mitgliedschaft, ein bisschen Zuschuss zum Deutschlandticket etc. als Engagement empfinden. Die Leute sind nicht blöd, sie kommen sich zurecht verarscht vor, wenn das Gehalt nach wie vor sparsam bleibt.

        Im öffentlichen Dienst besteht zudem das Problem, dass die Bezahlung nach TVöD bzw. TV-L nicht wirklich attraktiv ist. Verhandelbar ist das im Regelfall auch nicht. Das hält viele davon ab, sich überhaupt zu bewerben.

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        1. Ergänzend kann man dazu noch erwähnen dass hier der Gesetzgeber absolut geil auf Abschlüsse ist. Beispielsweise wird ein Quereinsteiger mit Büroausbildung in Entgeltgruppe 5 eingruppiert. Sobald die Person in EG 6 aufsteigen möchte, benötigt diese eine Verwaltungsausbildung. Die Büroausbildung reicht hierfür nicht aus. Ist ja klar, dass das dann niemand macht. Sollte die Person dann mal die Verwaltungsausbildung haben und möchte in die Führungsebene, reicht die einfache Verwaltungsausbildung auch nicht mehr aus. Da muss dann der Fachwirt her. Und den machen noch weniger Leute. Wie Sie es schon sagen, es ist ein komplexes Thema.

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  4. Unzufriedenheit und Missmut im Bamberger Rathaus ist schon seit einiger Zeit bekannt. Durch die Boni-Affäre hat sich das besonders beim “Bodenpersonal” tief eingebrannt.

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