Aus den Fugen

Deutschland verlässt den aufgeklärten Westen. Auf woken Abwegen und Arm in Arm mit religiösen Kämpfern geht es zurück in Richtung selbst verschuldeter Unmündigkeit. 
Von FRANK A. MEYER (schweizer Journalist und lebt in Berlin) Ausschnitt aus einer Kolumne im Print-Magazin CICERO, Februar 2024)
“Er ist der weise Gewährsmann der neueren deutschen Geschichtsschreibung: Heinrich August Winkler. Mit seinem monumentalen Werk ,,Der Westen“ definierte er kühn die Konturen der jüngsten Zeitläufe in der Freiheitswelt des Westens – mitsamt der Gesellschaft des unablässigen Widerspruchs, also des Denkens und Gegendenkens.
Nun warnt der weise Reflektierer Winkler: „Der Westen ist von innen mehr bedroht als von außen.“ Huldigt der Historiker, dem bisher jede aktuelle Aufgeregtheit fremd war, etwa plötzlich dem Alarmismus, wenn er – vor allem im Osten Deutschlands -,,Vorbehalte gegenüber der westlichen Demokratie” sowie negative ,,Reflexe gegenüber den Vereinigten Staaten ausmacht”?
Auch der Philosoph Alain Finkielkraut sieht die westliche Wertewelt bedroht, nicht zuletzt durch die aktuellste Ausprägung kapitalismusfeindlicher Ideologie: ,,Der Wokeismus ist die totale Infragestellung der westlichen Kultur.” Ähnlich wie Winkler schlägt Finkielkraut Alarm: „Es ist wie ein Todeskult.«
Was gerät da gerade außer Rand und Band?
In Berlin, wo die Kraft der wirtschaftlich bedeutendsten europäischen Nation politisch gebündelt wird, mussten die Feiern zum Jahreswechsel von 5000 Polizisten gesichert werden, es gab 400 Verhaftungen. In den Augen der Politik war das ein voller Erfolg, habe sich doch der Rechtsstaat durchgesetzt.
Im fränkischen Karlstadt eröffnete der Ruf eines Muezzin den Andreasmarkt – Willkommenskultur als Weihnachtsbotschaft: ,,lch bezeuge, dass es keinen Gott gibt außer Allah. Zur gleichen Zeit inszeniert eine Berliner Kirchengemeinde ihr „queer-feministisches Krippenspiel”. Von evangelischer Kanzel erscholl die grundstürzende Erkenntnis: .Gott ist queer.” Deutschland aus den Fugen.
In der Tat lässt sich im Land der katastrophal verstolperten Demokratiegeschichte die Gefährdung des Westens von innen besonders deutlich ablesen: Migrationsheiligung, Geschlechteranbetung, Islamvergötterung, Klimareligion – Deutschland begibt sich auf den Weg zurück, raus aus der verãchtlich-merkantilen Zivilisation des Westens, hinein in die Sehnsuchtswelt romantischer Vergangenheit.
Da bedient sich eine dem Westen feindliche Ideologie der westlichen Freiheiten, um eben jene als rassistisch-sexistisch-klassistisch-kolonialistisch zu schmähen – als gesteuert vom ,,alten weißen Mann” dem postpostmodernen Beelzebub.
Der woke Weg führt von Freiheit und Gleichheit des Bürgers zur moralischen Vorherrschaft der Gruppe, zu einem identitären Verständnis von Gesellschaft: Wer aus dem globalen Süden stammt – was auch immer diese neue linksgrüne Geografie umfassen mag -, verfügt demnach als Opfer von Kolonialismus und Kapitalismus über einen Stammbaum des Guten. Wer hingegen auf der universalistischen Kultur des Westens besteht, gilt automatisch als Vertreter des Untergangs, wie es die deutsche Physikerin und Klimatologin Friederike Otto in fünf Wörtern formuliert: Weiße Männer befeuern die Klimakatastrophe.” Die weiße Rasse, verkörpert durch ihre Patriarchen, ist aus ihrer Sicht verantwortlich für Sexismus, Rassismus, Ungleichheit, Hitzewellen, Wassermangel, kurz: das Elend der Welt….”

Leider können solche Interpretationen deutscher Wirklichkeit nur noch von ausländischen Autoren oder gleich in ausländischen Zeitungen gelesen werden.

2. Seite der Kolumne von F.A. Mayer-2.24

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9 Gedanken zu “Aus den Fugen

  1. Vielleicht wäre es besser den Fokus auf die Tatsache zu richten, wie viel in diesem Land gut läuft. Im internationalen Vergleich sowieso. Ich halte nicht viel vom ständigen Kaputtreden, das ja teils schon ins Apokalyptische abdriftet.

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    1. Klar, sollte man das, ist ja auch ganz einfach. Man schaut einfach mal nicht auf die Außen-, Wirtschafts-, Energie-, Verteidigungs-, Bau-, Gesundheits-, Bildungs- und Sozialpolitik. Man hört das analsadistische Hinterfragen von exotischen Haushaltsposten in schwindelerregender Höhe auf. Man muss auch geflissentlich die Innere Sicherheit und die wirtschaftliche Lage der Bevölkerung sowie deren begründete Ängste vollkommen ignorieren.

      Also was läuft, das ist die Sozialindustrie. Also alle diejenigen, die Geld vom Staat erhalten, dass sie Leute umsorgen, die nicht arbeiten, obwohl sie es könnten. Oder die gar nicht hier sein dürften.

      Und Bier, ja, Bier, Bier, das läuft. Und das ist auch gut so und wichtig!

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    2. Ein Tipp. Gegen Schizophrenie gibt es gute Medikamente.
      Wer redet denn alles kaputt in diesem Land? Das sind doch die Öko-, Gender-, Klima- und BMI-Phantasten und last, but not least die AFD.
      Nur Hetze ohne Substanz. Alles Versager und Demokratievernichter.
      Sorry für die Breitseite. Musste aber mal sein.

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  2. Im Cicero wird AfD-Gedankengut (bitte das “gut” streichen!) schon lange so verpackt, dass es gutbürgerlich klingt.
    Mir scheint, das gilt auch immer stärker für die WebZet.

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    1. Das ist eines der großen Probleme in unserem Land: Alles was bestimmten Leuten nicht gefällt, wird so wie hier diskreditiert. Glauben Sie, dass Sie mich damit beeindrucken können? Nein, aber ich mache mir Sorgen.

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      1. Ja, ich mache mir auch Sorgen:
        – weil hier ständig (besonders von einem Kommentator) kontrafaktischer Unsinn verbreitet wird, ohne dass sich jemand bemüßigt fühlt, das richtigzustellen;
        – weil hier ohn’ Unterlass polemisiert (um nicht zu sagen: gehetzt) wird, wahlweise gegen Geflüchtete, “die Politik”, “die Grünen” (kann beliebig fortgesetzt werden), ohne dass sich jemand um Differenzierung oder gar Argumente bemüht;
        – weil die wirklich großen Krisen dieser Zeit (Klimawandel, gigantischer Ressourcenverbrauch, obszöne Ungleichverteilung von Einkommen und Vermögen…) keine Silbe wert sind, während jeder verlorene Parkplatz wie der Weltuntergang bejammert wird;
        – weil die WebZet mit ihren Artikeln jeweils die Steilvorlagen für solcherlei Kommentare bietet.
        Ich könnte diese Aufzählung fast beliebig fortsetzen.
        So sind die WebZet und v.a. ihre Kommentarspalten leider zum Spiegelbild der “Trumpisierung” des politischen Diskurses und der zunehmenden Spaltung der Gesellschaft geworden. Sehr schade. Und DARÜBER muss man sich wirklich Sorgen machen.

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  3. Ja, weiße Männer haben die Klimakatastrophe befeuert. Aber wer hat davon profitiert und profitiert immer noch davon: die jüngere Generation. Ist ja alles vom Himmel gefallen!

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  4. So wie bei uns vornehmlich junge Menschen ihr eigenes Land heruntermachen, kann es nicht gut gehen. Elementar für jedes Land war und wird immer sein, dass Bekenntnis zu den eigenen Leuten. Wenn die Krisen international immer größer werden, wird man sehen, wie das “unser Land zuerst” in den anderen Ländern wieder auflebt. Man macht sich dabei schon jetzt über Deutschland lustig, auch wenn unsere Medien das größtenteils verschweigen.
    Die Schuld von Nazideutschland bleibt unbestreitbar, aber die heutigen Generationen sind dafür nicht verantwortlich.

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  5. Ja, wir sind an einem Punkt, an dem auch schon die Römer waren. Caracalla hat mit seiner Constitutio Antoniniana schlagartig alle freien Bewohner des Imperiums zu Römischen Bürgern erklärt. Aus Gründen des Populismus und qua totalitärer Autorität. Wie das am Ende ausging, ist bekannt, zumindest wenn man in der Schule aufgepasst hat (also nicht der grünen Führungsspitze). Hat damals zwar etwas länger gedauert, aber damals war die Welt auch nicht so schnell unterwegs wie heutzutage. Wir werden die irreversiblen Folgen heute sehr schnell bemerken.

    An diesem Scheidepunkt der Selbstauflösung der eigenen, ja, ich schreibe das Wort bewusst und auch bewusst groß, NATIONALEN Identität ist unbedingt in die richtige Richtung abzubiegen.
    Wir haben die “Barbaren”, die nicht assimiliert sind, schon da, es wollen noch viel mehr kommen. Da muss etwas geschehen, oder Geschichte wiederholt sich.

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